Durch URL-Hijacking (dt. „URL-Ent­füh­rung“) kann Ihre Website aus dem Index der je­wei­li­gen Such­ma­schi­ne gelöscht und so vor po­ten­zi­el­len Besuchern und Be­su­che­rin­nen verborgen werden. Dieses Phänomen tritt vor allem dann auf, wenn statt Ver­lin­kun­gen Wei­ter­lei­tun­gen ein­ge­setzt werden.

Was ist URL-Hijacking?

Der Begriff URL-Hijacking be­zeich­net ein Phänomen, bei dem eine In­ter­net­sei­te fälsch­li­cher­wei­se aus den Er­geb­nis­sen einer Such­ma­schi­ne ver­schwin­det und durch eine andere ersetzt wird. Diese andere Seite verlinkt zwar auf die ei­gent­li­che Zielseite bzw. -URL – al­ler­dings nicht per direktem Verweis, sondern mithilfe einer Wei­ter­lei­tung (auch Redirect). So wird z. B. von ver­lin­ken­de-seite.de auf ihre-seite.de verwiesen, anstelle des üblichen HTML-Tags <a> jedoch eine Wei­ter­lei­tung genutzt. Die wei­ter­lei­ten­de URL sieht bei­spiels­wei­se fol­gen­der­ma­ßen aus:

www.verlinkende-seite.de/redirect .php?target=www.ihre-seite.de

Findet eine Such­ma­schi­ne einen solchen Link, stuft sie die ver­lin­ken­de Seite und die Zielseite als identisch ein, was zur Folge hat, dass sie eine der beiden aus dem Index löscht. Dabei ori­en­tiert sie sich an den HTTP-Status-Codes, die den Domain-Wei­ter­lei­tun­gen anhaften.

Während Code 301 (Moved Per­ma­nent­ly) eine per­ma­nen­te Umleitung auf die an­ge­ge­be­ne URL be­zeich­net, steht Code 302 (Found) für eine nur vor­über­ge­hen­de Umleitung auf die aus­ge­wie­se­ne URL. Der erste Typus ist un­pro­ble­ma­tisch, im 302-Redirect besteht jedoch der Haupt­grund für das URL-Hijacking. Derart aus­ge­zeich­ne­te Wei­ter­lei­tun­gen sug­ge­rie­ren den Crawlern der Such­ma­schi­nen, dass die Zielseite nur vor­über­ge­hend bestehen wird und es sich bei der ver­lin­ken­den Seite um das ei­gent­li­che Original handelt – eine Über­prü­fung, ob beide Seiten überhaupt in ir­gend­ei­ner Ver­bin­dung stehen, bleibt dabei aus. Ist dies nicht be­ab­sich­tigt, wird die falsche Seite indexiert, die somit das Ranking der ver­link­ten URL übernimmt.

Domain kaufen
Re­gis­trie­ren Sie Ihre perfekte Domain
  • Inklusive 1 SSL-Wildcard-Zer­ti­fi­kat pro Vertrag
  • Inklusive Domain Lock
  • Inklusive Domain Connect für einfache DNS-Ein­rich­tung

Wo kommen 301- und 302-Redirects überhaupt zum Einsatz?

Es gibt ganz un­ter­schied­li­che Be­weg­grün­de für die Nutzung von URL-Wei­ter­lei­tun­gen. So sind per­ma­nen­te Um­lei­tun­gen von Tipp­feh­ler-Domains auf die korrekte Domain eine weit ver­brei­te­te Praxis. Tippt man in die Adress­leis­te seines Browsers bei­spiels­wei­se ver­se­hent­lich googel.de anstelle von google.de ein, gelangt man dennoch auf die Start­sei­te der bestens bekannten Such­ma­schi­ne. Auch die dau­er­haf­te Wei­ter­lei­tung auf die korrekte Adresse der Haupt­sei­te ist nicht unüblich.

Besuchen Sie bei­spiels­wei­se die Haupt­sei­te der deutsch­spra­chi­gen Wikipedia de.wikipedia.org, führt Sie ein 301-Redirect direkt zu der URL de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Haupt­sei­te. Ferner verwenden Webmaster dau­er­haf­te Wei­ter­lei­tun­gen, um Besucher nach einem Domain-Wechsel auf die neue Web­adres­se zu leiten oder um Inhalte des Web­pro­jekts, die eine neue URL erhalten haben, ent­spre­chend zu kenn­zeich­nen.

Temporäre 302-Wei­ter­lei­tun­gen haben hingegen grund­sätz­lich die Funktion, Inhalte vor­über­ge­hend unter einer anderen URL zu prä­sen­tie­ren, wenn diese, bei­spiels­wei­se bei Wartungen der Ori­gi­nal­sei­te, dennoch verfügbar bleiben sollen. Erzeugt ein Webmaster diesen Um­lei­tungs­typ manuell, steckt dahinter in der Regel die Absicht, dass der Content später wieder auf der Original-URL erscheint. Es gibt al­ler­dings drei Szenarien für temporäre Redirects, die zu URL-Hijacking führen bzw. dieses sogar zum Ziel haben:

Un­be­ab­sich­tig­te Nutzung der 302-Umleitung

Es ist durchaus möglich, dass Webmaster mit einer tem­po­rä­ren Wei­ter­lei­tung auf ein fremdes Web­pro­jekt verweisen, ohne dass dahinter böse Absichten stecken. Es kann sich um ein Versehen handeln, weil ei­gent­lich ein dau­er­haf­ter Redirect gesetzt werden sollte. Auch das URL-Um­lei­tungs­mo­dul (Rewrite-Engine) des Apache-Web­ser­vers, mod_rewrite, setzt stan­dard­mä­ßig Um­lei­tun­gen mit dem Sta­tus­code 302.

Dynamisch ge­ne­rier­te URLs

PHP ist eine feste Größe in der Web­ent­wick­lung. Die ser­ver­sei­ti­gen Skripte in dieser beliebten Pro­gram­mier­spra­che sind ein einfacher und prak­ti­scher Weg, dy­na­mi­sche Inhalte für die eigene Website zu erzeugen. Häufig sind es al­ler­dings auch PHP-Skripte, die Ziel­adres­sen dynamisch in eine be­stehen­de URL einbinden und dabei den Sta­tus­code 302 für temporäre Wei­ter­lei­tun­gen verwenden. Diese Art von Skripten kommt vor allem in Ver­zeich­nis­sen für Web­adres­sen, aber auch in vielen Content-Ma­nage­ment-Systemen zum Einsatz.

Bewusst her­bei­ge­führ­tes URL-Hijacking

Auch Kri­mi­nel­len ist das Phänomen der URL-Ent­füh­rung bekannt, weshalb sie sich dieses immer wieder gerne zunutze machen. Sie nutzen 302-Redirects ganz bewusst, um die In­de­xie­rung ihrer eigenen Inhalte vor­an­zu­trei­ben und versuchen dabei, besonders gut rankende Seiten zu „entführen“. Diese Vor­ge­hens­wei­se ist jedoch weder nach­hal­tig noch legal und fällt unter Black-Hat-SEO.

URL-Hijacking im Vergleich zu anderen An­griffs­me­tho­den

Häufig wird URL-Hijacking mit anderen An­griffs­me­tho­den wie dem Domain-Hijacking oder auch Ty­po­s­quat­ting ver­wech­selt. Dennoch handelt es sich hierbei um ver­schie­de­ne Angriffe, die genutzt werden können, um Ihnen bzw. dem Ranking Ihrer Website zu schaden.

URL-Hijacking vs. Domain-Hijacking

Obwohl sowohl URL-Hijacking als auch Domain-Hijacking mit dem Ziel ein­ge­setzt werden, Kontrolle über eine Website zu erlangen, un­ter­schei­den sich die beiden An­griffs­me­tho­den ins­be­son­de­re in ihrer Vor­ge­hens­wei­se: Beim Domain-Hijacking geht es An­grei­fen­den darum, durch Zugriff auf die Domain-Ver­wal­tungs­kon­ten Kontrolle über eine Domain zu erlangen. Hierfür werden bei­spiels­wei­se die DNS-Ein­stel­lun­gen verändert. Auf diese Weise können An­grei­fen­de im schlimms­ten Falle die gesamte Web­prä­senz des Opfers über­neh­men.

URL-Hijacking vs. Ty­po­s­quat­ting

Wie der Name schon andeutet, werden bei der An­griffs­tech­nik Ty­po­s­quat­ting gezielt Tipp­feh­ler aus­ge­nutzt. Wo im Nor­mall­fall Redirects ein­ge­setzt werden, um bei kleinen Tipp­feh­lern auf die ge­wünsch­te Website zu gelangen, setzt Ty­po­s­quat­ting an: An­grei­fen­de re­gis­trie­ren gezielt Domains mit typischen Tipp­feh­lern, um die Be­su­che­rin­nen und Besucher auf ihre Website zu leiten, die häufig Schadcode enthält.

Domain-Check

So schützen Sie Ihr Web­pro­jekt vor URL-Hijacking

Jeder, der damit be­schäf­tigt ist, das Ranking seiner Webseiten zu ver­bes­sern, weiß, wie an­spruchs­voll und zeit­in­ten­siv dieses Un­ter­fan­gen ist. Je höher Sie in der Gunst der Such­ma­schi­nen steigen, desto schwerer wiegt eine mögliche Ent­füh­rung der in­de­xier­ten Seiten. Anders als bei­spiels­wei­se bei einem Angriff, der durch eine Si­cher­heits­lü­cke in Ihrem Web­pro­jekt er­mög­licht wird, ist der Vorgang des URL-Hi­jackings eng an die ei­gent­lich ele­men­ta­re SEO-Disziplin des Link­buil­dings geknüpft und somit nicht einfach durch den Einsatz einer Si­cher­heits-Software zu ver­hin­dern.

Folglich ist es zwingend er­for­der­lich, neue und be­stehen­de Backlinks re­gel­mä­ßig zu ana­ly­sie­ren, um pro­ble­ma­ti­sche URLs her­aus­zu­fil­tern. Hierfür gibt es zahl­rei­che Tools und Dienste wie die folgenden:

Der letzt­ge­nann­te Service von Google bietet Ihnen darüber hinaus ein Tool zum Entfernen von URLs, um un­er­wünsch­te Wei­ter­lei­tun­gen, die auf Ihr Web­an­ge­bot verweisen, aus dem Suchindex zu löschen. Zuvor sollten Sie al­ler­dings immer den be­tref­fen­den Webmaster kon­tak­tie­ren und darum bitten, die Wei­ter­lei­tung an­zu­pas­sen – so besteht die Chance, die ent­spre­chen­den Backlinks auf­recht­zu­er­hal­ten. Mit dem Sta­tus­code 307 (Temporary Redirect) gibt es seit HTTP 1.1 im Übrigen sogar eine Option für vor­über­ge­hen­de Wei­ter­lei­tun­gen, die nicht zu URL-Hijacking führen.

Ist die Ori­gi­nal­sei­te bereits aus dem Index ver­schwun­den, sollten Sie nach der Über­ar­bei­tung bzw. Löschung des schä­di­gen­den Backlinks den Such­ma­schi­nen­an­bie­ter kon­tak­tie­ren und um eine Wie­der­her­stel­lung des ur­sprüng­li­chen Rankings bitten.

Zum Hauptmenü