Wenn es ein Stichwort gibt, das un­trenn­bar mit Content-Marketing verbunden ist, dann wohl Mehrwert. „Pro­du­zie­ren Sie Content mit Mehrwert“ ist ein gängiger Tipp – und gar nicht so leicht um­zu­set­zen, denn: Wie stellt man das konkret an? Hier finden Sie 7 Ideen, wie Content mit Mehrwert aussehen kann.

Was ist ei­gent­lich „Mehrwert“?

Die wich­tigs­te Frage zuerst: Wann ist ein Inhalt für User*innen wirklich „mehr wert“? Die schnelle Antwort lautet schlicht und einfach: wenn er ihnen Zeit und Arbeit erspart.

Sie kennen das ver­mut­lich von sich selbst – wer online Content kon­su­miert, verfolgt damit ein be­stimm­tes Ziel, und sei es „nur“ Un­ter­hal­tung. Niemand hat Zeit zu ver­schen­ken, doch leider scheint dieser Faktor in vielen Content-Stra­te­gien noch nicht an­ge­kom­men zu sein. Statt­des­sen werden Inhalte pu­bli­ziert, die den User*innen nicht wirklich wei­ter­hel­fen – sie sind entweder zu um­ständ­lich, zu werblich oder eine Kopie von allem, was es schon hun­dert­fach gibt.

Zu­sam­men­ge­fasst hat ein Inhalt dann einen Mehrwert, wenn er

  • schnell das bietet, was die User*innen in ihrer je­wei­li­gen Situation gerade möchten
  • über­sicht­lich und äs­the­tisch gestaltet ist

Im Anschluss lesen Sie 7 Mög­lich­kei­ten, wie sich diese beiden Grund­re­geln im Content umsetzen lassen. 

#1 Konkrete In­for­ma­tio­nen liefern

Wer sich schon einmal im Content-Marketing versucht hat, weiß, dass das einiges an Aufwand bedeutet. Aufwand, für den oft zu wenig Zeit ein­kal­ku­liert ist.

Die Folge: Es werden zwar säu­ber­lich Kon­kur­renz­sei­ten ana­ly­siert und Themen her­aus­ge­fil­tert, doch in der Umsetzung ori­en­tiert man sich ein bisschen zu sehr an der Kon­kur­renz. Und so wird laufend imitiert, was bereits gut zu funk­tio­nie­ren scheint. Nicht selten sind das schwam­mi­ge In­for­ma­tio­nen – eben, weil jeder von jedem „ab­schreibt“.

So schaffen Sie Mehrwert: Liefern Sie handfeste, konkrete In­for­ma­tio­nen.

Begnügen Sie sich nicht mit vagen Aussagen wie „Studien haben gezeigt“, sondern geben Sie einen Kontext:

  • Welche Studien waren das?
  • Wie aus­sa­ge­kräf­tig sind sie?
  • Wann wurden sie durch­ge­führt – ist das Ergebnis überhaupt noch relevant?

Ein Beispiel, wie das aussehen kann:

Mit solchen Zu­satz­in­for­ma­tio­nen können sich Nutzer*innen sofort ein Bild machen, ob die In­for­ma­ti­on für ihre Zwecke nützlich ist. Sie müssen sich den Kontext nicht selbst zu­sam­men­su­chen und sparen Zeit.

#2 Grafische Auf­be­rei­tung für bessere Ver­ständ­lich­keit

Die besten In­for­ma­tio­nen nützen wenig, wenn sie allzu versteckt sind. Umso wichtiger ist – speziell bei text­las­ti­gem Content – die optische Auf­be­rei­tung. Das kann z. B. durch Bullet-Point-Listen oder Bilder geschehen. Ein paar Stock­fo­tos und Listen in einen Beitrag ein­zu­bau­en, ist jedoch das Mindeste und noch kein wirk­li­cher Mehrwert, sondern eher die Notlösung.

So schaffen Sie Mehrwert: Erstellen Sie eigenes Bild- und Vi­deo­ma­te­ri­al, das den Inhalt noch besser ver­ständ­lich macht.

Das geht selbst ohne großes Budget:

  • Ver­an­schau­li­chen Sie komplexe Prozesse, indem Sie einen Screen­cast oder ein GIF einbinden, bei dem Sie selbst den Prozess durch­ge­hen.
  • Fertigen Sie eigene In­fo­gra­fi­ken an – dafür gibt es eine Menge kos­ten­lo­se Tools.
  • Machen Sie Screen­shots mit konkreten Bei­spie­len. Auch das ist mit Gratis-Tools schnell erledigt (u. a. gibt es die Browser-Er­wei­te­rung „Awesome Screen­shot & Screen Recorder“).

Gerade Screen­shots sind eine ideale Mög­lich­keit, schnell und einfach für mehr An­schau­lich­keit zu sorgen. So zeigt z. B. der Screen­shot in diesem Beitrag über Content-Planung genau, was der Text zuvor be­schreibt:

Guter Text kann viel leisten, aber manche Zu­sam­men­hän­ge werden durch grafische Dar­stel­lung noch besser er­sicht­lich – eine weitere Ge­le­gen­heit, die Zeit der Nutzer*innen nicht unnötig zu be­an­spru­chen.

#3 Einfache Zu­gäng­lich­keit

Online-Content wird in un­ter­schied­li­chen Si­tua­tio­nen kon­su­miert. Wo die eine am liebsten unterwegs Podcasts hört, liest der andere oft PDFs am Tablet. Es reicht also nicht aus, wenn ein Inhalt „nur“ auf der Website zu finden ist – der Content muss so viel­sei­tig wie möglich kon­su­mier­bar sein. Der große Fehler liegt in der Annahme, es gäbe „den Leser“ bzw. „die Leserin“.

So schaffen Sie Mehrwert: Bieten Sie einen Beitrag in mehreren Formaten an.

Das kann bei­spiels­wei­se bedeuten:

  • Nehmen Sie einen Podcast zum Text auf.
  • Ver­ar­bei­ten Sie einen um­fas­sen­den Beitrag zu Instagram-Posts, in denen das Wich­tigs­te zu­sam­men­ge­fasst ist.
  • Erstellen Sie PDFs von langem Content. Das erfordert nur ein paar Klicks und ist somit wirklich einfach um­zu­set­zen. 

„Einfache Zu­gäng­lich­keit“ bedeutet außerdem Bar­rie­re­frei­heit. „Content mit Mehrwert“ darf nicht nur für Menschen ohne Seh- oder Hör­be­hin­de­rung gelten. Achten Sie z. B. darauf, dass ein Text für Screen­rea­der geeignet ist, und versehen Sie Videos mit Un­ter­ti­teln.

#4 Ak­tua­li­tät si­cher­stel­len

Manche Themen bleiben über Jahre hinweg aktuell. (Bei einem Ratgeber zum Au­to­put­zen etwa wird sich so schnell nichts am Vorgang ändern.) In anderen Nischen wiederum dreht sich die Content-Welt sehr schnell. Was vor einem Jahr noch Trend und die große Neuigkeit war, ist 12 Monate später längst überholt.

Content-Marketing selbst ist das beste Beispiel. Eine Un­ter­su­chung zum Social-Media-Nut­zungs­ver­hal­ten von 2018 ist 2021 nicht mehr aus­sa­ge­kräf­tig. Dennoch finden sich in Google-Such­ergeb­nis­sen oft Beiträge, die eben solche ver­al­te­ten In­for­ma­tio­nen enthalten.

Damit sind wir zurück beim Problem von Punkt 1: Aus Zeitnot werden jene Quellen über­nom­men, die andere (ältere) Beiträge nennen. Je nach Branche ist das für User*innen sehr frus­trie­rend, da sie sich selbst auf die Suche nach ver­läss­li­chen In­for­ma­tio­nen machen müssen.

So schaffen Sie Mehrwert: Ak­tua­li­sie­ren Sie im Rahmen eines sinn­vol­len Content-Audits re­gel­mä­ßig Ihre Inhalte.

„Re­gel­mä­ßig“ bedeutet, idea­ler­wei­se alle 6 Monate eine solche Be­stands­auf­nah­me durch­zu­füh­ren. Das ist auch insofern sinnvoll, als sich im Lauf der Zeit die Such­in­ten­ti­on hinter einem Begriff ändern kann. Und diese Absicht zu bedienen, ist un­ver­zicht­bar, um bei Google zu ranken.

#5 Eigene Per­spek­ti­ven und Fach­mei­nun­gen ein­brin­gen

Ober­fläch­li­che In­for­ma­tio­nen, die aus Zeitnot entstehen, sind für Content-Stra­te­gien ein großes Problem, wie bereits in Punkt 1 an­ge­spro­chen. Klare Stand­punk­te, eigene Ein­schät­zun­gen oder gar kon­tro­ver­se Meinungen zu einem Thema? All das sucht man meist ver­geb­lich. Für User*innen, die selbst wenig oder kein Fach­wis­sen mit­brin­gen, ist das ein Problem: Wie sollen sie ein­schät­zen, was wirklich wichtig ist und was nur leeres Gerede?

So schaffen Sie Mehrwert: Nutzen Sie Ihren Status als Experte bzw. Expertin und Ihre Bran­chen­kennt­nis­se.

Wer ein Produkt oder eine Dienst­leis­tung anbietet und passend dazu Inhalte erstellt, kennt diesen Bereich doch selbst am besten. Spielen Sie Ihre Karten aus und trauen Sie sich, klar Stellung zu beziehen. Hier ein paar Mög­lich­kei­ten:

  • Schreiben Sie Ver­gleichs- oder Er­fah­rungs­be­rich­te statt rein theo­re­ti­scher Ab­hand­lun­gen.
  • Kom­mu­ni­zie­ren Sie klar Ihre Position – er­folg­rei­che Marken ver­ste­cken sich nicht hinter Pau­schal­aus­sa­gen.
  • Berichten Sie ggf. auch vom eigenen Scheitern.

Der letzte Punkt mag etwas Über­win­dung kosten, doch für User*innen sind solche Learnings aus der Praxis sehr hilfreich. So wissen sie bereits im Vorfeld, welche Stol­per­fal­len es zu vermeiden gilt. Derart pra­xis­na­he Hil­fe­stel­lun­gen bleiben positiv im Ge­dächt­nis.  

#6 Echte Fragen der User*innen an­spre­chen

Ein gängiger Tipp für SEO-Content ist es, die Top-Such­ergeb­nis­se bei Google genau an­zu­schau­en und Nut­zer­fra­gen zu notieren. Aus gutem Grund, denn sie verraten sehr viel darüber, was Nutzer*innen sehen wollen und sind ein wichtiges Indiz für die Such­in­ten­ti­on.

Dennoch: Die SERPs (Search Engine Result Pages) verraten viel, aber eben nicht alles. Schließ­lich setzen sie sich aus dem Content zusammen, der momentan gut funk­tio­niert. Wenn sich nun jeder SEO-Content an den Top-Inhalten ori­en­tiert, bleibt nicht viel Raum für Neues…

So schaffen Sie Mehrwert: Achten Sie ebenso auf Nut­zer­fra­gen abseits der SERPs.

Das bedeutet, auch mal einen Blick in Foren, Re­zen­sio­nen und Kom­men­tar­spal­ten zu werfen. Welche Fragen und Kri­tik­punk­te finden sich u. a. in Amazon- und Google-Be­wer­tun­gen oder bei gutefrage.net? Hier sagen echte Menschen ihre ehrliche Meinung, un­ge­schönt und ohne SEO-Fokus.

Das liefert wichtige Einblicke, welchen Mehrwert diese Menschen sich wünschen. So können Sie leere Mar­ke­ting­phra­sen durch tat­säch­lich hilf­rei­che, in­for­ma­ti­ve Rat­schlä­ge ersetzen und Nutzer*innen fühlen sich ernst genommen.

#7 „Geschenke“ ohne Hin­ter­ge­dan­ken machen

Nutzer*innen wollen schnellst­mög­lich ihr Such­be­dürf­nis erfüllen. Was sie in der Regel nicht wollen: In­for­ma­tio­nen über sich preis­ge­ben. Ent­spre­chend ab­schre­ckend ist es, wenn der po­ten­zi­ell in­ter­es­san­te Content sich hinter Be­schrän­kun­gen wie „Geben Sie für den Download Ihre E-Mail-Adresse an“ versteckt. Natürlich, das mag für die Lead-Ge­ne­rie­rung praktisch sein, aber Nutzer*innen verlieren an dem Punkt schnell das Interesse.

So schaffen Sie Mehrwert: Bieten Sie kos­ten­lo­se Inhalte an, ohne per­sön­li­che Daten ein­zu­for­dern.

Ja, das gilt auch für sehr auf­wen­di­ge Inhalte. Je mehr In­for­ma­tio­nen Sie den User*innen ab­ver­lan­gen, desto höher die Hemm­schwel­le und desto mehr wächst die Skepsis. Damit es erst gar nicht so weit kommt, weisen Sie am besten aktiv darauf hin, dass die Nutzer*innen für den Content rein gar nichts preis­ge­ben müssen.

Das kann z. B. in Form eines kurzen Hinweises wie hier geschehen:

Es ist ver­ständ­lich, dass man für Inhalte, in die viel Arbeit geflossen ist, möglichst schnelle und gute Resultate sehen will. Doch im Content-Marketing lässt sich nichts erzwingen, und reines Pro­fit­den­ken ist die denkbar schlech­tes­te Mo­ti­va­ti­on.

Fazit: Worauf es bei „Content mit Mehrwert“ ankommt

Mehrwert zu bieten heißt, sich an Nut­zer­be­dürf­nis­sen zu ori­en­tie­ren. Diese Be­dürf­nis­se variieren von Fall zu Fall – ein Inhalt liefert dann Mehrwert, wenn er der Person etwas bringt, die ihn ansieht. Die Kunst ist es, die konkrete Situation der User*innen richtig ein­zu­schät­zen und em­pa­thisch darauf ein­zu­ge­hen.

Zu­sam­men­ge­fasst entsteht Content mit Mehrwert dann, wenn der Inhalt…

  • konkrete In­for­ma­tio­nen statt vagen Aussagen enthält
  • über­sicht­lich auf­be­rei­tet und schnellst­mög­lich ver­ständ­lich ist
  • in mehreren Formaten und für ver­schie­de­ne Si­tua­tio­nen zu­gäng­lich ist
  • stets ak­tua­li­siert wird
  • Pra­xis­er­fah­rung und Fach­wis­sen ver­mit­telt
  • au­then­ti­sche Fragen ehrlich be­ant­wor­tet
  • nicht als „Tausch­wa­re“, sondern primär als Hil­fe­stel­lung gewertet wird

Zum Abschluss noch 3 Regeln für jede Content-Strategie – so entgeht Ihnen ga­ran­tiert nichts mehr:

  1. Egoismus ist kein Mehrwert. Ein Un­ter­neh­men, das nur die Selbst­in­sze­nie­rung im Blick hat, sollte seinen Ansatz gründlich über­den­ken.
  1. Be­schrän­ken Sie sich nicht allein auf die Kon­kur­renz­ana­ly­se via Google. Wenn jede Brand versucht, sich anhand der SERPs ge­gen­sei­tig zu über­trump­fen, wird nur noch kopiert, was es ohnehin schon zu oft gibt.
  2. Content-Marketing kostet immer mehr Zeit, als man zunächst denkt. Be­trach­ten Sie daher Zeit als Dreh- und Wen­de­punkt. Je mehr Stunden im Vorfeld für Recherche, Analyse, Mo­ni­to­ring und Über­ar­bei­tung ein­ge­plant werden, desto mehr Mehrwert können Sie liefern.
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