Viele Websites fi­nan­zie­ren sich durch Wer­be­an­zei­gen. Durch sie ge­ne­rie­ren Webmaster Einnahmen und können den Sei­ten­be­su­chern Me­di­en­in­hal­te kostenlos zur Verfügung stellen. So ist ein großer Markt für Pro­gram­ma­tic Ad­ver­ti­sing ent­stan­den (den voll­au­to­ma­ti­schen Ein- und Verkauf von Online-Wer­be­flä­chen) – und mitunter geht es dort um er­heb­li­che Geld­sum­men. Kein Wunder also, dass sich auch in diesem Bereich einige schwarze Schafe tummeln, die versuchen, ohne wirkliche Leistung einen Stück vom Marketing-Kuchen ab­zu­be­kom­men. Das In­ter­ac­ti­ve Ad­ver­ti­sing Bureau (IAB) möchte mit der In­itia­ti­ve Ads.txt das so­ge­nann­te Ad-Fraud er­schwe­ren. Beim Ad-Fraud handelt es sich um das Vor­täu­schen einer Wer­be­leis­tung, die entweder gar nicht oder nur in un­ge­nü­gen­dem Maße erbracht wird.

Ads.txt & IAB: Die Mo­ti­va­ti­on hinter der In­itia­ti­ve

Das In­ter­ac­ti­ve Ad­ver­ti­sing Bureau (IAB) ist eine in­ter­na­tio­na­le In­ter­es­sen­ver­tre­tung der On­line­mar­ke­ting-Branche. Ihr Ziel ist es, die Branche zu stärken, Standards zu ent­wi­ckeln und damit das Online-Wer­be­an­ge­bot nach­hal­tig zu ver­bes­sern. In diesem Zu­sam­men­hang ist der Verband auch bemüht, Betrug innerhalb der Branche auf­zu­de­cken und zu ver­hin­dern. Das betrifft ins­be­son­de­re Ad-Fraud, durch das jährlich riesige Geld­sum­men ver­schwen­det werden. Sowohl Wer­be­trei­ben­de als auch ehrliche Publisher leiden unter dieser Art von Betrug: Während die werbenden Un­ter­neh­men ihr Geld in Betrüger in­ves­tie­ren, ohne dafür eine Ge­gen­leis­tung zu erhalten, gehen den Web­mas­tern wichtige Einnahmen verloren, da an ihrer Stelle die Cy­ber­kri­mi­nel­len das Geld ein­strei­chen.

Beim Pro­gram­ma­tic Ad­ver­ti­sing funk­tio­niert vieles au­to­ma­tisch: Publisher bieten Wer­be­flä­chen auf ihren Seiten an (z. B. in On­line­ma­ga­zi­nen oder Blogs) und Ad­ver­ti­ser kaufen bzw. er­stei­gern diese Plätze. Meist läuft das Ganze über einen Zwi­schen­händ­ler ab – in der Regel über eine Plattform, auf der Verkäufe oder Auktionen statt­fin­den. In diesem Umfeld greifen Cy­ber­kri­mi­nel­le häufig auf die Be­trugs­ma­sche Domain-Spoofing zurück: Der Wer­be­trei­ben­de glaubt dabei, einen Wer­be­platz bei einem re­nom­mier­ten Publisher (z. B. dem Online-Auftritt einer in­ter­na­tio­nal bekannten Zeitung) zu erwerben – tat­säch­lich werden die Anzeigen aber später auf einer komplett anderen Seite angezeigt.

Hinweis

Streng genommen wird auf diesen Mark­plät­zen nicht mit Wer­be­flä­chen im Sinne von klas­si­schen Off­line­me­di­en gehandelt, denn die gekaufte Wer­be­an­zei­ge wird oft nicht durch­ge­hend und auch nicht jedem Sei­ten­be­su­cher aus­ge­spielt. Vielmehr zahlt der Wer­be­trei­ben­de für Im­pres­si­ons – also für jeden Sei­ten­auf­ruf, bei dem seine Wer­be­an­zei­ge tat­säch­lich zu sehen ist. Der Ein­fach­heit halber gehen wir an dieser Stelle aber weder auf die Fein­hei­ten des Real-Time Ad­ver­ti­sin­gs ein noch erklären wir die un­ter­schied­li­chen Formen von Händlern und Markt­plät­zen. Für die Funk­ti­ons­wei­se der Ads.txt sind diese Details nicht ent­schei­dend.

Die Plattform, auf der Ad-Fraud statt­fin­det, muss nicht einmal am Betrug beteiligt sein. Oft wissen die Betreiber gar nicht, dass auf ihrer Website On­line­be­trug statt­fin­det. Cy­ber­kri­mi­nel­le täuschen beim Ad-Fraud vor, dass die Website, auf der sie die Werbung schalten wollen, eine andere, weitaus re­nom­mier­te­re ist – sie ver­schlei­ern also die Identität ihres tat­säch­li­chen Web­auf­tritts. Man spricht in diesem Zu­sam­men­hang daher auch von Website-Cloaking. Die tat­säch­lich an­ge­bo­te­ne Website hat meist ver­gleichs­wei­se wenig Traffic und oft auch einen schlech­ten Ruf, der den Ad­ver­ti­ser sogar in ein schlech­tes Licht rücken könnte. Solchen Betrug soll die Datei Ads.txt ver­hin­dern.

Wie funk­tio­niert die Ads.txt?

IAB verwendet „Ads“ als Akronym für „Aut­ho­ri­zed Digital Sellers“ – wobei der Begriff „Ad“ vielen auch als Kurzform für „Ad­ver­ti­sing“ bekannt sein dürfte. In dieser einfachen Textdatei sollen Publisher nun alle Anbieter aufführen, die für den Verkauf ihrer Wer­be­plät­ze zu­ge­las­sen sind. So er­mög­licht die Datei Pu­blishern mehr Mit­spra­che­recht beim Handel mit ihren Wer­be­plät­zen. Gleich­zei­tig sorgt sie für mehr Trans­pa­renz, da genau hin­ter­legt ist, mit welchen Anbietern ko­ope­riert werden soll. Publisher legen die Ads-Datei in das Roots-Ver­zeich­nis ihres Web­auf­tritts ab, also in das oberste Ver­zeich­nis der Website. Dort liegt z. B. auch die robots.txt, die In­for­ma­tio­nen für die Such­ma­schi­nen-Crawler be­reit­hält. Genau wie diese kann auch die Ads.txt von Crawlern ver­ar­bei­tet werden. Die Textdatei ist somit offen zu­gäng­lich und kann sowohl von Maschinen als auch von Menschen gelesen werden. Da die Datei im Roots-Ver­zeich­nis liegt und zwingend ads.txt heißen muss (example.com/ads.txt), kann man sie schnell und einfach finden: So lassen sich bei­spiels­wei­se auch die Ads.txt-Dateien von Bild.de, ZEIT ONLINE oder SPIEGEL ONLINE ohne weiteres aufrufen. Ad­ver­ti­ser und Platt­for­men können so über­prü­fen, ob der Verkauf bei dem ent­spre­chen­den Händler überhaupt zu­ge­las­sen ist. Wenn ein Publisher auf einem Wer­be­markt­platz gelistet ist und die ent­spre­chen­de Ads-Datei von allen Be­tei­lig­ten überprüft werden kann, dann fällt es Betrügern deutlich schwerer, auf Platt­for­men eine falsche Identität (siehe hierzu auch unseren Artikel Iden­ti­täts­dieb­stahl) vor­zu­täu­schen, die nicht in der Ads.txt auf­ge­lis­tet sind. Durch die Ads.txt ist nun über­prüf­bar, ob es sich um ein echtes Angebot handelt oder nicht. Einige Markt­plät­ze, z. B. Google, haben den Standard schon auf ihrer eigenen Plattform im­ple­men­tiert. Die Ads.txt wird au­to­ma­tisch gecrawlt, sollte ein Publisher sein Inventar zur Verfügung stellen. Hat der Publisher den Markplatz nicht in seiner Ads.txt-Datei vermerkt, kann keine Trans­ak­ti­on statt­fin­den.

Fazit

Das System hinter Ads.txt kann nur dann flä­chen­de­ckend funk­tio­nie­ren, wenn alle Markt­teil­neh­mer den Standard ak­zep­tie­ren. Ein Publisher, der die ent­spre­chen­de Textdatei nicht be­reit­stellt, kann weiterhin Teil der Be­trugs­ma­sche sein. Deshalb sollten Ad­ver­ti­ser darauf achten, nur mit Pu­blishern zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, die Ads.txt verwenden.

Aufbau der Ads.txt-Datei

Da es sich bei der Ads.txt um eine einfache Textdatei handelt, kann man sie auch mit einem simplen Text­edi­tor erstellen. Dabei sind nur drei Angaben pro au­to­ri­sier­tem Verkäufer notwendig – eine vierte ist optional.

  • Domain-Name des Ver­käu­fers: Unter welcher Domain firmiert das Un­ter­neh­men, das zum Verkauf des Wer­be­in­ven­tars zu­ge­las­sen ist. Die korrekte Be­zeich­nung lässt sich oftmals direkt beim Anbieter nachlesen oder man nimmt Kontakt zu diesem auf, um den richtigen Domain-Namen zu erfahren. Für Google-Angebote ist z. B. immer google.com die korrekte Be­zeich­nung.

  • Konto-ID: Ist man als Publisher bei einem Anbieter re­gis­triert, besitzt man dort eine Kon­to­iden­ti­fi­ka­ti­on. Die gleiche ID wird auch bei Trans­ak­tio­nen angegeben.

  • Beziehung zum Anbieter: In diesem Feld kann man zwei ver­schie­de­ne Werte eintragen. Ist hier DIRECT vermerkt, übernimmt der Publisher selbst die Ver­wal­tung seines Inventars auf der Plattform (unter der ID, die im zweiten Feld ein­ge­tra­gen ist). Der Eintrag RESELLER si­gna­li­siert hingegen, dass der Publisher einen Dritten mit der Ver­wal­tung be­auf­tragt hat.

  • ID bei einer Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le (optional): Wenn das Wer­be­sys­tem bei einer Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le gelistet ist, kann man hier die ent­spre­chen­de ID nennen. Eine solche Stelle ist z. B. die Trust­wor­t­hy Ac­coun­ta­bi­li­ty Group (TAG). Liegt bei dieser ein Eintrag vor, würde man die TAGID eintragen.

Man führt alle Felder nach­ein­an­der innerhalb einer Zeile auf, wobei die einzelnen Felder durch Kommata ab­ge­trennt sind. Wenn man Er­läu­te­run­gen in der Datei un­ter­brin­gen möchte, die Bots nicht be­rück­sich­ti­gen sollen, müssen diese mit Rauten (#) aus­ge­schlos­sen werden. Alles bis zum Ende der Zeile nach der Raute wird ignoriert. Steht das Zeichen also ganz am Anfang einer Zeile, wird die komplette Zeile nicht be­rück­sich­tigt.

Neben den Ver­käu­fer­ein­trä­gen und Kom­men­ta­ren erlaubt der Standard noch zwei weitere Angaben: CONTACT und SUBDOMAIN. Beide Werte werden im Format Variabel=Wert in die Datei ein­ge­tra­gen, also z. B. CONTACT=example.com/ueber_uns. Während man mit der ersten Angabe eine Kon­takt­mög­lich­keit angibt, verweist man mit der zweiten Angabe auf eine Ads.txt-Datei in einer Subdomain. Ohne den Vermerk auf diese zweite Textdatei würden Bots diese übersehen, denn grund­sätz­lich wird nur im Roots-Ver­zeich­nis der Haupt­do­main gecrawlt.

Wie man eine Ads.txt erstellt

Ob man eine Ads-Datei selbst erstellt oder lieber erstellen lässt, sollte man davon abhängig machen, mit wie vielen Platt­for­men man zu­sam­men­ar­bei­tet. Prin­zi­pi­ell ist der Aufwand aber nicht besonders groß. Wenn Sie selbst Publisher sind und zukünftig Ihr Wer­be­in­ven­tar vor Betrug sichern möchten, können Sie in nur wenigen Schritten die benötigte Textdatei anlegen. Öffnen Sie dafür einen Text­edi­tor (wie z. B. Editor unter Windows oder TextEdit unter Mac) und tragen Sie die be­nö­tig­ten Parameter für die Verkäufer ein, mit denen Sie zu­sam­men­ar­bei­ten. In unserem Beispiel handeln wir bei Google mit Wer­be­plät­zen, die wir auf unserem fiktiven Blog anbieten.

Fakt

Egal, ob Sie bei Google AdSense, Dou­ble­Click for Pu­blishers oder Ad Exchange verwenden: Der Domain-Name lautet immer google.com.

google.com, pub-0000000000000000, DIRECT, f08c47fec0942fa0 #AdSense
    google.com, pub-0000000000000001, DIRECT, f08c47fec0942fa0 #Ad Exchange
    contact=example@example.com

Hiermit be­stä­ti­gen wir, dass wir mit zwei ver­schie­de­nen Konten bei Google vertreten sind. Konto-IDs bei Google folgen übrigens immer dem gleichen Schema: Auf pub- (für Publisher) folgt eine 16-stellige Num­mern­fol­ge. Einige Publisher haben mehrere Konten auf Platt­for­men, auch dann wenn sie – wie auch in unserem Beispiel auf­ge­führt – sowohl bei AdSense als auch bei Ad Exchange an­ge­mel­det sind. In beiden Konten verwalten wir selbst unser Inventar – und da Google eine ein­deu­ti­ge TAGID besitzt, geben wir auch diese mit an.

Tipp

In­zwi­schen arbeiten zahl­rei­che Markt­plät­ze für Pro­gram­ma­tic Buying mit dem Ads.txt-Standard. Wenn Sie als Publisher nicht genau wissen, welche Spe­zi­fi­ka­tio­nen Sie in die Textdatei eintragen müssen, damit der Verkäufer ve­ri­fi­ziert ist, suchen Sie entweder im Hilfe- oder Do­ku­men­ta­ti­ons­be­reich der Website nach ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen oder kon­tak­tie­ren Sie direkt den Anbieter.

Um die Über­sicht­lich­keit zu ver­bes­sern und In­ter­es­sier­ten mehr In­for­ma­tio­nen zu liefern, geben wir in Form von Kom­men­ta­ren an, um was für Konten es sich genau handelt. Ab­schlie­ßend liefern wir noch eine E-Mail-Adresse, unter der man uns kon­tak­tie­ren kann.

Während die Rei­hen­fol­ge der einzelnen Parameter fest­ge­legt ist, können Sie die Rei­hen­fol­ge der au­to­ri­sier­ten Ver­kaufs­platt­for­men frei wählen. Manche Publisher teilen Ihre Liste z. B. so auf, dass zunächst alle DIRECT- und dann alle RESELLER-Einträge kommen. In den einzelnen Pa­ra­me­tern selbst dürfen al­ler­dings keine Leerräume, Ta­bu­la­to­ren oder Kommata gesetzt werden. Sollte dies notwendig sein, weil ein Leer­zei­chen z. B. zum Teil der ID gehören würde, müsste man URL-Encoding anwenden: Bei diesem auch als Pro­zent­ko­die­rung be­zeich­ne­ten Verfahren greift man auf die he­xa­de­zi­ma­le Kennzahl des Zeichens im ASCII-Zei­chen­satz zurück und stellt diese direkt hinter ein Pro­zent­zei­chen. So wird bei­spiels­wei­se ein Leer­zei­chen durch die Zei­chen­ket­te %20 dar­ge­stellt.

Beim Speichern der Datei achten Sie darauf, dass Sie diese auch wirklich als .txt-Datei mit dem Namen ads speichern. Die Ads.txt laden Sie nun in das Root-Ver­zeich­nis Ihres Servers hoch. Das ist z. B. mit einem FTP-Programm möglich. Das Root-Ver­zeich­nis ist das hier­ar­chisch am höchsten liegende Ver­zeich­nis. Nun sollten Sie die Datei unter example.com/ads.txt aufrufen können.

Ins­be­son­de­re, wenn man mit sehr vielen Platt­for­men zu­sam­men­ar­bei­tet, kann sich der Einsatz eines Online-Ge­ne­ra­tors lohnen. Einige davon bieten den Service im Tausch gegen Ihre E-Mail-Adresse an, andere – wie z. B. der Generator in Googles DFP-Netzwerk – fügen nur die Einträge für den eigenen Markt­platz in die Textdatei.

Ads.txt-Validator: So prüfen Sie Ihre Datei

Mit einem Ads.txt.-Validator über­prü­fen Sie, ob Ihre Au­to­ri­sie­rungs­da­tei korrekt erstellt wurde und sich keine Fehler ein­ge­schli­chen haben. In der Regel reicht es bei den meisten Va­li­da­to­ren, die URL in die Ein­ga­be­mas­ke ein­zu­tra­gen. Manche Web­diens­te bieten auch an, die Datei direkt hoch­zu­la­den und sie so bereits vor der Ver­öf­fent­li­chung auf dem eigenen Webspace checken zu lassen. Der Ads.txt-Validator von AppNexus, ein Anbieter einer Pro­gram­ma­tic-Ad­ver­ti­sing-Plattform, er­mög­licht Nutzern sogar, direkt in dem Werkzeug Än­de­run­gen an der Datei vor­zu­neh­men, diese sofort checken zu lassen und dann die neue Datei her­un­ter­zu­la­den. Die geänderte Ads.txt müssen Sie dann selbst­ver­ständ­lich noch selbst auf Ihren Server über­tra­gen. Ein Ads.txt-Validator überprüft al­ler­dings nur, ob die Syntax der Einträge korrekt ist. Die On­line­tools über­prü­fen nicht, ob die Angaben der Wahrheit ent­spre­chen. Dies ist aber vor allem für Wer­be­trei­ben­de wichtig: Mit einem Validator lässt sich bislang nicht über­prü­fen, ob der Publisher tat­säch­lich mit den genannten Platt­for­men zu­sam­men­ar­bei­tet.

Hinweis

Es ist zwingend notwendig, dass die Dateien korrekt erstellt werden! Sollte man die Syntax miss­ach­ten, kann es dazu führen, dass Crawler die komplette Datei igno­rie­ren.

Kri­tik­punk­te: Die Grenzen von Ads.txt

Wie so viele Standards hat auch Ads.txt sich nicht von Beginn an durch­set­zen können. Ein Grund für die anfangs zu­rück­hal­ten­de Nutzung in der Branche war si­cher­lich Un­si­cher­heit: Wie würde die Datei das eigene Geschäft be­ein­flus­sen? Erst als das Schwer­ge­wicht Google die In­itia­ti­ve un­ter­stützt hat und an­kün­dig­te, fortan auf die Ver­wen­dung der Datei zu bestehen, setzte sich Ads.txt all­mäh­lich durch.

Ein Punkt, der innerhalb der Branche für Un­si­cher­heit gesorgt hat, ist, dass der Wei­ter­ver­kauf des Inventars dadurch erschwert wird. Anbieter kaufen die Wer­be­flä­che von einer Plattform und verkaufen sie auf der eigenen weiter. Dahinter steckt gar nicht immer kri­mi­nel­le Energie, doch Ads.txt un­ter­bin­det ein solches Verhalten. Publisher haben mit diesen Wei­ter­ver­käu­fern keine direkte Ver­bin­dung und wissen oftmals nichts von diesen Vorgängen. Deshalb tauchen die Anbieter nicht in der Ads.txt-Datei auf. Ein paar dieser Wei­ter­ver­käu­fer haben in­fol­ge­des­sen Publisher gezielt an­ge­schrie­ben, was wiederum für reichlich Dis­kus­si­on innerhalb der Branche gesorgt hat und von vielen als Be­trugs­ver­such gewertet wurde.

Ein Kri­tik­punkt vieler Verkäufer betrifft die manuelle Er­stel­lung der Datei: Es ist nicht si­cher­ge­stellt, dass es nicht zu Tipp­feh­lern kommt. Schnell hat sich ein Fehler in den Domain-Namen ein­ge­schli­chen und das Inventar des Pu­blishers kann dann nicht mehr auf der Plattform gehandelt werden. Sowohl dem Händler als auch dem Publisher können so hohe Geld­sum­men entgehen. Al­ler­dings kann die Ver­wen­dung eines Ads.txt-Va­li­da­tors das Risiko von Tipp­feh­lern erheblich senken: Solch ein Validator überprüft auch, ob sich hinter der Domain überhaupt ein Pro­gram­ma­tic-Ad­ver­ti­sing-Markt­platz verbirgt. Und letztlich lassen sich Tipp­feh­ler auch durch ein sorg­fäl­ti­ges Vorgehen vermeiden.

Ein weiterer Schwach­punkt der Ads.txt ist die fehlende Kenn­zeich­nung der Art des ver­ein­bar­ten Inventars: So können Publisher über die Textdatei nicht si­gna­li­sie­ren, ob der Händler Display-Ads, Video-Ads oder beides verkaufen darf. Platt­for­men können deshalb weiterhin vor­täu­schen, dass Display-Anzeigen ei­gent­lich Wer­be­plät­ze für Video-Ads seien und so zu­sätz­li­che Pro­vi­sio­nen erhalten. Nur weil ein Händler in einer Ads.txt. auftaucht, ist noch nicht si­cher­ge­stellt, dass es sich dabei nicht um ein schwarzes Schaf handelt. Die Ver­ant­wor­tung, keine Abkommen mit Betrügern ein­zu­ge­hen, liegt weiterhin bei den Pu­blishern.

Bedenken sollte man auch, dass Ads.txt keine All­zweck­lö­sung ist: Zwar kann man mit der Datei sehr gut gegen Domain-Spoofing vorgehen, doch andere Formen des Ad-Frauds bleiben davon unberührt. Den be­trü­ge­ri­schen Maschen Im­pres­si­on-Fraud und Click-Fraud, die Ad­ver­ti­ser immer noch einen großen Teil ihres Wer­be­bud­gets kosten, kann auch diese lo­bens­wer­te In­itia­ti­ve keinen Einhalt bieten.

Fazit: Wie wichtig ist Ads.txt?

Trotz ihrer Schwach­punk­te ist die In­itia­ti­ve aber wei­test­ge­hend in der Branche ak­zep­tiert und wird somit auch in Zukunft den Wer­be­markt be­ein­flus­sen. Durch die Un­ter­stüt­zung von großen Mark­teil­neh­mern wie Google oder bekannten Pu­blishern kann zumindest der Be­trugs­ma­sche Ad-Fraud etwas Einhalt geboten werden, denn alle anderen Mit­be­wer­ber müssen mit der Im­ple­men­tie­rung von Ads.txt nach­zie­hen – oder sie haben schlechte Karten beim Handel mit Online-Wer­be­plät­zen.

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