Online-Wer­be­ban­ner sind nach wie vor eine eta­blier­te Werbeform – doch sind sie auch noch zeitgemäß? Bei einem Buzzword wie „Ban­ner­blind­ness“ könnte man meinen: Nein! Eine Zeit lang wurde das Display-Marketing tat­säch­lich eher stief­müt­ter­lich behandelt, der Fokus lag klar auf der Such­ma­schi­nen­wer­bung. Doch neueste Zahlen zeigen, dass die Ausgaben für Display-Werbung die für Such­ma­schi­nen­wer­bung überholen. Neue Tech­no­lo­gien lassen das klas­si­sche Prinzip des Display-Ad­ver­ti­sin­gs in frischem Glanz er­strah­len. Display-Werbung ent­wi­ckelt sich immer weiter, einen großen Beitrag leistet dabei das Real-Time Ad­ver­ti­sing: Dank hoher Effizienz, ziel­ge­nau­em Targeting und Echtzeit-Auktionen mittels Real-Time Bidding ver­spre­chen sich Publisher den best­mög­li­chen Preis und Ad­ver­ti­sern den idealen Wer­be­platz und deutlich weniger Streu­ver­lus­te. Doch wie kommen Angebot und Nachfrage zusammen und welche Po­ten­zia­le stecken in den Ad-Exchange-Markt­plät­zen tat­säch­lich? Es lohnt sich, einen Blick auf die einzelnen Akteure und Be­zie­hun­gen im Real-Time Ad­ver­ti­sing (RTA) zu werfen.

Die Ent­wick­lung: Vom klas­si­schen Display-Marketing zum RTA

Klas­si­sches Banner- und Display-Ad­ver­ti­sing spielte lange eine zentrale Rolle im On­line­mar­ke­ting-Mix. Doch mit der Zeit kon­zen­trier­te man sich auf mehr er­folgs­ori­en­tier­te Formate wie Such­ma­schi­nen-Marketing oder Affiliate-Marketing. Vor allem Such­ma­schi­nen­wer­bung bot Marketern viele Vorteile gegenüber dem klas­si­schen Banner: ef­fi­zi­en­te­re Kampagnen, besseren Return on In­vest­ment (ROI) und höhere Relevanz für den Nutzer. Hinzu kamen ent­spre­chen­de Anbieter und Netzwerke, die einfach zu hand­ha­ben­de Platt­for­men zur Verfügung stellten.

Doch Display-Ad­ver­ti­sing ist kei­nes­wegs Schnee von gestern: Dank Real-Time Ad­ver­ti­sing und Real-Time Bidding hat sich die Mög­lich­keit eröffnet, mit klas­si­scher Ban­ner­wer­bung die gleiche Effizienz und Relevanz zu erreichen wie z. B. mit SEA. Ein großes Problem beim klas­si­schen Display-Banner waren relativ hohe Streu­ver­lus­te. Jetzt – über 20 Jahre nach dem ersten Wer­be­ban­ner im Netz – stehen neue Tech­no­lo­gien zur Verfügung, die Streu­ver­lus­te durch genaue Analyse, in­di­vi­du­el­le Ab­rech­nungs­mo­del­le und Auktionen in Echtzeit ver­rin­gern.

Bessere Targeting-Techniken

Mithilfe von Targeting versucht man ganz allgemein, Wer­be­maß­nah­men best­mög­lich auf eine Ziel­grup­pe aus­zu­rich­ten. Das Ziel ist, die Werbung nur den Nutzern zu zeigen, die ein po­ten­zi­el­les Interesse an den Produkten oder Leis­tun­gen haben.

In der An­fangs­pha­se der On­line­wer­bung war das Thema Targeting noch weniger aus­ge­prägt. Man hat Wer­be­ban­ner in der Regel auf the­ma­tisch re­le­van­ten Seiten platziert (z. B. eine Anzeige für Fuß­ball­schu­he auf einem Bun­des­li­ga-Blog), doch dieses so­ge­nann­te Umfeld-Targeting war wenig zielgenau. Ergebnis waren hohe Streu­ver­lus­te, da Un­ter­neh­men mit ihren Bannern neben den für sie tat­säch­lich re­le­van­ten und wert­vol­len Nutzern auch zahllose nicht In­ter­es­sier­te er­reich­ten.

Nach und nach ent­stan­den bessere und dif­fe­ren­zier­te­re Targeting-Mög­lich­kei­ten. Man nutzt zwar nach wie vor Umfeld-Targeting, aber bezieht zu­sätz­lich so­zio­de­mo­gra­fi­sche Daten mit ein. Auch eine bessere zeitliche Ab­stim­mung ist mitt­ler­wei­le möglich. Zu weiteren Targeting-Techniken, deren sich auch das Real-Time Ad­ver­ti­sing bedient, gehören:

Durch die oben be­schrie­be­nen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten erreicht man den Nutzer jetzt nicht mehr nur in einem re­le­van­ten Umfeld, sondern theo­re­tisch überall dort, wo er im Internet unterwegs ist. So gelingt es, die Ziel­grup­pe und po­ten­zi­el­le Kunden un­ab­hän­gig vom Umfeld auf­zu­spü­ren. Targeting und Ansprache des einzelnen Kunden rücken beim Real-Time Ad­ver­ti­sing in den Vor­der­grund. Man koppelt dafür jede Ad Im­pres­si­on (d. h. jeden Abruf eines Wer­be­mit­tels) mit einem Nut­zer­pro­fil. Auf dem Ad-Exchange-Markt­platz bietet der Ad­ver­ti­ser in Echtzeit auf genau dieses Profil. All diese Prozesse sind mitt­ler­wei­le so weit au­to­ma­ti­siert, dass sie in Sachen Effizienz kaum zu über­tref­fen sind. Auf Knopf­druck kommen Angebot und Nachfrage zusammen – manuelle Preis­ver­hand­lun­gen oder ein lang­wie­ri­ger Austausch von Wer­be­mit­teln und An­zei­gen­text sind über­flüs­sig.

Real-Time Bidding als tech­ni­sche Grundlage

Vor­aus­set­zung für die oben be­schrie­be­ne Effizienz ist das Real-Time-Bidding-Verfahren. Es bildet die tech­ni­sche Grundlage. Dabei treten ver­schie­de­ne wichtige Akteure auf, die bei der Auktion einer Wer­be­ein­blen­dung (Im­pres­si­on) zu­sam­men­kom­men. Die wich­tigs­ten im Überblick:

  • Visitor: Kommt ein Nutzer auf eine Website, die ans Wer­be­netz­werk an­ge­schlos­sen ist, löst er den Prozess des Real-Time Biddings aus. Sein Nut­zer­pro­fil, das die Data Ma­nage­ment Platform (s. u.) ermittelt hat, bildet die Grundlage für die Relevanz der Anzeigen und damit auch für die Relevanz der Page Im­pres­si­on für den Ad­ver­ti­ser.
  • Publisher: Als Publisher können z. B. Blog- oder Website-Betreiber auftreten. Sie stellen freie An­zei­gen­flä­chen auf ihrer Seite zur Verfügung. Durch die Anbindung an ein Wer­be­netz­werk hat der Ad­ver­ti­ser die Mög­lich­keit, am RTB-Verfahren teil­zu­neh­men und seine Anzeigen zu plat­zie­ren.
  • Ad­ver­ti­ser: Als Ad­ver­ti­ser treten Un­ter­neh­men oder Agenturen auf, die Wer­be­in­ven­tar kaufen möchten, um dort möglichst ziel­grup­pen­spe­zi­fisch ihre Anzeigen zu plat­zie­ren.
  • Supply Side Platform (SSP): Die SSP verwaltet das Wer­be­in­ven­tar der Publisher und ist in der Regel an mehrere Ad-Exchange-Platt­for­men an­ge­bun­den. Sie vertritt im RTB-Prozess das Angebot und stellt aus Publisher-Sicht die Schnitt­stel­le zu Ad Exchange und zur Demand Side Platform dar. Ziel der SSP ist die best­mög­li­che Mo­ne­ta­ri­sie­rung des Wer­be­in­ven­tars für die Publisher.
  • Demand Side Platform (DSP): Re­prä­sen­tiert die Supply Side Platform das Angebot, so regelt die Demand Side Platform die Nachfrage. Ad­ver­ti­ser finden hier eine Schnitt­stel­le zu SSP und Ad Exchange. Über die DSP definiert man Kampagnen und Anzeigen mit Ziel­grup­pen­an­for­de­run­gen und nimmt am au­to­ma­ti­schen Bie­ter­ver­fah­ren für Wer­be­in­ven­tar teil. Ziel der DSP ist der ef­fi­zi­en­te Einkauf von Wer­be­in­ven­tar für ihren Auf­trag­ge­ber.
  • Data Ma­nage­ment Platform (DMP): Data Ma­nage­ment Platforms dienen zur An­samm­lung, Struk­tu­rie­rung und Be­reit­stel­lung sehr großer Da­ten­men­gen. Die DMP arbeitet eher im Hin­ter­grund, ist aber einer der wich­tigs­ten Akteure im gesamten Prozess, denn die Ein­be­zie­hung von Daten spielt eine zentrale Rolle für die Bewertung. Je mehr die DSP über den Nutzer weiß, desto besser kann sie be­ur­tei­len, ob eine Im­pres­si­on für den Ad­ver­ti­ser und seine Kampagnen in Frage kommt. Neben Nut­zer­da­ten spielen auch andere Faktoren wie Zeit, Wetter oder in­halt­li­che Ka­te­go­rien eine Rolle – über die Data Ma­nage­ment Platforms werden alle Daten kon­so­li­diert, die DSP greift darauf zu und bewertet die an­ge­bo­te­nen Ad Im­pres­si­ons.
  • Ad Exchange: Der Ad Exchange ist ein Online-Markt­platz, auf dem das Real-Time Bidding statt­fin­det. Hier kommen SSP und DSP zusammen. Der Un­ter­schied zu einem klas­si­schen Wer­be­netz­werk: Dort bietet man für ge­bün­del­te Wer­be­plät­ze auf einer un­be­stimm­ten Anzahl von Webseiten – beim Ad Exchange bietet der Ad­ver­ti­ser jedoch auf konkretes Wer­be­in­ven­tar (Ad Im­pres­si­ons).

Real-Time Bidding: Der Prozess

Besucht ein Nutzer eine Website, auf der ver­schie­de­ne Wer­be­plät­ze zur Verfügung stehen, werden DSP und SSP aktiv. Die SSP reagiert innerhalb weniger Mil­li­se­kun­den und schickt eine Anfrage an die an­ge­bun­de­ne DSP. Über die Anfrage kom­mu­ni­ziert man alle wichtigen In­for­ma­tio­nen und Parameter, wie z. B. den Wer­be­platz, u. U. in­halt­li­che Ka­te­go­rien und die ein­deu­ti­ge User-ID. Die DSP prüft nun, ob der Nutzer für eine Wer­be­ein­blen­dung ihres Ad­ver­ti­sers in Frage kommt. Dafür laufen interne Prozesse ab, bei denen man zunächst das Nut­zer­pro­fil mit den fest­ge­leg­ten Ziel­grup­pen-Pa­ra­me­tern abgleicht und dann die passende Kampagne mit der höchsten Er­folgs­wahr­schein­lich­keit auswählt.

Sind alle Vor­aus­set­zun­gen gegeben, gibt die DSP im Auftrag des Ad­ver­ti­sers ein Gebot für den Wer­be­platz ab. Bei der SSP gehen alle Gebote ein, der Höchst­bie­ten­de bekommt den Zuschlag – das Wer­be­mit­tel des Ad­ver­ti­sers wird auf dem Platz ein­ge­blen­det. Der Nutzer bekommt im Idealfall nichts von diesen Prozessen mit, im Durch­schnitt vergehen vom Angebot bist zur Aus­lie­fe­rung weniger als 100 Mil­li­se­kun­den.

Mil­lio­nen­markt Real-Time Ad­ver­ti­sing

Real-Time Ad­ver­ti­sing ist schon lange keine Mode-Er­schei­nung mehr. Innerhalb weniger Jahre hat sich ein riesiger Markt ent­wi­ckelt. Das macht sich auch beim Blick auf den gesamten Wer­be­markt bemerkbar. Dem Markt für On­line­wer­bung wird massives Wachstum pro­gnos­ti­ziert – die positiven Ent­wick­lun­gen im Display-Marketing sind u. a. auf den Bereich Real-Time Ad­ver­ti­sing zu­rück­zu­füh­ren. Die neuen Tech­no­lo­gien und Mög­lich­kei­ten im Bereich Tar­ge­tings erlauben nun auch beim Display-Ad­ver­ti­sing eine ef­fi­zi­en­te Ziel­grup­pen­an­spra­che. Her­aus­for­de­rung für Ad­ver­ti­ser ist nun, diese Mög­lich­kei­ten auch aus­zu­schöp­fen.

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