Unix hat seit den 1960er-Jahren die Ent­wick­lung digitaler In­fra­struk­tu­ren maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben und zahl­rei­che Nach­fol­ger mit in­no­va­ti­ven Techniken und Pro­gram­mie­run­gen in­spi­riert. Auch Linux steht un­ver­kenn­bar in der Tradition des großen Vorbilds. In unserem aus­führ­li­chen Vergleich „Linux vs. Unix“ erläutern wir unter anderem, was die Ge­mein­sam­kei­ten und Un­ter­schie­de der beliebten Be­triebs­sys­te­me sind.

Was ist Unix?

Unix gehört zu den ältesten Be­triebs­sys­te­men – von seiner Ent­ste­hung bis heute hat sich daraus eine große Be­triebs­sys­tem-Familie mit zahl­rei­chen Varianten ent­wi­ckelt. Es gibt kos­ten­freie Open-Source-Ableger und pro­prie­tä­re Varianten, die meist eine of­fi­zi­el­le Lizenz von der Open Group erhalten haben und kos­ten­pflich­tig sind. Unix wird heute vor allem auf Servern und besonders leis­tungs­fä­hi­gen Work­sta­tions in­stal­liert. Die wich­tigs­ten Merkmale des Be­triebs­sys­tems sind:

  • bis in die 80er-Jahre quell­of­fen, dann pro­prie­tär
  • auch quell­of­fe­ne Ableger sind verfügbar (z. B. FreeBSD)
  • eines der ersten Be­triebs­sys­te­me auf Basis der Pro­gram­mier­spra­che C
  • un­ab­hän­gig von einer be­stimm­ten Hardware-Plattform und be­stimm­ten Pro­zes­sor­ty­pen (C-basierter Unix-Code ist portabel und flexibel an die jeweilige Hard­ware­um­ge­bung anpassbar)
  • Mul­ti­tas­king (mehrere Programme oder Prozesse können stö­rungs­frei parallel laufen)
  • Multiuser-System (mehrere Benutzer können am gleichen System arbeiten, Daten und Res­sour­cen können beliebig für den Zugriff durch andere Benutzer gesperrt oder frei­ge­ge­ben werden)
  • für Mul­ti­pro­zes­sor­sys­te­me geeignet
  • zentraler Be­triebs­sys­tem-Kernel verwaltet die System- und Pro­zess­ak­ti­vi­tä­ten, Nicht-Kernel-Software ist in separaten Prozessen or­ga­ni­siert
  • hier­ar­chi­sches Da­tei­sys­tem (heute Standard, bei Ein­füh­rung um 1980 innovativ)
  • sicher (es exis­tie­ren wenig auf Unix aus­ge­rich­te­te Schad­pro­gram­me, es gibt ein gutes Rech­te­ma­nage­ment, Ver­schlüs­se­lungs­tech­no­lo­gien, Remote-Zugriff via Secure Shell)
  • netz­werk­fä­hig (in­te­grier­tes TCP/IP), viele Netz­werk­funk­tio­nen (z. B. Unix-Netzwerk-Tools), um­fas­sen­des Leis­tungs­spek­trum als Netz­werkser­ver
  • um­fang­rei­che Grund­aus­stat­tung (wichtige Ent­wick­lungs­werk­zeu­ge und Bi­blio­the­ken sind in­te­griert)
  • pro­fes­sio­nel­le Pro­gram­mier­kon­zep­te, Au­to­ma­ti­sie­rung durch aus­ge­reif­tes Scripting
  • erhöhte Sys­tem­sta­bi­li­tät bei­spiels­wei­se durch Spei­cher­schutz
  • stan­dar­di­sier­te Pro­gram­mier­schnitt­stel­le (POSIX)
Fakt

Das POSIX (Portable Operating System Interface) definiert eine stan­dar­di­sier­te Pro­gram­mier­schnitt­stel­le, über die An­wen­dungs­soft­ware mit dem Be­triebs­sys­tem Unix operativ zu­sam­men­ar­bei­ten kann. Fe­der­füh­rend bei der Ent­wick­lung von POSIX sind die IEEE und die Open Group. POSIX bildet die Grundlage der Single UNIX Spe­ci­fi­ca­ti­on. Ein Unix-Be­triebs­sys­tem, das der Single UNIX-Spe­zi­fi­ka­ti­on ent­spricht, darf die UNIX-Marke verwenden (UNIX in Groß­schrei­bung, teils ergänzt durch das Re­gis­tered Trademark-Zeichen ®). Es gibt Unix-Ableger und -Derivate, die voll­stän­dig (z. B. AIX von IBM) oder weit­ge­hend (z. B. Linux) POSIX-kom­pa­ti­bel sind.

Unix-Familie (wich­tigs­te Haupt­li­ni­en) Ableger / Derivate
AT&T-UNIX-Derivate/System-V-Linie AIX (IBM, zer­ti­fi­ziert als UNIX 98 und 03)
  HP-UX (Hewlett Packard, zer­ti­fi­ziert als UNIX 95 und 03)
  Oracle Solaris (Oracle; zer­ti­fi­ziert als UNIX 95, 98, 03 und V7)
BSD-Linie (BSD = Berkeley Software Dis­tri­bu­ti­on) FreeBSD (ver­schie­de­ne Dis­tri­bu­tio­nen und Derivate vorhanden)
  NetBSD (ver­schie­de­ne Dis­tri­bu­tio­nen und Derivate vorhanden)
  OpenBSD (ver­schie­de­ne Dis­tri­bu­tio­nen und Derivate vorhanden)

Was ist Linux?

Linux ist ein Be­triebs­sys­tem, das im Internet kos­ten­frei er­hält­lich ist und von einer weltweit zu­sam­men­ar­bei­ten­den Open-Source-Gemeinde ent­wi­ckelt wird. Es gibt aber auch Closed-Source-Projekte – vor allem im kom­mer­zi­el­len Bereich. Wie Unix hat auch Linux zahl­rei­che Ableger (so­ge­nann­te Linux-Dis­tri­bu­tio­nen und -Derivate = Ab­spal­tun­gen von einer Linux-Dis­tri­bu­ti­on) her­vor­ge­bracht, die den Be­triebs­sys­tem­kern erweitern und zu einem voll­wer­ti­gen Be­triebs­sys­tem ausbauen. Häufig werden Linux-Dis­tri­bu­tio­nen ent­wi­ckelt, die auf einen be­stimm­ten An­wen­dungs­fo­kus aus­ge­rich­tet sind. So gibt es z. B. Desktop-Systeme oder spezielle Dis­tri­bu­tio­nen für Server.

Linux wird häufig mit Unix gleich­ge­setzt oder als unixoides Be­triebs­sys­tem be­zeich­net, unter anderem weil es als unix­ar­ti­ges System kon­zi­piert wurde, unix­ty­pi­sche Funk­tio­nen be­inhal­tet und zahl­rei­che Linux-An­wen­dun­gen auch auf Unix laufen. Linux enthält al­ler­dings keinen pro­prie­tä­ren Unix-Code und ist aktuell auch nicht von der Open Group als of­fi­zi­el­les UNIX-System ve­ri­fi­ziert.

Die wich­tigs­ten Merkmale von Linux sind:

  • quell­of­fen / Open Source
  • offene Sys­tem­ent­wick­lung durch weltweite Ent­wick­ler­ge­mein­de
  • meist kostenlos, teils auch kos­ten­pflich­ti­ge kom­mer­zi­el­le Versionen auf dem Markt
  • Linux-Dis­tri­bu­tio­nen ergänzen Linux-Kernel mit praxis- und an­wen­dungs­na­her Software
  • für Mehr­pro­zes­sor­sys­te­me geeignet
  • Mul­ti­tas­king (mehrere Programme laufen parallel)
  • Mehr­be­nut­zer- bzw. Multiuser-System
  • un­ter­stützt viele CPUs und Hardware-Platt­for­men (Desktop-PCs, Super- und Mainframe-Computer, Server)
  • für Mobil- und elek­tro­ni­sche Klein­ge­rä­te geeignet (Router, Smart Home-Geräte, Internet of Things)
  • Linux ist größ­ten­teils in C ge­schrie­ben (C-Programme sind zwischen ver­schie­de­nen Betriebs- und Rech­ner­sys­te­men leicht por­tier­bar)
  • große Auswahl an Software und Be­dien­ober­flä­chen
  • um­fang­rei­che Si­cher­heits­fea­tures (Ver­schlüs­se­lungs­tech­ni­ken, aus­ge­reif­tes Rechte- und Sys­tem­ver­wal­tung, Secure Shell für sicheren Re­mo­te­zu­griff)
  • aus­ge­reif­tes Scripting (z. B. Pro­gram­mie­rung und Au­to­ma­ti­sie­rung durch Shell-Skripte)
  • stan­dar­di­sier­te Schnitt­stel­len (POSIX, Linux Standard Base/LSB)
Fakt

Die Linux Standard Base (LSB) definiert wichtige Standards (bei­spiels­wei­se für Bi­när­schnitt­stel­len, Pro­gramm­bi­blio­the­ken), um die Kom­pa­ti­bi­li­tät zwischen den ver­schie­de­nen Linux-Dis­tri­bu­tio­nen zu op­ti­mie­ren.

Bekannte Linux-Dis­tri­bu­tio­nen und -Derivate Be­son­der­hei­ten
Debian Dis­tri­bu­ti­on mit großer Software-Auswahl, un­ter­stützt 12 Prozessor-Ar­chi­tek­tu­ren
Ubuntu für Heim­com­pu­ter op­ti­mier­tes Debian-Derivat
Linux Mint ein­steig­er­freund­li­cher Ubuntu-Ableger, verfügt über ver­schie­de­ne Desktop-Um­ge­bun­gen
Knoppix erste populäre Live-Dis­tri­bu­ti­on (portabel, keine In­stal­la­ti­on nötig), großer Software-Umfang, Debian-Derivat
Gentoo quell­ba­sier­te Linux-Dis­tri­bu­ti­on für fort­ge­schrit­te­ne Anwender, System kann komplett in­di­vi­du­ell ein­ge­rich­tet werden
Red Hat En­ter­pri­se Linux (RHEL) bekannte Linux-Server-Dis­tri­bu­ti­on für Un­ter­neh­men (derzeit dort Markt­füh­rer), um­fang­rei­che Un­ter­stüt­zung durch un­ab­hän­gi­ge Software-Her­stel­ler, kos­ten­pflich­tig, Teil des Fedora-Projekts
Fedora direkter Nach­fol­ger von Red Hat Linux (RHL), spe­zia­li­siert auf Server- und Desktop-Systeme, ersetzt vielfach das mitt­ler­wei­le nicht mehr wei­ter­ent­wi­ckel­te RHL, ist auch für Ein­stei­ger kon­zi­piert.
openSUSE um­fang­rei­che Linux-Dis­tri­bu­ti­on, ins­be­son­de­re in Deutsch­land und den USA ver­brei­tet, nutzt den RPM-Paket-Manager (freies Pa­ket­ver­wal­tungs-System), eigenes Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tool (YaST)

Unix vs. Linux: Die Be­triebs­sys­te­me im Vergleich

Alter und Ent­wick­lung von Unix

In direkten Vergleich Unix vs. Linux kann man getrost Unix als IT-Di­no­sau­ri­er be­zeich­nen, denn das OS (OS = Operating System) wurde in den Grund­zü­gen bereits in den 60er-Jahren von Mit­ar­bei­tern der Bell Labs (Mut­ter­ge­sell­schaft war AT&T) ent­wi­ckelt. Nachdem der Quelltext der Urversion aus dem Jahre 1969 ver­öf­fent­licht worden war, ent­wi­ckel­te sich in den Fol­ge­jah­ren eine große Zahl an Ablegern und Nach­fol­gern. Aufgrund dieser ver­zweig­ten und un­ko­or­di­nier­ten Ent­wick­lung gibt es heute nicht mehr „das eine Unix“, sondern einen großen Unix-Kosmos bzw. eine Unix-Familie. Innerhalb dieser Unix-Familie sind seit vielen Jahren zwei Haupt­li­ni­en ton­an­ge­bend: BSD und System-V.

Die Berkeley Software Dis­tri­bu­ti­on (kurz: BSD) entstand 1977 als Variante des Be­triebs­sys­tems Unix an der Uni­ver­si­tät von Ka­li­for­ni­en in Berkeley. Aus der ur­sprüng­li­chen Version ent­wi­ckel­te sich im Laufe der Zeit ein um­fang­rei­che­rer Stammbaum von Unix-Derivaten. Zu den be­kann­tes­ten zählen die Dis­tri­bu­tio­nen FreeBSD, OpenBSD und NetBSD, aus denen wiederum weitere BSD-Projekte ent­wi­ckelt wurden. Unix-Software unter BSD-Lizenz darf frei verwendet werden. FreeBSD enthält mitt­ler­wei­le aus li­zenz­recht­li­chen Gründen keinen ori­gi­na­len Unix-Code der AT&T-Linie mehr.

Die System-V-Familie ist der zweite wichtige Ent­wick­lungs­strang, der unter anderem die heute noch kom­mer­zi­ell re­le­van­ten UNIX-Systeme von IBM (AIX), Hewlett Packard (HP-UX) und Oracle (Oracle Solaris) her­vor­ge­bracht hat. System V stand nach seiner Ein­füh­rung im Jahr 1983 zunächst vor allem für ein ganz be­stimm­tes Unix-Derivat. In­zwi­schen wird es als Be­zeich­nung jedoch für eine ganze Familie bzw. Klasse von Unix-Derivaten benutzt, die direkt von der AT&T-UNIX-Linie abstammen und in der Regel offiziell li­zen­ziert sind.

Die Grenzen zwischen den beiden Ent­wick­lungs­li­ni­en von Unix-Systemen sind fließend und es gibt häufiger Über­schnei­dun­gen. Aktuell nähern sich die beiden Haupt­strän­ge immer stärker an, tech­ni­sche Neue­run­gen werden häufig von der kon­kur­rie­ren­den Linie über­nom­men. In der Praxis kommt es auch vor, dass ein Be­triebs­sys­tem mit BSD-Be­stand­tei­len offiziell von der Open Group als UNIX zer­ti­fi­ziert wird (macOS verwendet BSD-Code, verfügt ab Version Leopard 10.5 aber auch über eine of­fi­zi­el­le UNIX-03-Zer­ti­fi­zie­rung).

Alter und Ent­wick­lung von Linux

Linux ist der deutlich jüngere Player in unserem Linux-vs.-Unix-Vergleich. Das unixoide Be­triebs­sys­tem wurde 1991 von dessen Ent­wick­ler Linus Thorvalds ver­öf­fent­licht. Streng genommen stellte der Finne damals nur einen modularen Be­triebs­sys­tem­kern (Linux-Kernel) zur Verfügung, der als zentrale und ein­heit­li­che Schnitt­stel­le für un­ter­schied­lichs­te Hardware fungiert und bei­spiels­wei­se für die Speicher- und Pro­zess­ver­wal­tung sowie für Mul­ti­tas­king und Si­cher­heits­fea­tures zuständig ist.

Der Linux-Kernel wurde 1992 dann durch eine Li­zen­zie­rung unter der freien Lizenz GPL für die Open-Source-Community frei­ge­ge­ben. Die Li­zen­zie­rung setzte eine globale Wei­ter­ent­wick­lung in Gang, die un­ter­schied­li­che Linux-Dis­tri­bu­tio­nen und -Derivate her­vor­brach­te. Eine Dis­tri­bu­ti­on baut den Linux-Kernel etwa durch Compiler, Bi­blio­the­ken und Schnitt­stel­len für die In­ter­ak­ti­on mit einem Benutzer zu einem voll­wer­ti­gen Be­triebs­sys­tem aus. Ab­ge­speck­te Linux-Versionen, die etwa auf Klein­ge­rä­ten sehr hard­ware­nah operieren, benötigen al­ler­dings nur einen relativ geringen Anteil an Zusatz-Software.

Eine sehr ein­fluss­rei­che Ent­wick­ler­com­mu­ni­ty, die sich mit Linux befasst, ist das GNU-Projekt. GNU/Linux-Dis­tri­bu­tio­nen sind im Desktop- und Server-Bereich weit­ver­brei­tet. Ent­schei­dend für die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Dis­tri­bu­tio­nen und Derivaten ist, dass innerhalb der Linux-Welt keine Rücksicht auf ein­schrän­ken­de Lizenzen, Li­zenz­kos­ten und lang­wie­ri­ge Li­zen­zie­rungs­ver­fah­ren genommen werden muss. Zunächst wurde Linux für Intels x86-Hard­ware­pro­zes­so­ren ent­wi­ckelt, mitt­ler­wei­le ist es für über zwanzig CPU-Typen verfügbar. Linux ist auch kom­pa­ti­bel mit ARM-Pro­zes­so­ren für Klein- und Mo­bil­ge­rä­te (Smart­phones, Tablets, Me­dia­play­er, Mini-Computer wie Raspberry Pi und diverse Wearables).

Unix: Ver­brei­tung, Kosten und Ziel­grup­pen

Unix ver­brei­te­te sich zunächst vor allem in Uni­ver­si­tä­ten und auf spe­zi­el­len Work­sta­tions. Danach wurde das Be­triebs­sys­tem vermehrt auf Servern und in Re­chen­zen­tren ein­ge­setzt. Im Fokus der Unix-Dienst­leis­ter stehen heute zahlende Kunden meist aus der freien Wirt­schaft und der Industrie (z. B. Fi­nanz­dienst­leis­ter, größere In­dus­trie­kon­zer­ne und Kunden aus dem Ge­sund­heits­we­sen). Wer Unix pro­fes­sio­nell auf Servern oder Work­sta­tions nutzen möchte, kauft heute in der Regel pro­prie­tä­re, li­zen­zier­te und ve­ri­fi­zier­te UNIX-Versionen bei Her­stel­lern wie IBM (AIX), Oracle (Oracle Solaris) oder Hewlett Packard (HP-UX). Die Her­stel­ler bieten ein ideal ab­ge­stimm­tes Kom­plett­pa­ket aus Hard- und Software, so läuft Unix häufig auf PA-RISC- und Itanium-Maschinen. Die Höhe der Li­zenz­kos­ten variiert mit dem Umfang des be­nö­tig­ten Kom­plett­pa­kets aus Ser­ver­hard­ware und Anzahl der Software-Lizenzen.

Kunden aus der Industrie und Wirt­schaft schätzen vor allem die Sta­bi­li­tät und Si­cher­heit und setzen bevorzugt in ge­schäfts­kri­ti­schen Bereichen auf pro­prie­tä­re UNIX-Systeme in der AT&T-Tradition. In diesem Segment werden Unix-Systeme auch weiterhin eine gewisse Rolle spielen, da große Un­ter­neh­men häufig lang­fris­ti­ge Lizenz-, Support- und War­tungs­ver­trä­ge mit Unix-Dienst­leis­tern ab­ge­schlos­sen haben. Zudem kann ein Umstieg von einem in­di­vi­du­ell an­ge­pass­ten Unix-Kom­plett­sys­tem zu einer anderen Sys­tem­ar­chi­tek­tur ziemlich teuer werden und birgt tech­ni­sche Risiken.

Insgesamt nimmt die Be­liebt­heit und Ver­brei­tung von Unix al­ler­dings seit einiger Zeit kon­ti­nu­ier­lich ab. Ein Grund ist die tech­ni­sche Ent­wick­lung. Moderne Windows- und Linux-Systeme arbeiten tra­di­tio­nell mit den relativ günstigen und aktuell ton­an­ge­ben­den x86-Pro­zes­sor­ar­chi­tek­tu­ren zusammen, die sich schnell wei­ter­ent­wi­ckeln und heute den Markt der Stan­dard­ser­ver do­mi­nie­ren. Dem­ge­gen­über machen tra­di­tio­nel­le Ser­ver­sys­te­me (z. B. Itanium-Maschinen mit UNIX-Systemen der System-V-Familie) derzeit nicht so große tech­ni­sche Fort­schrit­te und stehen nicht gerade für kos­ten­güns­ti­ge Lösungen.

Da Unix-Systeme schon von Beginn an auf sehr konkrete Ein­satz­be­rei­che und versierte Anwender (IT-Profis, Pro­gram­mie­rer, Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren) zu­ge­schnit­ten waren, spielen sie auf dem Mas­sen­markt der Notebooks und Desktop-PCs tra­di­tio­nell kaum eine Rolle. Trotz rück­läu­fi­ger Nutzung und Fo­kus­sie­rung auf ge­schäfts­kri­ti­sche Bereiche sollte der aktuelle Einfluss von Unix jedoch nicht un­ter­schätzt werden. In unserem Unix vs. Linux-Vergleich können bei der Ver­brei­tung vor allem BSD-Systeme punkten. Apples macOS verwendet Unix-Code, kos­ten­lo­se Unix-Derivate wie FreeBSD zählen jenseits des Marktes für Desktop-PCs und Notebooks zu den weltweit am stärksten ver­brei­te­ten Be­triebs­sys­te­men. FreeBSD wird z. B. vermehrt für Mail­ser­ver, Webserver, Firewalls, FTP-Server und DNS-Server ein­ge­setzt. Es wird auf Routern und NAS-Hardware in­stal­liert.

Linux: Ver­brei­tung, Kosten und Ziel­grup­pen

Aufgrund seiner kaum zu über­se­hen­den Vorteile nimmt die Ver­brei­tung von Linux kon­ti­nu­ier­lich zu. So zeichnet sich Linux durch eine breite Hardware-Un­ter­stüt­zung, Quell­of­fen­heit, freie Ver­füg­bar­keit (CDs, DVDs, Download via Internet), Kos­ten­frei­heit auch bei mehreren In­stal­la­tio­nen, schnelle Wei­ter­ent­wick­lung und gute Er­wei­ter­bar­keit aus – ebenso durch eine optimale An­pass­bar­keit an die Hardware sowie an bestimmte An­wen­dungs­um­ge­bun­gen und An­for­de­rungs­pro­fi­le. Außerdem er­leich­tert die POSIX-Kom­pa­ti­bi­li­tät die Migration von alten Unix-Systemen, was ebenfalls zur Ver­brei­tung von Linux beiträgt.

Linux ist aktuell vor allem im Server-Bereich sehr beliebt. Schät­zun­gen zufolge soll min­des­tens die Hälfte aller Server auf der Basis von Linux-Be­triebs­sys­te­men laufen. Speziell für den Server-Markt gibt es auch kos­ten­pflich­ti­ge Versionen (Red Hat En­ter­pri­se Linux) mit einem besseren, aber teils auch recht teuren Kun­den­sup­port. Ver­brei­tet ist Linux außerdem im Mo­bil­be­reich. Bei dem bekannten Google-Be­triebs­sys­tem Android handelt es sich um eine Dis­tri­bu­ti­on mit mo­di­fi­zier­tem Linux-Kernel. Klein­ge­rä­te (z. B. Handys, Mini-Computer, Router) nutzen häufig ab­ge­speck­te Linux‑Versionen (Embedded Linux-Systeme).

Im Desktop-Bereich spielt Linux eine un­ter­ge­ord­ne­te Rolle. Das Be­triebs­sys­tem ist zwar schon seit 2009 auf dem dritten Platz bei den weltweit be­lieb­tes­ten PC-Be­triebs­sys­te­men. Doch von der Plat­zie­rung an sich darf man sich nicht täuschen lassen, denn im Juli 2020 betrug der Markt­an­teil an den welt­wei­ten Page Views nur 1,9 % (die Daten wurden anhand der In­ter­net­nut­zung mit Desktop- und Notebook-PCs erhoben, Smart­phones und Tablets wurden nicht be­rück­sich­tigt).

Zwar konnte man den kos­ten­güns­ti­gen Linux-Desktop in Nischen bereits eta­blie­ren (z. B. bei staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und Or­ga­ni­sa­tio­nen). Insgesamt gilt Linux aber immer noch als be­vor­zug­te Lösung für Bastler, am­bi­tio­nier­te PC-Nutzer und IT-Profis, die z. B. von US-Konzernen un­ab­hän­gig sein wollen und auch mit der Kom­man­do­zei­le umgehen können. Offenbar scheuen viele Nutzer auch den Umstieg weg von Windows oder macOS. Viele Anwender möchten sich offenbar nicht zeit­in­ten­siv in ein neues Be­triebs­sys­tem ein­ar­bei­ten und auch nicht auf andere An­wen­dungs­pro­gram­me umsteigen.

Ei­gen­schaf­ten und Funk­tio­nen von Linux und Unix im Vergleich

Beim Vergleich Unix vs. Linux fallen zunächst die vielen Ge­mein­sam­kei­ten auf. Beide Systeme sind Multi-User-Systeme, Mul­ti­tas­king ist möglich, eine erhöhte Sys­tem­sta­bi­li­tät durch Ar­beits­spei­cher­schutz ist ge­währ­leis­tet. IT-Profis und Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren können auf aus­ge­reif­tes Scripting und eine Kom­man­do­zei­le zur Steuerung und Pro­gram­mie­rung zu­rück­grei­fen. Beide Systeme bieten auch eine ge­gen­sei­ti­ge Kom­pa­ti­bi­li­tät aufgrund der POSIX-Spe­zi­fi­ka­ti­on. Dadurch kann z. B. ein Dienst­pro­gramm pro­blem­los aus­ge­tauscht werden, sys­tem­über­grei­fen­de Mi­gra­tio­nen und Por­tie­run­gen werden erheblich ver­ein­facht.

Speziell die Arbeit in Client-Server-Ar­chi­tek­tu­ren lässt sich mit Unix tra­di­tio­nell schnell und effizient erledigen. Auch Zahl an ver­füg­ba­ren Dienst­pro­gram­men lässt für ge­stan­de­ne IT-Profis und Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren kaum Wünsche offen. Ist nichts Passendes zu finden, kann man selbst eine Anwendung pro­gram­mie­ren. Linux-User können heute auf ähnlich aus­ge­reif­te Systeme zu­rück­grei­fen, die aufgrund der Ent­wick­lungs­dy­na­mik in der Open-Source-Community kon­ti­nu­ier­lich optimiert und mit modernen Features aus­ge­stat­tet werden.

Bei der Software-Aus­stat­tung zeichnen sich beiden Systeme durch eine um­fang­rei­che Grund­aus­stat­tung an Dienst­pro­gram­men und Basis-Software aus. Linux-Dis­tri­bu­tio­nen bieten zudem einen in­te­grier­ten und nut­zer­freund­li­chen Pa­ket­ma­na­ger. Über das Internet greift dieser auf ein Software-Re­po­si­to­ry mit aktuellen und ge­tes­te­ten An­wen­der­pro­gram­men zu. Die Pflege von Pro­gramm­pa­ke­ten in einem Update-Re­po­si­to­ry, das neben kos­ten­frei­en auch kos­ten­pflich­ti­ge Pro­gram­men enthält, übernimmt ein so­ge­nann­ter Pa­ket­be­treu­er. Außerdem bietet Linux im Vergleich zu Unix speziell für normale Desktop-User eine größere Vielfalt an Be­triebs­sys­te­men und Be­dien­ober­flä­chen (z. B. die Desktop-Um­ge­bun­gen KDE und Gnome).

Si­cher­heit von Unix und Linux

Beim Vergleich Unix vs. Linux darf die Si­cher­heit nicht unerwähnt bleiben. Beide OS gelten als besonders sichere Be­triebs­sys­te­me. Grund­le­gen­den Schaden an­zu­rich­ten, ist durch die spe­zi­fi­sche Sys­tem­ar­chi­tek­tur deutlich erschwert. Be­rech­ti­gun­gen und Zu­griffs­rech­te können sehr dif­fe­ren­ziert und de­tail­liert behandelt werden, auch trennt die Be­nut­zer­ver­wal­tung die User sauber von­ein­an­der. So verfügt im Mehr­be­nut­zer­sys­tem jeder User über einen eigenen Da­ten­be­reich, auf den kein anderer Nutzer unerlaubt zugreifen kann. Ein Da­ten­ver­lust durch un­be­ab­sich­tig­tes Löschen wird dadurch ver­hin­dert. Zugleich haben Benutzer keinen Zugriff auf wichtige System-Dateien. Ein sicherer Fern­zu­griff per Secure Shell (SSH) ist bei Unix und Linux möglich. Fast alle Unix- und Linux-basierten Be­triebs­sys­te­me bringen ein vor­kon­fi­gu­rier­tes SSH-Programm mit.

Ein weiterer Pluspunkt den sich beide Systeme in unserem Linux vs. Unix teilen: Die Zahl der auf sie aus­ge­rich­te­ten Viren und Schad­pro­gram­me ist niedrig. Die geringe Ver­brei­tung im Desktop-Bereich wirkt sich in dieser Hinsicht positiv aus, denn Hacker spe­zia­li­sie­ren sich meist auf Si­cher­heits­lü­cken besonders ver­brei­te­ter Soft- und Hardware (z. B. Windows-Programme). Al­ler­dings zeichnet sich ab, dass speziell die Linux-Systeme aufgrund ihrer zu­neh­men­den Ver­brei­tung auf Servern, Routern und IoT-Geräten in­zwi­schen häufiger zu An­griffs­zie­len von Hackern werden. Si­cher­heits­lü­cken etwa im Linux-Kernel müssen daher re­gel­mä­ßig behoben werden. Zudem können Unix- und Linux-Server durchaus Schäd­lin­ge für Windows-PCs im Netzwerk ver­brei­ten.

Bedienung von Linux und Unix im Vergleich

Für klas­si­sche Unix-Versionen stand viele Jahre keine ein­heit­li­che Be­nut­zer­ober­flä­che zur Verfügung. Al­ler­dings er­mög­lich­te das X Window System seit Mitte der 80er-Jahre, dass einzelne Dienst­pro­gram­me mit einem GUI (Graphical User Interface) aus­ge­stat­tet und mit Maus und Tastatur bedient werden konnten. Aufgrund der un­ter­schied­li­chen Um­set­zun­gen und der Ver­tei­lung ver­schie­de­ner GUIs auf einzelne An­wen­dun­gen konnte al­ler­dings nicht von einem ein­heit­li­chen und an­wen­dungs­über­grei­fen­den gra­fi­schen Be­dien­kon­zept ge­spro­chen werden. Heutige Unix-Systeme können auf intuitiv ver­ständ­li­che Desktop-Um­ge­bun­gen wie KDE und Gnome zu­rück­grei­fen.

Diese und weitere GUIs stehen auch für Linux zur Verfügung. Die Ent­wick­ler­ge­mein­de möchte Linux möglichst als uni­ver­sel­le Lösung für nahezu alle ver­füg­ba­ren Platt­for­men eta­blie­ren und richtet sich mit einer größeren Vielfalt von leicht ver­füg­ba­ren Be­dien­ober­flä­chen auch an größere Ziel­grup­pen. So gibt es z. B. für die Desktop-Umgebung Gnome eine Be­nut­zer­ober­flä­che, mit der sich Linux nahezu wie Windows 10 bedienen lässt.

Bei beiden OS (vor allem aber bei Unix) ist die Bedienung via Terminal und Kom­man­do­zei­le (Terminal-Konzept) stark ver­brei­tet. Ein Grund dafür ist, dass sich speziell im Ser­ver­be­reich viele ad­mi­nis­tra­ti­ve Aufgaben öko­no­mi­scher mit einer Shell erledigen und au­to­ma­ti­sie­ren lassen (auch rech­ner­über­grei­fend im Netzwerk). Die Standard-Shell für die Kom­man­do­zei­len-Bedienung heißt bei den meisten Linux-Systemen Bash, viele Unix-Systeme nutzen die Bourne-Shell.

Unix vs. Linux – Vorteile und Nachteile

Vorteile von Unix Vorteile von Linux
Stabile und aus­ge­reif­te Umgebung vor allem für Server und Work­sta­tions Viel­sei­ti­ges OS, besonders für den Server-Markt geeignet (spezielle Linux Server Dis­tri­bu­tio­nen sind er­hält­lich), viele Clouds nutzen Linux
Läuft auf vielen Hardware-Platt­for­men (Por­ta­bi­li­tät), maß­ge­schnei­der­te Lösungen bei optimaler Anpassung an die Hardware Breite Hardware-Un­ter­stüt­zung, dabei un­ab­hän­gig vom Her­stel­ler (gilt für CPUs, Server, Work­sta­tions, PCs, Mini-Computer)
Kos­ten­pflich­ti­ge UNIX-Systeme werden kon­sis­tent wei­ter­ent­wi­ckelt, Kun­den­be­dürf­nis­se werden be­rück­sich­tigt Die meisten Dis­tri­bu­tio­nen sind kos­ten­frei (CD/DVD, Internet-Download)
Sicher (z. B. Ein­schrän­kung von Be­nut­zer­rech­ten, Ver­schlüs­se­lung) Sicher (z. B. Ein­schrän­kung von Be­nut­zer­rech­ten, Ver­schlüs­se­lung)
Aus­ge­reif­tes Scripting (Shell) Aus­ge­reif­tes Scripting (Shell)
Für Pro­gram­mie­rer und Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren sehr gut geeignet Für Pro­gram­mie­rer und Sys­tem­ad­mi­nis­tra­to­ren sehr gut geeignet, mehrere intuitive GUIs besonders für Desktop-Nutzer
Große Auswahl an Pro­gram­men und Tools (vielfach bereits im OS enthalten) Große Auswahl an Pro­gram­men und Tools (vielfach bereits im OS enthalten)
Besonders geeignet für ge­schäfts­kri­ti­sche Bereiche Häufige Updates, Si­cher­heits­lü­cken werden recht schnell ge­schlos­sen
Durch POSIX-Standard laufen Unix-Ap­pli­ka­tio­nen auch auf Linux (Migration möglich) Durch POSIX-Standard laufen Linux-Ap­pli­ka­tio­nen auch auf Unix (Migration möglich)
  Geringe Hardware-An­for­de­run­gen, gute Sys­tem­per­for­mance
  Portable Versionen ohne In­stal­la­ti­on verfügbar (z. B. auf DVD, USB-Stick)
Nachteile von Unix Nachteile von Linux
Begrenzte Ziel­grup­pe, da Fokus auf versierte Anwender und IT-Profis Gewisse Ein­ar­bei­tungs­zeit für Linux-Anfänger er­for­der­lich, Umsteiger müssen teils auf gewohnte Software ver­zich­ten
Viele (Spezial-)Lösungen auf dem Server-Markt sind kos­ten­pflich­tig und an bestimmte Hardware eines Her­stel­lers gebunden Im Server-Markt ggf. höhere Sup­port­kos­ten bei kom­mer­zi­el­len Linux-Dis­tri­bu­tio­nen
Ten­den­zi­ell höhere Hardware-An­for­de­run­gen (speziell bei kom­mer­zi­el­len und li­zenz­ba­sier­ten Systemen) Linux hat Si­cher­heits­lü­cken, Malware (besonders gefährdet sind Server)
Eher seltene Updates und langsame Wei­ter­ent­wick­lung Treiber für neue Hardware (PCs, Gra­fik­kar­ten) er­schei­nen teils erst zeit­ver­zö­gert
Nut­zer­zah­len rück­läu­fig, wird teils von Linux verdrängt (vor allem im Server-Markt) Tendenz zur Frag­men­tie­rung bei der Linux-Ent­wick­lung (große Anzahl an Linux-Dis­tri­bu­tio­nen)
Nahezu un­be­deu­tend auf dem Desktop-Markt Geringe Markt­an­tei­le bei Desktop-PCs und Notebooks
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