Die Freemium-Software Plex zählt zu den besten Lösungen, um die per­sön­li­che Me­di­en­samm­lung zu verwalten. Grund­stein des Erfolgs sind dabei die folgenden zwei Haupt­kom­po­nen­ten: Die Desktop-Ap­pli­ka­ti­on Plex Media Server, die sämtliche Video-, Audio- und Bild­da­tei­en in einer einzigen Bi­blio­thek zu­sam­men­führt und für die Wie­der­ga­be auf­be­rei­tet, sowie der Plex Media Player, über den sich der ge­wünsch­te Content aufrufen und streamen lässt. Letzterer ist dank ent­spre­chen­der Apps in­zwi­schen für diverse Geräte wie bei­spiels­wei­se die Spie­le­kon­so­len Xbox One und PS4, Android- und iOS-Smart­phones oder TV-Boxen wie Apple TV verfügbar. Die Ser­ver­an­wen­dung läuft auf den Be­triebs­sys­te­men Windows, macOS und Linux, weshalb Sie auch den Mi­ni­com­pu­ter Raspberry Pi als Plex-Basis für sie nutzen können.

Was ist ein Raspberry-Pi-Plex-Server?

Ein Raspberry-Pi-Plex-Server ist ein Me­di­en­ser­ver, der mithilfe der Freemium-Anwendung Plex Media Server auf dem Mi­ni­com­pu­ter Raspberry Pi zum Laufen gebracht wurde. Als solcher dient er dem Zweck, Me­di­en­da­tei­en wie Bilder, Videos und Musik zentral zu or­ga­ni­sie­ren und in einem privaten Netzwerk für ver­schie­de­ne Benutzer und Geräte zu­gäng­lich zu machen. Hierfür stehen diverse Client-Apps zur Verfügung (u.a. für iOS, Android, Amazon Fire TV, Xbox One, NVIDIA SHIELD und PS4), die den Fern­zu­griff auf den Server er­mög­li­chen. Al­ter­na­tiv lässt sich der Raspberry-Pi-Plex-Server mit Geräten, die DLNA (Digital Living Network Alliance) un­ter­stüt­zen, auch ohne Extra-Ap­pli­ka­ti­on ansteuern, wenn die ent­spre­chen­de Funktion aktiviert ist.

Hinweis

Damit die zu­grei­fen­den Geräte auch Inhalte in ihnen un­be­kann­ten Formaten wie­der­ge­ben können, trans­ko­diert Plex die ent­spre­chen­den Dateien in Echtzeit.

Was sind die Vor­aus­set­zun­gen für einen Raspberry-Pi-Plex-Server?

Um einen Raspberry-Pi-Plex-Server auf­zu­set­zen, benötigen Sie natürlich vor allem eines – einen Raspberry Pi. Wichtig ist, dass Sie hierbei eines der neueren Modelle – Raspberry Pi 2 oder 3 – wählen, damit aus­rei­chend Re­chen­leis­tung und Ar­beits­spei­cher für den Betrieb des Me­di­en­ser­vers vorhanden ist. Beide Editionen verfügen außerdem über einen Ethernet-Port, der für die Ein­rich­tung eines Media-Centers im Netzwerk zwingend er­for­der­lich ist. Da der Raspberry Pi 3 zudem über ein in­te­grier­tes WLAN-Modul verfügt, eignet er sich her­vor­ra­gend dafür, eine kabellose Streaming-Plattform ein­zu­rich­ten. Damit Ihnen aus­rei­chend Spei­cher­platz für das Be­triebs­sys­tem und den Plex Media Server zur Verfügung steht, ist darüber hinaus eine microSD-Karte mit min­des­tens acht Gigabyte notwendig.

Für die Ein­rich­tung von System und Server sollten Sie außerdem USB-Maus und -Tastatur sowie einen Monitor parat haben. Kom­plet­tiert wird das Hardware-Paket durch ein USB-Spei­cher­me­di­um oder eine externe Fest­plat­te Ihrer Wahl, um die Sammlung aus Songs, Bildern, Filmen und Serien in an­ge­mes­se­ner Form ab­spei­chern zu können. Was die not­wen­di­ge Software betrifft, müssen Sie auf Ihren Raspberry-Pi-Plex-Server eines der bereits erwähnten Be­triebs­sys­te­me in­stal­lie­ren. Das of­fi­zi­el­le Pi-Stan­dard­sys­tem Raspbian – seines Zeichens eine Ab­spal­tung des Linux-Derivats Debian – ist die von uns emp­foh­le­ne Lösung.

Hinweis

Erfahrene DIY-Bastler können den Mi­ni­com­pu­ter natürlich auch im Headless-Modus via SSH-Re­mo­te­zu­griff ansteuern, um den Raspberry-Pi-Plex-Server zu in­stal­lie­ren. In diesem Fall wird lo­gi­scher­wei­se keine zu­sätz­li­che Be­nut­zer­hard­ware (Maus, Tastatur, Monitor) benötigt.

Tutorial: Wie setzt man einen Raspberry-Pi-Plex-Server auf?

Haben Sie alle Kom­po­nen­ten für Ihren eigenen Me­di­en­ser­ver zusammen, beginnen Sie die In­stal­la­ti­on mit der Er­stel­lung der boot­fä­hi­gen SD-Karte. Diese erzeugen Sie an einem externen Desktop-PC mit ent­spre­chen­der SD-Schnitt­stel­le (in­te­griert oder als Lesegerät). Laden Sie sich das Raspbian-Image auf der Seite der Raspberry Pi Foun­da­ti­on herunter, entpacken Sie die Datei und binden diese im Anschluss mit der prä­fe­rier­ten Image-Software (Win32Dis­kI­ma­ger, Etcher etc.) in die for­ma­tier­te Karte ein. An­schlie­ßend nutzen Sie die SD, um Ihren Raspberry Pi zu booten und die In­stal­la­ti­on von Raspbian durch­zu­füh­ren. Eine de­tail­lier­te­re Be­schrei­bung der einzelnen Schritte liefert Ihnen das folgende Video:

Ist Raspbian in­stal­liert und der erste Boot­ver­such von Erfolg gekrönt, sind die nach­fol­gend zu­sam­men­ge­fass­ten Schritte notwendig, um den Raspberry-Pi-Plex-Server auf­zu­set­zen.

Schritt 1: Raspbian auf den neuesten Stand bringen

Auch, wenn Sie bei der vor­an­ge­hen­den Raspbian-In­stal­la­ti­on mit hoher Wahr­schein­lich­keit die ak­tu­ells­te Version der Raspberry-Pi-Dis­tri­bu­ti­on her­un­ter­ge­la­den und ein­ge­rich­tet haben, sollten Sie im ersten Schritt über­prü­fen, dass dies auch tat­säch­lich der Fall ist. Denn nur dann können Sie auch von den neuesten Features Gebrauch machen und sicher sein, dass bekannte Si­cher­heits­lü­cken der ein­ge­bun­de­nen Sys­tem­kom­po­nen­ten ge­schlos­sen sind. Ins­be­son­de­re, wenn Ihr Raspberry-Pi-Plex-Center mit dem Internet verbunden sein soll, ist ein maximales Maß an Si­cher­heit un­ver­zicht­bar für den rei­bungs­lo­sen Betrieb des Servers. Der Versions-Check bzw. das Upgrade ist dabei schnell in die Wege geleitet: Öffnen Sie einfach die Kom­man­do­zei­le von Raspbian (LX­Ter­mi­nal) und geben Sie folgende Befehle ein:

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade

Schritt 2: HTTPS-Über­tra­gung bei Downloads ak­ti­vie­ren

Die Plex-In­stal­la­ti­ons­da­tei für Geräte mit ARM-Ar­chi­tek­tu­ren wird aus dem dev2day-Re­po­si­to­ry bezogen, das aus­schließ­lich via HTTPS abrufbar ist. Damit die Pa­ket­ver­wal­tung von Raspbian auch auf solche HTTPS-Quellen zugreifen kann, muss das Paket apt-transport-https in­stal­liert sein. Das sollte bei neueren Versionen des Be­triebs­sys­tems zwar der Fall sein, doch mit einem einfachen und schnell durch­ge­führ­tem Terminal-Command gehen Sie auch in diesem Fall auf Nummer sicher:

sudo apt-get install apt-transport-https

Schritt 3: dev2day-Re­po­si­to­ry als Pa­ket­quel­le hin­zu­fü­gen

Um das dev2day-Ver­zeich­nis nun als erlaubte Quelle in die sources.list-Datei ein­zu­tra­gen, wird zunächst der Schlüssel für den Zugriff benötigt, den Sie Ihrem Schlüs­sel­bund mit dem folgenden Doppel-Befehl hin­zu­fü­gen:

wget -O - https://dev2day.de/pms/dev2day-pms.gpg.key | sudo apt-key add -

Im Anschluss im­ple­men­tie­ren Sie das Re­po­si­to­ry in die sources.list:

echo "deb https://dev2day.de/pms/ stretch main" | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/pms.list

Um die Än­de­run­gen zu be­stä­ti­gen, muss die Paket-Liste nun noch ein Update erhalten:

sudo apt-get update
Hinweis

Erhalten Sie beim Eintragen des dev2day-Re­po­si­to­rys die Feh­ler­mel­dung/usr/lib/apt/methodes/https could not be found.“, ist die in Schritt 2 be­schrie­be­ne Über­tra­gung via HTTPS nicht korrekt in­stal­liert worden. In diesem Fall sollten Sie die In­stal­la­ti­on des Pakets apt-transport-https also unbedingt wie­der­ho­len.

Schritt 4: In­stal­la­ti­on des Plex Media Servers

Nun können Sie den Plex-Server auf Ihrem Raspberry Pi in­stal­lie­ren. Zu diesem Zweck müssen Sie lediglich den Plex-Media-Server-Installer mit diesem Kommando starten:

apt-get install plexmediaserver-installer

Schritt 5: Server-Nutzer wechseln

Um Be­rech­ti­gungs­pro­ble­men bei der Kon­fi­gu­ra­ti­on des Raspberry-Pi-Plex-Servers aus dem Weg zu gehen, besteht Ihr erster Schritt nach der In­stal­la­ti­on der Ser­ver­an­wen­dung darin, das vor­ein­ge­stell­te Nut­zer­pro­fil durch ein be­lie­bi­ges Ad­mi­nis­tra­to­ren­pro­fil aus­zu­tau­schen. Zu diesem Zweck öffnen Sie die Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei des Plex Media Servers mit dem stan­dard­mä­ßig in­stal­lier­ten Text­edi­tor nano. Der ent­spre­chen­de Befehl sieht fol­gen­der­ma­ßen aus:

sudo nano /etc/default/plexmediaserver

Suchen Sie nach dem Eintrag „PLEX_MEDIA_SERVER_USER=plex” und ersetzen Sie „plex“ (nach dem Gleich­heits­zei­chen) durch den Be­nut­zer­na­men des ge­wünsch­ten Kontos.

Hinweis

Sie können das Stan­dard­kon­to Pi bei­be­hal­ten und als Plex-Server-Konto nutzen, müssen aber in jedem Fall das Aus­gangs­pass­wort („Raspberry“) ändern. De­tail­lier­te­re In­for­ma­tio­nen, wie Sie Nut­zer­pro­fi­le und Pass­wör­ter unter Raspbian anlegen und verwalten, finden Sie in den of­fi­zi­el­len Online-Manuals.

Beenden Sie den Editor und vergessen dabei nicht, die Än­de­run­gen zu speichern. Nach einem Neustart der Raspberry-Pi-Plex-Ser­ver­in­stanz sind die neuen Nut­zer­ein­stel­lun­gen aktiv:

sudo service plexmediaserver restart

Schritt 6: Statische IP-Adresse für den Raspberry Pi festlegen

Damit der auf­ge­setz­te Raspberry-Pi-Plex-Server im de­fi­nier­ten Netzwerk möglichst einfach von den zu­grei­fen­den Geräten gefunden wird, ist es sinnvoll, eine feste IP-Adresse für den Mi­ni­com­pu­ter zu vergeben. Soll der Zugriff über das Web-Interface erfolgen, ist es sinnvoll, dass die Netz­werk­adres­se im Vorhinein bekannt ist und nicht erst auf dem Raspberry abgefragt werden muss. Am ein­fachs­ten machen Sie es sich, wenn Sie die aktuelle zur festen IP machen. Um die IP in Erfahrung zu bringen, tippen Sie den folgenden Befehl in das Raspbian-Terminal ein:

hostname -I

Die angezeigt Adresse notieren Sie sich, um sie im nächsten Schritt in die Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei der Kom­man­do­zei­le zu schreiben. Hierfür öffnen Sie ent­spre­chen­de Datei mit dem Namen cmdline.txt mit dem bereits ver­wen­de­ten nano-Editor:

sudo nano /boot/cmdline.txt

Na­vi­gie­ren Sie an das Ende des Text­do­ku­ments und fügen Sie eine neue Zeile nach dem Muster „ip=IP-Adresse” (ohne An­füh­rungs­stri­che) ein, wobei Sie dem Gleich­heits­zei­chen die zuvor notierte IP folgen lassen. Speichern und schließen Sie dann die Textdatei, bevor Sie den Mi­ni­com­pu­ter mit dem Befehl „sudo reboot“ neu starten.

Schritt 7: Dateien in die Plex-Mediathek hin­zu­fü­gen

Nachdem der Raspberry-Pi-Plex-Server nun auf­ge­setzt und aktiv ist, sollten Sie den Mi­ni­com­pu­ter mit dem externen Spei­cher­me­di­um verbinden, auf dem Ihre Me­di­en­in­hal­te ge­spei­chert sind. An­schlie­ßend können Sie die web­ba­sier­te Be­nut­zer­ober­flä­che des Me­di­en­ser­vers über den Browser starten, indem Sie die IP-Adresse Ihres Raspber­rys gefolgt von „:32400/web/“ eingeben. Die Eingabe sieht also in etwa fol­gen­der­ma­ßen aus:

192.168.0.1:32400/web/
Hinweis

Plex Media Server greift für die Über­tra­gung auf TCP-Port 32400 zurück. Kommt es beim Ver­bin­dungs­auf­bau mit dem Client zu Problemen, ist als Ursache denkbar, dass dieser Port durch eine Firewall in Ihrem Netzwerk (z. B. die Firewall des Routers) blockiert wird. In diesem Fall reicht es, wenn Sie den Port freigeben und an­schlie­ßend einen neuen Ver­bin­dungs­ver­such starten.

Erstellen Sie zunächst einen neuen Account oder loggen Sie sich mit einem exis­tie­ren­den Facebook- oder Google-Konto ein. Sind Sie an­ge­mel­det, können Sie das Media-Center ganz nach Ihren Wünschen gestalten und die ge­wünsch­ten Bild-, Musik- und Vi­deo­da­tei­en für das Streaming im Netzwerk auf­be­rei­ten. Klicken Sie zu diesem Zweck auf den Button „zur Mediathek hin­zu­fü­gen” und geben den Medientyp sowie das Ver­zeich­nis an, in dem sich die je­wei­li­gen Dateien befinden.

Der Raspberry-Pi-Plex-Server syn­chro­ni­siert daraufhin die einzelnen Me­di­en­da­tei­en und fügt ihnen au­to­ma­tisch nützliche Me­ta­in­for­ma­tio­nen wie Ti­tel­bil­der, Kurz­be­schrei­bun­gen etc. hinzu – sofern er relevante, passende In­for­ma­tio­nen im Web findet.

Schritt 8: Ver­bin­dung zum Raspberry-Pi-Plex-Center her­stel­len

Sobald Sie einige Bilder, Clips oder Songs mit dem Plex-Server syn­chro­ni­siert haben, können Sie den ersten Streaming-Versuch starten. Zuvor gilt es jedoch, den Fern­zu­griff auf Ihren neuen Me­di­en­ser­ver zu erlauben, was Sie direkt über die Ein­stel­lun­gen erledigen können. Wechseln Sie zu diesem Zweck einfach in den Menü-Tab „Server“ und wählen Sie den Eintrag „Fern­zu­griff“. Klicken Sie auf die Schalt­flä­che „Fern­zu­griff ak­ti­vie­ren“ und warten Sie dann einen Moment, bis der Raspberry-Pi-Plex-Server die An­pas­sun­gen über­nom­men hat.

Laden Sie sich ab­schlie­ßend die Plex-App für das Gerät Ihrer Wahl aus dem ent­spre­chen­den Store herunter und melden sich mit dem bereits zuvor genutzten Account an. Der Plex-Client prä­sen­tiert Ihnen nun die in Schritt 6 angelegte Mediathek, die Sie nach Her­zens­lust durch­stö­bern (dank Such­funk­ti­on besonders einfach) und wie­der­ge­ben können. Einen Überblick über die ver­füg­ba­ren Apps finden Sie auf der Plex-Homepage.

Hinweis

Anstelle der nativen Apps können Sie auch einen Browser für den Zugriff auf den Plex-Me­di­en­ser­ver nutzen. Die zu diesem Zweck von Plex be­reit­ge­stell­te Web­an­wen­dung rufen Sie in diesem Fall über den Link „plex.tv/web“ auf.

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