Trotz minimaler Maße weiß der Raspberry Pi durch diverse Schnitt­stel­len (USB, Netzwerk) und seine gute Re­chen­leis­tung zu gefallen. Nicht von ungefähr ist der Mi­ni­com­pu­ter Be­stand­teil vieler elek­tro­ni­scher DIY-Projekte und eine gefragte Plattform für Ser­ver­an­wen­dun­gen ver­schie­dens­ter Art. Die direkte Bedienung des Pis via Maus, Tastatur und Monitor ist dabei nicht immer möglich bzw. häufig un­prak­tisch, weshalb hierfür häufig ein separater Desktop-PC zum Einsatz kommt, der Be­triebs­sys­tem und Res­sour­cen des Raspber­rys via Fern­zu­griff verwaltet. Für ge­wöhn­lich wird zu diesem Zweck eine SSH-Ver­bin­dung zum Mi­ni­com­pu­ter aufgebaut, die einen schnellen und un­kom­pli­zier­ten Zugang auf die Kom­man­do­zei­le er­mög­licht. Al­ter­na­tiv dazu erlaubt der Einsatz eines VNC-Servers auf dem Raspberry Pi auch den Remote-Zugriff auf die grafische Be­nut­zer­ober­flä­che.

VNC-Server auf dem Raspberry Pi: Was ist das ei­gent­lich?

Hinter VNC (Virtual Network Computing) verbirgt sich eine Client-Server-Software, mit deren Hilfe sich der Bild­schirm­in­halt des ge­wünsch­ten Systems (Server) auf einem anderen System (Client) anzeigen und steuern lässt. Zu diesem Zweck werden Tas­ta­tur­ein­ga­ben sowie Maus­be­we­gun­gen und -klicks auf Cli­ent­sei­te direkt an den ent­fern­ten Rechner über­tra­gen. In­stal­lie­ren und ak­ti­vie­ren Sie VNC also auf einem Raspberry Pi, können Sie den Mi­ni­com­pu­ter bequem von einem anderen PC aus in­stal­lie­ren, kon­fi­gu­rie­ren und verwalten. Basis von VNC ist das platt­form­über­grei­fen­de Netz­werk­pro­to­koll Remote Frame­buf­fer Protocol (RFB), das die Inhalte als Bitmaps überträgt und TCP-Port 5900 nutzt. Da es zu­stands­lo­se Ver­bin­dun­gen rea­li­siert, gehen auf­ge­bau­te Remote-Sitzungen auch bei vor­über­ge­hen­den Un­ter­bre­chun­gen oder einem Wechsel des VNC-Clients nicht verloren.

Hinweis

Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie einen VNC-Server auf dem Raspberry Pi ein­rich­ten, um diesen aus der Ferne zu bedienen. Natürlich ist es umgekehrt ebenso möglich, einen VNC-Client auf dem Mi­ni­com­pu­ter zu in­stal­lie­ren und auf diese Weise einen anderen PC per Fern­zu­griff zu steuern.

VNC-Server auf dem Raspberry Pi ein­rich­ten: Vor­aus­set­zun­gen

VNC-Software ist so kon­zi­piert, dass sie möglichst res­sour­cen­scho­nend funk­tio­niert. Je mehr Res­sour­cen die anderen An­wen­dun­gen, die auf dem Raspberry Pi laufen sollen, be­an­spru­chen, desto re­le­van­ter wird dieser Punkt. Grund­sätz­lich gibt es aber keinerlei Ein­schrän­kun­gen bei der Wahl des Raspberry-Pi-Modells: Sie können einen VNC-Server also sowohl auf einem Pi der ersten Ge­ne­ra­ti­on als auch auf dem neuesten Vertreter ein­rich­ten und ausführen.

Die Wahl der ge­eig­ne­ten Software fiel lange Zeit auf eine der beiden Lösungen X11VNC oder TightVNC. Beide sind für den Raspberry Pi geeignet und kommen auf dem Mi­ni­com­pu­ter auch heute noch zum Einsatz. Seit der In­te­gra­ti­on der PIXEL-Be­nut­zer­ober­flä­che in Raspbian hat das Standard-Be­triebs­sys­tem mit VNC Connect aber auch seine eigene Virtual-Network-Computing-Anwendung an Bord, die Sie lediglich ak­ti­vie­ren müssen, um von der Fern­ver­wal­tungs­tech­no­lo­gie Gebrauch zu machen. Vor­aus­set­zung ist, dass Sie min­des­tens Raspbian Jessie nutzen – an­dern­falls müssen Sie die Client-Server-Software zunächst her­un­ter­la­den und in­stal­lie­ren.

Hinweis

VNC Connect und X11VNC er­mög­li­chen den direkten Eins-zu-eins-Zugriff auf den aktuell sicht­ba­ren Bild­schirm des Raspberry Pis. TightVNC überträgt hingegen virtuelle Versionen der Ori­gi­nal­dar­stel­lung und er­mög­licht so die gleich­zei­ti­ge Anmeldung mehrerer Benutzer auf dem VNC-Server (ähnlich dem tra­di­tio­nel­len Ter­mi­nal­ser­ver-Konzept).

Tutorial: Wie wird ein VNC-Server auf dem Raspberry Pi ein­ge­rich­tet?

In dem nun folgenden Tutorial zeigen wir, wie sich ein VNC-Server auf dem Mi­ni­com­pu­ter ein­rich­ten und nutzen lässt. Ex­em­pla­risch greifen wir zu diesem Zweck auf die einfache und un­kom­pli­zier­te In­stal­la­ti­on und Ein­rich­tung der Client- und Ser­ver­kom­po­nen­ten von VNC Connect – der bereits erwähnten Standard-VNC-Suite von Raspbian – zurück.

Schritt 1: VNC Connect auf dem Raspberry Pi in­stal­lie­ren bzw. ak­tua­li­sie­ren

Im ersten Schritt ver­ge­wis­sern Sie sich, dass Sie die aktuelle Version von VNC Connect auf Ihrem Raspberry Pi in­stal­liert haben, indem Sie folgende Befehle in das Terminal eingeben:

sudo apt-get update
sudo apt-get install realvnc-vnc-server
sudp apt-get install realvnc-vnc-viewer

Raspbian bringt in der Folge sowohl die Ser­ver­an­wen­dung als auch den Client (Viewer) auf den neuesten Stand. Sie können den Mi­ni­com­pu­ter also theo­re­tisch jederzeit auch für den Zugriff auf einen VNC-Server nutzen, was wir hier jedoch nicht weiter the­ma­ti­sie­ren. Sofern Sie noch eine ältere Version von Raspbian oder ein anderes Be­triebs­sys­tem auf Ihrem Raspberry Pi nutzen, müssen Sie VNC Connect zunächst her­un­ter­la­den. Rufen Sie hierfür einfach die of­fi­zi­el­le Homepage des Ent­wick­lers RealVNC auf und wählen Sie im Download-Center die In­stal­la­ti­ons­da­tei für Raspberry Pi aus.

Schritt 2: VNC-Server ak­ti­vie­ren

Sobald Sie die Software ak­tua­li­siert haben, ist es möglich, den Server zu starten. Dies können Sie entweder über die grafische Be­nut­zer­ober­flä­che oder über die Kom­man­do­zei­le erledigen.

Für ersteres öffnen Sie einfach das Hauptmenü (Himbeer-Icon) und wählen an­schlie­ßend die Punkte „Ein­stel­lun­gen“ und „Raspberry-Pi-Kon­fi­gu­ra­ti­on“. Wechseln Sie in den Reiter „Schnitt­stel­len“ und setzen den Eintrag „VNC“ auf „Aktiviert“.

Wollen Sie den VNC-Server auf Ihrem Raspberry Pi über die Kom­man­do­zei­le an­schal­ten, benötigen Sie das Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tool raspi-config, das sich fol­gen­der­ma­ßen starten lässt:

sudo raspi-config

Na­vi­gie­ren Sie zum Menüpunkt „In­ter­fa­cing Options“ und scrollen Sie an­schlie­ßend zur Option „VNC“, um diese im letzten Schritt zu ak­ti­vie­ren („Yes“). Nach der Ak­ti­vie­rung des Servers startet dieser nun immer au­to­ma­tisch, wenn Sie den Raspberry Pi booten.

Hinweis

Die De­ak­ti­vie­rung des VNC-Servers funk­tio­niert auf die gleiche Art – Sie wählen lediglich die ge­gen­tei­li­gen Optionen „De­ak­ti­viert“ bzw. „No“ aus.

Schritt 3: Ver­bin­dungs­ein­stel­lun­gen über­prü­fen

Wenn Sie VNC Connect auf dem Raspberry Pi in­stal­liert und aktiviert und den Mi­ni­com­pu­ter im Anschluss neu­ge­star­tet haben, finden Sie das Icon für den VNC-Server in der Sys­tem­leis­te der Be­nut­zer­ober­flä­che. Klicken Sie auf dieses Icon, erhalten Sie ein Über­sichts­fens­ter über Kon­nek­ti­vi­tät und Si­cher­heit der Fern­zu­griffs­an­wen­dung. So zeigt die linke Seite die IP Ihres Raspber­rys, die Sie für den Ver­bin­dungs­auf­bau mit dem VNC-Client benötigen. Notieren Sie sich die Adresse, um diese später auf dem externen Rechner parat zu haben. Al­ter­na­tiv lässt sich die IP über den folgenden Terminal-Befehl in Erfahrung bringen:

hostname -I

Auf der rechten Seite finden Sie eine Signatur und Schlag­wör­ter, die zur Iden­ti­täts­prü­fung dienen. Beides sollte per Meldung angezeigt werden, wenn Sie im späteren Verlauf den VNC-Ver­bin­dungs­auf­bau in­iti­ie­ren. So können Sie si­cher­stel­len, dass es sich bei dem an­ge­peil­ten Ziel­sys­tem um Ihren Raspberry Pi handelt.

Tipp

Wenn Sie re­gel­mä­ßig via VNC auf Ihren Raspberry Pi zugreifen möchten, ist es emp­feh­lens­wert, eine feste IP-Adresse für den Mi­ni­com­pu­ter zu vergeben.

Schritt 4: VNC Viewer auf externem Gerät in­stal­lie­ren

Nachdem Sie den VNC-Server auf Ihrem Raspberry Pi zum Laufen gebracht haben, widmen Sie sich nun ganz dem separaten Rechner, von dem aus Sie den Mi­ni­com­pu­ter fern­steu­ern möchten. Auf diesem in­stal­lie­ren Sie zu­al­ler­erst die Client-Anwendung – VNC Viewer. RealVNC stellt zu diesem Zweck kos­ten­freie In­stal­la­ti­ons­da­tei­en für diverse Be­triebs­sys­te­me zur Verfügung. Dadurch lässt sich der Client u. a. auf Windows-, macOS- und Linux-PCs in­stal­lie­ren. Ferner gibt es Client-Apps für Android und iOS sowie eine Chrome-Extension, dank der VNC Viewer über den Google-Browser aus­ge­führt werden kann. Laden Sie im Download-Center von Real VNC die passende Version herunter und führen Sie an­schlie­ßend die In­stal­la­ti­on nach dem sys­tem­ty­pi­schen Muster durch.

Schritt 5: Direkte Ver­bin­dung zum Raspberry Pi aufbauen (im lokalen Netzwerk)

Der schnells­te und ein­fachs­te Weg zur Nutzung der VNC-Tech­no­lo­gie führt über eine direkte Ver­bin­dung zwischen dem Client-Rechner und dem Raspberry Pi. Vor­aus­set­zung ist, dass beide Geräte mit dem gleichen lokalen Netzwerk (LAN oder WLAN) verbunden sind und dass die IP des Raspber­rys bekannt ist. Ist dies der Fall, starten Sie VNC Viewer, geben die Adresse in die dafür vor­ge­se­he­ne Adress­zei­le ein und starten den Ver­bin­dungs­auf­bau mit der Ein­ga­be­tas­te.

Die Client-Anwendung prä­sen­tiert Ihnen danach die bereits an­ge­kün­dig­te Meldung (mit Signatur und Schlag­wör­tern) zur Iden­ti­täts­prü­fung. Handelt es sich dabei um die Angaben, die zuvor auch vom VNC-Server gemacht wurden, können Sie den Vorgang fort­set­zen.

An­schlie­ßend werden Sie zur Eingabe von Be­nut­zer­na­me und Passwort auf­ge­for­dert. Dabei handelt es sich um das Raspberry-Pi-Be­nut­zer­kon­to – stan­dard­mä­ßig der Benutzer „pi“ mit dem Passwort „raspberry“. Um den Zugriff un­be­fug­ter Nutzer zu ver­hin­dern, ist es emp­feh­lens­wert, diese Stan­dard­da­ten (am besten noch vor dem Start des VNC-Servers) zu ändern.

Schritt 6: Cloud-Ver­bin­dung zum Raspberry-Pi-VNC-Server aufbauen

Wenn Sie das Client-System und den Raspberry Pi nicht über ein lokales Netzwerk verbinden wollen bzw. können, haben Sie statt­des­sen auch die Mög­lich­keit, die VNC-Sitzung über das Internet auf­zu­bau­en. Für derartige Cloud-Ver­bin­dun­gen, die für nicht­kom­mer­zi­el­le Zwecke kos­ten­frei sind und sich durch eine Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung aus­zeich­nen, benötigen Sie lediglich einen RealVNC-Account. Dieser ist ebenfalls kos­ten­frei und in wenigen Sekunden angelegt. Für den Re­gis­trie­rungs­pro­zess rufen Sie ein letztes Mal die RealVNC-Homepage auf und geben eine gültige Mail­adres­se in der Sign-up-Box an.

Die Log-in-Daten für das neu angelegte RealVNC-Konto (Mail­adres­se und Passwort) benötigen Sie nun gleich zwei Mal – in der VNC-Server-Anwendung auf dem Raspberry Pi und auf Cli­ent­sei­te in VNC Viewer. Im Ser­ver­pro­gramm fügen Sie eine Ver­knüp­fung zum Konto hinzu, indem Sie Mail und Passwort unter dem Menüpunkt „Licensing“ eintragen und an­schlie­ßend auf „Sign in“ drücken. Auf dem Client-Gerät melden Sie sich einfach mit dem Konto in VNC Viewer an. Der Raspberry Pi wird an­schlie­ßend au­to­ma­tisch als ver­füg­ba­rer Host auf­ge­lis­tet, sodass ein einfacher Dop­pel­klick auf das ent­spre­chen­de Symbol genügt, um die VNC-Ver­bin­dung auf­zu­bau­en.

Schritt 7: Bild­schirm­auf­lö­sung des Raspberry Pis anpassen

Steht die Fern­ver­bin­dung zu dem Raspberry-Pi-VNC-Server, kann es aus zweierlei Gründen notwendig sein, die Bild­schirm­auf­lö­sung des Mi­ni­com­pu­ters zu ändern:

  1. Die Per­for­mance ist ein­ge­schränkt, da die Auflösung zu hoch ist.
  2. Die Stan­dard­auf­lö­sung wurde bei­be­hal­ten (etwa, weil der Raspberry nur im Headless-Modus ohne an­ge­schlos­se­nen Monitor genutzt wurde) und ist zu niedrig.

Ent­spre­chen­de An­pas­sungs­mög­lich­kei­ten finden Sie in dem bereits genutzten Tool raspi-config, das Sie mit dem bekannten Terminal-Befehl starten:

sudo raspi-config

Wählen Sie den Menüpunkt „Advanced Options“ und suchen Sie an­schlie­ßend nach dem Eintrag „Re­so­lu­ti­on“. Dort können Sie nun die ge­wünsch­te Auflösung auswählen, bevor Sie Tool und Kom­man­do­zei­le im Anschluss wieder schließen.

Tipp

Wenn Sie mehr Kontrolle über das HDMI-Setting Ihres Raspberry Pis haben wollen, können Sie auch Än­de­run­gen in der Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei /boot/config.txt vornehmen. Über den Eintrag hdmi_mode de­fi­nie­ren Sie bei­spiels­wei­se mit den ent­spre­chen­den Werten eines von über 50 ver­schie­de­nen HDMI-Output-Formaten. Eine aus­führ­li­che Erklärung sowie eine voll­stän­di­ge Auf­lis­tung möglicher Werte finden Sie in den of­fi­zi­el­len Online-Manuals (Absatz „HDMI mode options“).

Schritt 8: Per­for­mance-Op­ti­mie­rung für VNC auf Raspberry Pi Zero und Pi 1

Wenn Sie den VNC-Server auf einem Raspberry Pi 1 oder Zero ein­ge­rich­tet haben, ist die Per­for­mance aufgrund der etwas schwä­che­ren Re­chen­leis­tung dieser älteren Modelle nicht immer stabil. Sofern Sie in einem sicheren, lokalen Netzwerk aktiv sind, können Sie dieses Problem ent­schär­fen, indem Sie die Ver­schlüs­se­lung de­ak­ti­vie­ren – und auf diese Weise die CPU-Aus­las­tung ver­rin­gern.

Hinweis

Das Aus­schal­ten der Ver­schlüs­se­lung ist nur für direkte, jedoch nicht für Cloud-Ver­bin­dun­gen möglich.

Rufen Sie das Menü des VNC-Servers auf Ihrem Raspberry Pi auf und öffnen Sie die Optionen. Wählen Sie den Ex­per­ten­mo­dus aus und setzen Sie den „En­cryp­ti­on“-Parameter auf „AlwaysOFF“. Die Än­de­run­gen wirken sich nicht auf aktive Sitzungen aus, weshalb Sie be­stehen­de Ver­bin­dun­gen beenden und neu starten müssen.

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