Die Kom­pri­mie­rung von Dateien ist eine Schlüs­sel­tech­nik für die Di­gi­ta­li­sie­rung, da sie ins­be­son­de­re die Res­sour­cen von netz­ba­sier­ten In­fra­struk­tu­ren nach­hal­tig entlasten kann. Das neue Bild­for­mat AVIF soll in Zukunft zu mehr Effizienz im Da­ten­ver­kehr verhelfen und auf lange Sicht das stark ver­brei­te­te JPEG-Format ablösen. Im Vergleich zu JPEG kom­pri­miert AVIF deutlich ef­fi­zi­en­ter und bietet obendrein die bessere Bild­qua­li­tät. An der Durch­set­zung des neuen Bild­for­mats sind weltweit führende Groß­kon­zer­ne der Di­gi­tal­bran­che in­ter­es­siert.

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Was ist AVIF?

2015 gründete sich ein Kon­sor­ti­um aus führenden Un­ter­neh­men der digitalen Wirt­schaft. Es setzte sich zur Aufgabe, die Kom­pri­mie­rung von Bildern zu ver­bes­sern. Im Blick hatte die Alliance for Open Media (AOMedia), der u. a. Amazon, Cisco, Facebook, Google (inklusive YouTube), Mozilla, Microsoft, Netflix, Intel, AMD, Tencent und Apple angehören, vor allem den Da­ten­ver­kehr im Internet. Denn mehr als die Hälfte der durch­schnitt­li­chen Band­brei­te einer Website wird von Bildern be­an­sprucht. Von einer ver­bes­ser­ten Bild­kom­pri­mie­rung pro­fi­tiert nicht nur die Per­for­mance einzelner Webseiten. Die Ge­samt­leis­tung des Webs wird optimiert, da kleinere Dateien den Da­ten­ver­kehr be­schleu­ni­gen, den En­er­gie­ver­brauch senken und weniger Spei­cher­platz ver­brau­chen.

Damit sich die neue Tech­no­lo­gie möglichst schnell als Standard ver­brei­ten kann, sollte sie keine Li­zenz­kos­ten ver­ur­sa­chen und im Sinne des Open-Source-Gedankens frei ver­wend­bar sein. Im März 2018 machte AOMedia die Spe­zi­fi­ka­ti­on eines neuen freien Vi­deo­co­decs öf­fent­lich. Ab dem Zeitpunkt wurde offiziell eine finale erste Version von AOMedia Video 1 (kurz AV1) zur Verfügung gestellt.

Aus den Be­mü­hun­gen des In­dus­trie­kon­sor­ti­ums ging nicht nur ein li­zenz­frei­er offener Vi­deo­co­dec für Be­wegt­bil­der, sondern auch das AV1 Image File Format (AVIF) für Stand­bil­der hervor. AVIF kom­bi­niert die ef­fi­zi­en­ten Kom­pres­si­ons­al­go­rith­men des AV1-Vi­deo­co­decs mit der Con­tai­ner­tech­nik des HEIF-Formats (High Ef­fi­ci­en­cy Image File), das bereits seit einiger Zeit bei­spiels­wei­se von Apple genutzt wird. Das HEIF-Con­tai­ner­for­mat stellt u. a. eine ein­heit­li­che und auf Normen ba­sie­ren­de Basis für den Austausch, die Spei­che­rung (z. B. Vorgaben für Metadaten) sowie für die Über­tra­gung AV1-codierter Bild­in­hal­te zur Verfügung.

Es gibt also gewisse Über­schnei­dun­gen zwischen AVIF und HEIF. Die Bild­for­ma­te verwenden aber ver­schie­de­ne Kom­pres­si­ons­ver­fah­ren für das Kodieren von Bild­in­for­ma­tio­nen. Das HEIF-Format nutzt anstelle der AV1-Kom­pres­si­on über­wie­gend das Video-Format HEVC (High Ef­fi­ci­en­cy Video Coding). Ge­le­gent­lich wird auch der Vi­deo­kom­pres­si­ons­stan­dard H.264/MPEG-4 AVC ein­ge­setzt.

Fakt

Die von AVIF ver­wen­de­te HEIF-Con­tai­ner­tech­nik ist eine spezielle Aus­prä­gung des grund­le­gen­den Me­di­en­da­tei­for­mats ISOBMFF. Das ISO/IEC Base Media File Format (formal auch ISO/IEC 14496-12 genannt) spe­zi­fi­ziert bei­spiels­wei­se, wie Metadaten angelegt und ge­spei­chert sowie einzelne Bilder und Bild­se­quen­zen auf­be­rei­tet werden (etwa als ver­schach­tel­te Bild­in­for­ma­tio­nen für ef­fi­zi­en­tes Streaming). Der ISO-Standard gibt dadurch eine generelle und all­ge­mein­ver­bind­li­che Struktur für Mul­ti­me­dia- und Con­tai­ner­da­tei­en vor und schafft z. B. wichtige Vor­aus­set­zun­gen für die In­ter­ope­ra­bi­li­tät eines Bild­for­mats (also etwa die Fähigkeit zur Zu­sam­men­ar­beit mit anderen Systemen und Techniken). ISOBMFF wurde 2001 von der Moving Picture Experts Group (MPEG) definiert.

AVIF verbindet eine hoch­qua­li­ta­ti­ve Video-Kom­pri­mie­rung mit einer funk­tio­na­len Vielfalt, die den zahl­rei­chen An­for­de­run­gen an ein zeit­ge­mä­ßes Bild­for­mat gerecht werden soll. Möglich ist eine ver­lust­freie (lossless) und eine ver­lust­be­haf­te­te (lossy) Kom­pri­mie­rung. In einem Alpha-Kanal werden wie bei anderen Bild- und Gra­fik­for­ma­ten zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen zu trans­pa­ren­ten Bild­be­rei­chen abgelegt. Durch Trans­pa­renz­da­ten frei­ge­stell­te Objekte werden z. B. bei Be­nut­zer­ober­flä­chen, Collagen oder bei Fir­men­lo­gos verwendet.

Zudem un­ter­stützt AVIF er­wei­ter­te Farbräume (Wide Color Gamut, WCG) und Funk­tio­nen wie Kör­nig­keit, Farb­un­ter­ab­tas­tung und HDR (High Dynamic Range). Die HDR-Tech­no­lo­gie ist die Basis für Hoch­kon­trast­bil­der, die eine besonders gleich­mä­ßi­ge Hel­lig­keit sowie starke Farben und Kontraste er­mög­li­chen. AVIF ist ideal für HDR, da es über die übliche 8-Bit-Farbtiefe der Standard-Dynamic-Range-Bilder (SDR) hin­aus­ge­hen kann (10 Bit, 12 Bit sowie höhere Farb­tie­fen sind möglich). Über Metadaten können nicht nur HDR-In­for­ma­tio­nen, sondern auch Angaben zum Farb­um­fang wei­ter­ge­ge­ben werden. Animierte Sequenzen sind – ähnlich den bekannten GIF-Ani­ma­tio­nen (Animated GIFs) – ebenfalls möglich (Support von Multi-Layer-Images für Bild­ele­men­te und Bild­se­quen­zen).

Die Vorteile von AVIF auf einen Blick

Das Bild­for­mat AVIF bietet viele Vorteile. Zu den wich­tigs­ten Plus­punk­ten des Formats zählen:

  • Big Player der digitalen Wirt­schaft un­ter­stüt­zen das AVIF-Format und pro­fi­tie­ren von der Durch­set­zung und weiteren Ent­wick­lung des Formats.
  • AV1 und das AVIF-Format sind Open-Source-Codecs. Zu­sätz­li­che Kosten fallen beim Einsatz der AOMedia-Technik nicht an. Davon pro­fi­tie­ren nicht nur die Big Player, sondern generell die gesamte Open-Source-Gemeinde.
  • Die Kos­ten­frei­heit von AVIF ist ein we­sent­li­cher Vorteil gegenüber dem HEIF-Format, das derzeit vor allem von Apple bevorzugt wird.
  • Das AVIF-Format wird den An­for­de­run­gen an ein modernes Bild­for­mat gerecht, das eine sehr gute Bild­qua­li­tät (besonders bei HDR-Bildern mit größerer Farbtiefe über 8 Bit) mit vielen Funk­tio­nen kom­bi­niert (ähnlich HEIF ist das Format in diesem Punkt dem JPEG-Format überlegen).
  • Aktuell reduziert AVIF im Vergleich zum eta­blier­ten Stan­dard­for­mat JPEG die Bildgröße durch­schnitt­lich um be­acht­li­che 50 Prozent (ähnlich dem ver­gleich­bar ef­fi­zi­en­ten HEIF-Format). Zudem ist AVIF ef­fi­zi­en­ter als der Kon­kur­rent WebP, der sich noch nicht flä­chen­de­ckend durch­set­zen konnte.
  • Durch die hoch­ef­fi­zi­en­te AVIF-Kom­pri­mie­rung ver­rin­gern sich die La­de­zei­ten von Webseiten, die Band­brei­ten in Netz­wer­ken werden geschont und die Da­ten­strö­me bei Video-on-Demand-, Cloud- und Webspace-Anbietern werden reduziert.
  • Viele AVIF-Vorteile weisen über das Netz hinaus. So können auch Bild­ar­chi­ve, Fo­to­gra­fen, Dru­cke­rei­en etc. von der Ent­wick­lung pro­fi­tie­ren und erhalten besser auf­lö­sen­de Bilder, die die zur Verfügung stehenden Res­sour­cen sogar noch entlasten.

Aktuelle Un­ter­stüt­zung von AVIF

In Vergleich zum weit­ver­brei­te­ten JPEG-Format, das es bereits seit Anfang der 1990er Jahre gibt, ist AVIF noch ein sehr junges Da­tei­for­mat für statische Bilder. Die Be­wäh­rungs­pro­be in der Praxis steht dem Neuling also noch bevor. Daher ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, die Zukunft des Bild­for­mats ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren. Die Chancen für eine flä­chen­de­cken­de Durch­set­zung stehen aber derzeit aufgrund der vielen Vorteile aus­ge­spro­chen gut.

Da sich Bild­for­mat und Vi­deo­co­dec noch am Anfang der Ent­wick­lung befinden, wird es höchst­wahr­schein­lich noch weitere Op­ti­mie­run­gen geben, etwa bei der Wie­der­ga­be­qua­li­tät und bei der Reduktion von Da­tei­grö­ßen. Ver­mut­lich wird man auch die Ansprüche an die Hardware mit Code-Op­ti­mie­run­gen noch ver­rin­gern. AVIF ist derzeit bei der Kodierung (Transfer bzw. Kon­ver­tie­rung einer Aus­gangs­da­tei in das AVIF-Format durch einen Al­go­rith­mus) und De­ko­die­rung (Ent­schlüs­se­lung von kodierten Da­tei­in­for­ma­tio­nen, z. B. für eine operative Bild­be­ar­bei­tung oder eine Bild­an­zei­ge am Bild­schirm) noch ähnlich an­spruchs­voll wie HEIF.

Ein wichtiger Vorreiter bei der Anwendung der neuen Technik ist derzeit der Video-on-Demand-Anbieter Netflix. Der Streaming-Spe­zia­list testet das AVIF-Format, um etwa das User Interface der Plattform von SDR auf HDR um­zu­stel­len (z. B. für bessere Vor­schau­bil­der). Geplant ist eine suk­zes­si­ve Ein­füh­rung, bei der AVIF für eine kon­ti­nu­ier­lich steigende Zahl an Inhalten und Platt­for­men verwendet werden soll.

Browser und Be­triebs­sys­te­me freunden sich ebenfalls all­mäh­lich mit der neuen Technik an. Opera (ab Version 71) und Google Chrome (ab Version 85) supporten das Format bereits (native Un­ter­stüt­zung), Apple Safari noch nicht. Bei Mozilla Firefox (ab Version 77) muss noch manuell in der Kon­fi­gu­ra­ti­on des Browsers nach­ge­hol­fen werden. Nachdem das Flag image.AVIF.enabled in about:config (gibt man oben in der Adress­zei­le des Browsers ein) auf true gesetzt wurde, kann Firefox einzelne AVIF-Dateien anzeigen. Microsoft Edge tut sich mit dem neuen Bild­for­mat ebenfalls noch schwer. Da die aktuelle Version (Version 86) die Chromium-Engine von Google nutzt, ist eine AVIF-Un­ter­stüt­zung des Windows-10-Browsers aber wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Windows 10-Nutzer können schon jetzt mit dem neuen Bild­for­mat arbeiten und AVIF-Dateien z. B. im haus­ei­ge­nen Bild­be­trach­ter (Paint) be­trach­ten. Im Store steht die ent­spre­chen­de kos­ten­lo­se AV1 Video Extension zur In­stal­la­ti­on bereit. Die kos­ten­pflich­ti­ge Paint.NET-App hat bereits ein AVIF-File-Type-Plug-in in­te­griert. Windows-Nutzer können dadurch AVIF-Dateien nicht nur öffnen, sondern Bild­da­tei­en auch im AVIF-Format speichern (etwa für die Webseite). Die für alle Be­triebs­sys­te­me ver­füg­ba­re kos­ten­lo­se Bild­be­ar­bei­tungs­soft­ware GIMP un­ter­stützt das AVIF-Format ab Version 2.10.22.

Wenn Sie heute schon AVIF-Bilder in ihre Webseite einbinden möchten, ist das kein Problem. Eine Über­gangs­lö­sung, die AVIF als Al­ter­na­ti­ve zum stan­dard­mä­ßi­gen JPEG in die Webseite einbindet, erfordert nur wenig HTML-Code. Dabei nutzt man das HTML-Tag <picture>. Es dient als Container, der mehrere Bild­quel­len (<sources>) für ein Image (<img>) vorhält. Un­ter­stützt der Browser Bilder im WebP- oder AVIF-Format nicht, wird das unterste Image-Element als so­ge­nann­te Fallback-Option aus­ge­le­sen. Dort können Sie dann eine JPEG-Version des Bildes angeben, die mit Si­cher­heit von allen gängigen Browsern un­ter­stützt wird:

<picture>
    <source srcset="img/meinbild.AVIF" type="image/AVIF">
    <source srcset="img/meinbild.webp" type="image/webp">
    <img src="img/meinbild.jpg" alt="Beschreibung des Fotos">
</picture>
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Fazit – Aus­sichts­rei­cher JPEG-Nach­fol­ger

AVIF bringt ei­gent­lich alle Vor­aus­set­zun­gen mit, um sich flä­chen­de­ckend durch­zu­set­zen und nach JPEG einen neuen Standard im Web zu de­fi­nie­ren. Wenn man noch ver­blie­be­ne tech­ni­sche Hürden (z. B. noch recht langsame und res­sour­cen­fres­sen­de Ko­die­rungs­vor­gän­ge) in den Griff bekommt, kann das mul­ti­funk­tio­na­le Bild­for­mat im engen Verbund mit dem AV1-Vi­deo­co­dec auf lange Zeit Stand- und Be­wegt­bil­der in hoher Qualität zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt ist dies auch ein wichtiger Schritt in Richtung Nach­hal­tig­keit, da AVIF die Energie-, Netzwerk- und Spei­cher­res­sour­cen schont.

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