Die Zukunft mithilfe von ma­the­ma­ti­schen Methoden präzise vor­aus­sa­gen – diese kühne Ambition scheint mit Pre­dic­ti­ve Analytics in greifbare Nähe gerückt zu sein. Bei dieser Methode der Da­ten­ana­ly­se handelt es sich um einen Teil­be­reich der Big-Data-Analyse. Pre­dic­ti­ve Analytics zielen hierbei auf die Vor­her­sa­ge („pre­dic­tion“) von zu­künf­ti­gen Trends in Dis­zi­pli­nen wie Wis­sen­schaft, Marketing, dem Fi­nanz­sek­tor oder dem Ver­si­che­rungs­we­sen.

Das wich­tigs­te Element von Pre­dic­ti­ve oder auch Pre­dic­tion Analytics ist der so­ge­nann­te Prädiktor. Dieser Begriff steht bei­spiels­wei­se für eine Person oder Einheit, die gemessen wird, um ein mögliches zu­künf­ti­ges Verhalten vor­her­zu­sa­gen. Ein konkretes Beispiel wäre etwa eine Ver­si­che­rung, die po­ten­zi­el­le Faktoren für die Ri­si­ko­be­rech­nung eines Fahr­zeug­hal­ters vor­weg­nimmt, indem sie relevante Faktoren wie etwa Fahr­er­fah­rung, Alter und ge­sund­heit­li­che Ver­fas­sung der be­tref­fen­den Person in die Kal­ku­la­ti­on mit­ein­be­zieht. Aus der Summe dieser Faktoren lässt sich durch Pre­dic­ti­ve Analytics die mögliche Un­fall­ge­fähr­dung und folglich die Höhe des Ver­si­che­rungs­bei­trags kal­ku­lie­ren.

Data-Mining – die Grundlage ver­schie­de­ner ana­ly­ti­scher Er­he­bun­gen

In der Tat wird der Begriff Pre­dic­ti­ve Analytics oftmals synonym mit Data-Mining verwendet. Häufig ist es der Fall, dass die Methoden von Data-Mining eine we­sent­li­che Rolle im Fin­dungs­pro­zess von Pre­dic­ti­ve-Analytics-Ansätzen spielen. Pre­dic­ti­ve Analytics prä­zi­siert jedoch die Funk­ti­ons­wei­se von Data-Mining und bezieht weitere Techniken mit ein. So spielen u. a. auch Elemente der Spiel­theo­rie und au­to­ma­ti­sier­tes ma­schi­nel­les Lernen eine wichtige Rolle. Des Weiteren werden bei der Anwendung von Pre­dic­tion Analytics spezielle Ana­ly­se­ver­fah­ren ein­ge­setzt, die auf komplexen Al­go­rith­men basieren, um etwa aus einer scheinbar zu­sam­men­hang­lo­sen Textwüste von Social-Media-Beiträgen oder Blog-Artikeln ein er­kenn­ba­res Muster zu gewinnen.

Fakt

Data-Mining („Daten schürfen“) versucht mithilfe von ma­the­ma­ti­schen und sto­chas­ti­schen Verfahren und Al­go­rith­men inhärente Muster in großen Da­ten­men­gen zu ermitteln. Aus den auf diese Weise ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­sen lassen sich im Idealfall Trends und po­ten­zi­el­le Ent­wick­lun­gen ablesen und an­ti­zi­pie­ren.

Um die Funk­ti­ons­wei­se von Pre­dic­ti­ve Analytics genauer zu verstehen, ist ein Überblick über ge­bräuch­li­che Begriffe der Big-Data-Analyse bzw. des Data-Minings hilfreich:

  • Re­gres­si­ons­ana­ly­se: Wech­sel­wir­kun­gen zwischen diversen ab­hän­gi­gen und un­ab­hän­gi­gen Variablen werden iden­ti­fi­ziert. Bei­spiels­wei­se hängt der Absatz vom Pro­dukt­preis und der Bonität der Kunden ab.
  • Clus­te­ring: Durch die Seg­men­tie­rung von Daten können etwa po­ten­zi­el­le Kunden nach Einkommen oder ähnlichen Faktoren sortiert werden.
  • As­so­zia­ti­ons-Analyse: Ziel ist das Aufzeigen von Struk­tu­ren mit jenen Variablen, die zu iden­ti­schen Er­geb­nis­sen führen. Daraufhin lassen sich Schlüsse über mögliches Kun­den­ver­hal­ten ziehen und im Idealfall zu­künf­ti­ge Käufe pro­gnos­ti­zie­ren. Wenn ein Kunde z. B. an Schuhen in­ter­es­siert ist, könnte er auch ein Schuh­re­gal kaufen wollen.

Die Dif­fe­ren­zie­rung von Pre­dic­ti­ve Analytics

Das Erkennen von Mustern in Da­ten­be­stän­den erinnert ein wenig an die In­ter­pre­ta­ti­ons­leis­tung des mensch­li­chen Gehirns, wenn­gleich Big-Data-Analysen dessen Fä­hig­kei­ten hin­sicht­lich ihrer Kom­ple­xi­tät bei weitem über­stei­gen. Tat­säch­lich gibt es eine Parallele zwischen den an­ge­wand­ten Struk­tu­ren von Data-Mining und den neu­ro­na­len Ver­net­zun­gen des mensch­li­chen Gehirns, da auch das ar­ti­fi­zi­el­le Netzwerk fähig ist, nach einigen Abläufen gewisse Muster zu iden­ti­fi­zie­ren und zu speichern. Folglich lässt sich fest­stel­len, dass Data-Mining struk­tu­rell verwandt ist mit AI (künst­li­cher In­tel­li­genz oder ma­schi­nel­lem Lernen). Hierbei lernen Com­pu­ter­pro­gram­me quasi selb­stän­dig anhand von ein­ge­speis­ten Grund­la­gen und erwerben neue In­for­ma­tio­nen nach den bei­gebrach­ten und wei­ter­ent­wi­ckel­ten Mustern. 

An dieser Stelle besteht ein wichtiger Un­ter­schied zwischen Data-Mining und Pre­dic­tion Analytics. Das kon­ven­tio­nel­le Data-Mining hat meistens zum Ziel, struk­tu­rel­le Muster in vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen und Clustern auf­zu­zei­gen. Der Fokus auf eine quasi au­to­di­dak­ti­sche Neu­ent­wick­lung von Be­rech­nun­gen, die pro­gres­siv über den Da­ten­be­stand hin­aus­füh­ren, ist jedoch eine Ei­gen­schaft des ma­schi­nel­len Lernens – und dies spielt eine ent­schei­den­de Rolle für die Pre­dic­ti­ve-Analytics-De­fi­ni­ti­on. Die bereits be­stehen­den Al­go­rith­men sollen selb­stän­dig aus dem Da­ten­fun­dus kom­bi­nie­ren und neue Schlüsse ziehen, um ei­gen­stän­dig mittels Vor­her­sa­gen bei­spiels­wei­se Kun­den­ver­hal­ten zu pro­gnos­ti­zie­ren. Man be­zeich­net das „Kondensat“ dieser Er­he­bun­gen als Smart Customer Data.

An­wen­dungs­be­rei­che von Pre­dic­ti­ve Analytics

In den ver­schie­dens­ten Branchen hat sich die Ein­be­zie­hung von Pre­dic­ti­ve Analytics bereits bewährt. Neben wis­sen­schaft­li­chen High-Tech-Un­ter­neh­men nutzt bei­spiels­wei­se das Ge­sund­heits­we­sen die Methode zur Vor­aus­sa­ge von Krank­heits­ver­läu­fen. Ein pro­mi­nen­ter An­wen­dungs­be­reich ist auch die En­er­gie­bran­che, wo das in­tel­li­gen­te Stromnetz der Zukunft als „Smart Grid“ tituliert wird. Hierbei kann der Strom­ver­brauch anhand von ge­spei­cher­ten Ver­hal­tens­mus­tern der Kunden (Smart Customer Data) vor­aus­ge­sagt werden, um die benötigte Ein­spei­sung von Wind- und Was­ser­kraft­ener­gie exakt zu re­gu­lie­ren.

Als weiteres Beispiel lässt sich die so­ge­nann­te Pre­dic­ti­ve Main­ten­an­ce her­an­zie­hen. Hierbei werden die aktuellen Daten einer laufenden Maschine ein­ge­speist, um deren zu­künf­ti­ge Be­an­spru­chung und den daraus re­sul­tie­ren­den Ver­schleiß vor­aus­zu­sa­gen. Schwach­stel­len innerhalb der Pro­duk­ti­ons­ket­te können so schnell iden­ti­fi­ziert und aus­ge­bes­sert werden, um bei­spiels­wei­se einen Ge­samt­aus­fall der Pro­duk­ti­on zu ver­hin­dern.

Am besten lässt sich Pre­dic­ti­ve Analytics dann nutzen, wenn ver­schie­dens­te, möglichst um­fang­rei­che und ge­rei­nig­te Da­ten­pa­ke­te zur Verfügung stehen. Alle Da­ten­pa­ke­te werden daraufhin in die Analyse in­te­griert, deren Ergebnis desto präziser ausfällt, je mehr Daten aus den ver­schie­dens­ten Bereichen verfügbar sind. Die meisten Un­ter­neh­men machen sich Synergie-Effekte zunutze, indem sie ihre bereits vor­han­de­ne Business-In­tel­li­gence-Struktur um die Funk­tio­nen von Pre­dic­ti­ve Analytics erweitern. Zu den be­lieb­tes­ten Tools zur Anwendung von Pre­dic­ti­ve Analytics gehören:

  • Alpine Data Labs
  • Alteryx
  • Angoss Know­led­ge­STU­DIO
  • BIRT Analytics
  • IBM SPSS Sta­tis­tics and IBM SPSS Modeler
  • KXEN Modeler
  • Ma­the­ma­ti­ca
  • MATLAB

Als nächster Schritt in der Da­ten­ana­ly­se lässt sich Pre­scrip­ti­ve Analytics de­fi­nie­ren. Diese Methode setzt da an, wo Pre­dic­ti­ve Analytics an seine Grenzen stößt: Man versucht Vorgaben zum Handeln abzulesen, um den weiteren Verlauf eines Trends gezielt zu lenken. An­ge­streb­te Szenarien sind so u. U. leichter zu rea­li­sie­ren und ein bis­he­ri­ger Verlauf in eine andere Richtung zu na­vi­gie­ren. Dieses Vorgehen wird er­mög­licht durch ana­ly­ti­sche Struk­tu­ren auf der Basis von komplexen Modellen und sto­chas­ti­schen MC-Si­mu­la­tio­nen. Wie bei Pre­dic­ti­ve Analytics gilt auch hier: Je mehr bekannte und ver­läss­li­che Variablen man in diese Modelle im­ple­men­tiert, desto treff­si­che­rer sind die Er­geb­nis­se.

Es gibt unzählige Beispiele für die Anwendung und das Funk­tio­nie­ren von Pre­dic­ti­ve Analytics. Die Methode steht und fällt mit der Menge und Qualität der ein­ge­pfleg­ten Daten. Dennoch werden die an­ge­wen­de­ten Al­go­rith­men immer fein­ma­schi­ger, wodurch sich auch die Vor­her­sa­gen immer präziser gestalten lassen. Von dieser Ent­wick­lung pro­fi­tie­ren auch die Pre­scrip­ti­ve Analytics als nächster Schritt in der Da­ten­ana­ly­se.

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