At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le sind ein In­stru­ment des On­line­mar­ke­tings, das es er­mög­licht, aus bis­he­ri­gen Er­geb­nis­sen sowohl Prognosen als auch Emp­feh­lun­gen für künftige Mar­ke­ting­maß­nah­men ab­zu­lei­ten. Dabei verfolgt das Prinzip der At­tri­bu­ti­on den Ansatz, Con­ver­si­ons oder Umsätze be­stimm­ten Kanälen bzw. Größen des gesamten Con­ver­si­on-/Ver­kaufs­pro­zes­ses zu­zu­ord­nen, um deren konkreten Wert für das Marketing zu ermitteln.

Das richtige At­tri­bu­ti­ons­mo­dell soll letztlich dazu beitragen, dass das Marketing-Budgets best­mög­lich auf­ge­teilt wird und der Return on In­vest­ment (ROI) steigt. Wie genau das funk­tio­niert und wie sich die ver­schie­de­nen Modelle von­ein­an­der un­ter­schei­den, erfahren Sie in den folgenden Ab­schnit­ten.

Was ist ein At­tri­bu­ti­ons­mo­dell?

Die meisten Un­ter­neh­men setzen auf einen bunten Marketing-Mix aus E-Mail-Marketing, SEA (Such­ma­schi­nen­wer­bung), SEO| (Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung), Affiliate-Marketing und Social Media. Ab­ge­stimmt auf die Ziel­grup­pe setzt man Schwer­punk­te und teilt dem­entspre­chend das Budget auf. Klar ist, dass man als Marketer aus jedem Kanal möglichst viel her­aus­ho­len möchte – die At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung soll genau das er­leich­tern: Neben der Customer Journey als Ge­samt­bild lassen sich mithilfe von At­tri­bu­ti­ons­mo­del­len nämlich auch die ver­schie­de­nen Kon­takt­punk­te („Touch­points“), an denen der Kunde mit der Marke in Kontakt kommt, erfassen und ana­ly­sie­ren. Im besten Fall gewinnt man dadurch Er­kennt­nis­se darüber, welche Touch­points aus­schlag­ge­bend für die Kauf­ent­schei­dung waren und welchen Anteil am Umsatz die einzelnen Maßnahmen hatten.

Hinweis

Die Touch­points einer Customer Journey un­ter­schei­den sich von Marke zu Marke, aber auch von Kampagne zu Kampagne. Eine Customer Journey mit den Kon­takt­punk­ten Social-Media-Marketing, Re­tar­ge­ting bzw. Display-Ad­ver­ti­sing und SEO bzw. AdWords (SEA) wäre in folgendem Beispiel gegeben:

Ein Nutzer …

  • wird durch einen Sponsored Post im Social Net auf ein Produkt auf­merk­sam,
  • erhält dann durch Re­tar­ge­ting einige Zeit später eine Anzeige zu­ge­spielt,
  • sucht danach gezielt auf Google nach Anbieter und Produkt,
  • gelangt über die or­ga­ni­schen Treffer oder eine Anzeige in den Shop, wo er schließ­lich ein Produkt kauft und zum Kunden wird. (Con­ver­si­on).

Welche Arten von At­tri­bu­ti­ons­mo­del­len gibt es?

Je nach At­tri­bu­ti­ons­mo­dell weist man den ver­schie­de­nen Kon­takt­punk­ten un­ter­schied­li­che Werte zu. Die Modelle helfen dabei, fest­zu­stel­len, welche Kanäle die wich­tigs­ten und zu prio­ri­sie­ren sind.

Jedem Kanal wird abhängig von seinem Er­folgs­an­teil ein monetärer Wert zu­ge­wie­sen. Die Ge­wich­tung bestimmt dann die Auf­tei­lung des Marketing-Budgets. Nach­fol­gend einige At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le aus der gängigen Marketing-Praxis:

First-Click-At­tri­bu­ti­on (Erste In­ter­ak­ti­on)

Bei diesem klas­si­schen At­tri­bu­ti­ons­mo­dell ordnet man dem ersten Klick (First Click) bzw. dem ersten Channel, mit dem der Kunde in­ter­agiert hat, 100 Prozent des Con­ver­si­on-Werts zu.

  • Pro: Bestens geeignet für Kampagnen, die das Ziel verfolgen, eine Marke oder ein Produkt bekannter zu machen
  • Contra: Bietet kaum Spielraum für Op­ti­mie­run­gen und nur wenig Er­kennt­nis über die Aus­wir­kung auf Con­ver­si­ons und den Umsatz; lässt alle anderen Kanäle und Wer­be­mit­tel außer Acht

Last-Click-At­tri­bu­ti­on (Letzte In­ter­ak­ti­on)

Hierbei wertet man den letzten Klick (Last Click) bzw. den letzten Channel als den wich­tigs­ten Kon­takt­punkt und ordnet ihm 100 Prozent des gesamten Con­ver­si­on-Werts zu.

  • Pro: Nütz­li­ches Werkzeug für Marketer, die aus­schließ­lich auf Con­ver­si­ons aus sind und daher nicht-kon­ver­tie­ren­den Aktionen keine Be­rück­sich­ti­gung schenken müssen
  • Contra: Ignoriert sämtliche Einflüsse anderer Kanäle und Wer­be­mit­tel auf der Customer Journey, die vor der Con­ver­si­on zum Einsatz kommen

Lineare At­tri­bu­ti­on

Beim linearen At­tri­bu­ti­ons­mo­dell wird der Anteil an der Con­ver­si­on und am Umsatz gleich­mä­ßig allen Kanälen der Customer Journey zu­ge­wie­sen.

  • Pro: Der ein­fachs­te Weg, Mar­ke­ting­kam­pa­gnen mit Mul­tich­an­nel-Ansatz zu ana­ly­sie­ren; optimal geeignet für die Op­ti­mie­rung der gesamten Customer Journey
  • Contra: Allen Touch­points wird exakt die gleiche Wer­tig­keit zu­ge­ord­net, auch wenn ihr Anteil an der Con­ver­si­on mög­li­cher­wei­se sehr un­ter­schied­lich ist. Mög­lich­keit, gezielt bestimmte Bereiche zu op­ti­mie­ren, ist kaum gegeben

Time-Decay-At­tri­bu­ti­on (Zeit­ver­lauf)

Beim Time-Decay-Modell, das auf dem Konzept der ex­po­nen­ti­el­len Abnahme basiert, bestimmt die zeitliche Ab­hän­gig­keit den Wert des Kanals. Je näher ein Kanal bzw. ein Kon­takt­punkt zeitlich an der Con­ver­si­on liegt, desto höher ist sein monetärer Anteil. Die Halb­werts­zeit bemisst dabei ty­pi­scher­wei­se sieben Tage – ein Touch­point sieben Tage vor der Con­ver­si­on erhält also die Hälfte des Werts, den ein Be­rüh­rungs­punkt am Tag der Con­ver­si­on selbst erhält.

  • Pro: Erfasst die Bedeutung jeder In­ter­ak­ti­on auf der Cusomter Journey, gewichtet aber stärker jene Touch­points, die die Con­ver­si­on tat­säch­lich vor­an­ge­trie­ben haben
  • Contra: Zu stark auf die Con­ver­si­on-Op­ti­mie­rung zu­ge­schnit­ten; ein­fluss­rei­che Touch­points am Anfang der Customer Journey erhalten sehr wenig Auf­merk­sam­keit, wenn der Ver­kaufs­zy­klus eine lange Ent­schei­dungs­pha­se umfasst

Position-Based-At­tri­bu­ti­on (po­si­ti­ons­ba­sier­tes Modell)

Bei diesem At­tri­bu­ti­ons­mo­dell, das eine Mischung aus First- und Last-Click-At­tri­bu­ti­on darstellt und häufig auch Ba­de­wan­nen- oder U-Modell genannt wird, bewertet man den ersten und letzten Kon­takt­punkt höher als die anderen. Man schreibt sowohl dem Beginn als auch dem Ende des Kauf­pro­zes­ses fixe monetäre Anteile zu (stan­dard­mä­ßig je 40 Prozent). Die Zwi­schen­stu­fen teilen sich den Rest des Con­ver­si­on-Werts.

  • Pro: Stellt sicher, dass alle Touch­points Beachtung finden, setzt den Fokus dabei aber auf die Op­ti­mie­rung der ersten und letzten In­ter­ak­ti­on; Ge­wich­tung lässt sich in­di­vi­du­ell anpassen
  • Contra: Birgt das Risiko, dass zwei ei­gent­lich sehr nied­rig­wer­ti­ge Be­rüh­rungs­punk­te zu stark gewertet werden

Data-Driven-At­tri­bu­ti­on (da­ten­ge­trie­be­nes Modell)

Da­ten­ge­trie­be­ne At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le sollen das Verhalten von Kunden so exakt und de­tail­liert wie möglich abbilden. Zu diesem Zweck ver­ar­bei­ten in­tel­li­gen­te Al­go­rith­men die ge­sam­mel­ten Kun­den­da­ten in Echtzeit, um auf deren Basis die Wer­tig­keit der einzelnen Touch­points zu bestimmen und re­gel­mä­ßig an­zu­pas­sen.

  • Pro: Sehr dy­na­mi­sches Modell, das sämtliche Ent­wick­lun­gen in der Customer Journey mit­ein­be­zieht und die Ge­wich­tun­gen der einzelnen In­ter­ak­tio­nen re­gel­mä­ßig anpasst
  • Contra: Setzt einen sehr großen Da­ten­be­stand voraus; keine wirkliche Kontrolle über die Hier­ar­chie der Touch­points
Hinweis

Sie können für Ihr Un­ter­neh­men natürlich auch ein eigenes Modell de­fi­nie­ren, das speziell an Ihre Un­ter­neh­mens- bzw. Kam­pa­gnen­zie­le angepasst ist und nicht per Al­go­rith­mus gesteuert wird. Bei dieser Custom-At­tri­bu­ti­on legen Sie die Ge­wich­tung der einzelnen Kanäle in­di­vi­du­ell fest – nach un­ter­schied­li­chen Faktoren wie Position, zeit­li­cher Ab­hän­gig­keit oder vor­han­de­nem Traffic. Außerdem kann man un­ter­schied­li­che At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le für ver­schie­de­ne Kun­den­grup­pen (Neukunden vs. Be­stands­kun­den) oder Pro­dukt­grup­pen de­fi­nie­ren.

At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung: Beispiel für die Anwendung der Modelle

Die vor­an­ste­hen­den Ab­schnit­te haben erklärt, was At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung ist und welche Arten von Modellen es gibt. Doch wie lassen sie sich in der Praxis zur Marketing- bzw. Kampagnen-Op­ti­mie­rung einsetzen? Um diese Frage zu be­ant­wor­ten, sollen die zuvor vor­ge­stell­ten At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le auf das folgende Beispiel-Szenario an­ge­wen­det werden, in dem die vom Nutzer ein­ge­ge­be­nen Such­be­grif­fe die erfassten Touch­points dar­stel­len:

Der Ei­gen­tü­mer des Hotels "Linda" in Berlin un­ter­sucht die Customer Journey eines Kunden anhand der Such­be­grif­fe, die dieser auf dem Weg zur Buchung gewählt hat. Die Such­his­to­rie sieht dabei fol­gen­der­ma­ßen aus:

  • "über­nach­tung berlin"
  • "hotel berlin"
  • "4 sterne hotel berlin"
  • "4 sterne hotel berlin linda"

Die Re­ser­vie­rung hat der Kunde vor­ge­nom­men, nachdem er die Anzeige geklickt hat, die ihm nach der letzten Such­an­fra­ge "4 sterne hotel berlin linda" aus­ge­spielt wurde.

In den einzelnen At­tri­bu­ti­ons­mo­del­len sieht die jeweilige Ge­wich­tung der vier Keywords fol­gen­der­ma­ßen aus:

  • First-Click-At­tri­bu­ti­on: Die erste In­ter­ak­ti­on ist das ent­schei­den­de Kriterium, weshalb die Con­ver­si­on zu 100 Prozent dem ersten Keyword „über­nach­tung berlin“ zu­ge­schrie­ben wird.
  • Last-Click-At­tri­bu­ti­on: Die letzte In­ter­ak­ti­on ist das aus­schlag­ge­ben­de Kriterium, weshalb das letzte Keyword „4 sterne hotel berlin linda“ 100 Prozent des Con­ver­si­on-Werts erhält.
  • Lineare At­tri­bu­ti­on: Alle vier Keywords haben exakt den gleichen Anteil – also 25 Prozent – an der Con­ver­si­on.
  • Time-Decay-At­tri­bu­ti­on: Die Ge­wich­tung der vier Keywords nimmt in Rei­hen­fol­ge ihrer Eingabe zu. Während „über­nach­tung berlin“ also kaum Anteil an der Con­ver­si­on hat, spricht das Time-Decay-Modell der letzten Such­phra­se „4 sterne hotel berlin linda“ den haupt­säch­li­chen Anteil zu.
  • Position-Based-At­tri­bu­ti­on: Wählt man den Stan­dard­satz für das po­si­ti­ons­ba­sier­te Modell, geht die Con­ver­si­on zu jeweils 40 Prozent auf „über­nach­tung berlin“ und „4 sterne hotel berlin linda“ zurück. „hotel berlin“ und „4 sterne hotel berlin“ sind hingegen mit jeweils 10 Prozent an der Con­ver­si­on beteiligt.
  • Data-Driven-At­tri­bu­ti­on: Da die Ver­tei­lun­gen in diesem At­tri­bu­ti­ons­mo­dell in­di­vi­du­ell erstellt werden und sich stetig ändern können, lassen sich an dieser Stelle keine konkreten bzw. re­le­van­ten Werte nennen.
Hinweis

At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung auf Basis von Keywords wie im hier auf­ge­führ­ten Beispiel ist mit Google Ads stan­dard­mä­ßig möglich: Wenn Sie also Werbung mit dem An­zei­gen­ser­vice von Google schalten, benötigen Sie keine zu­sätz­li­chen Tools um die genannten Modelle auf Ihre Kampagnen an­zu­wen­den. Eine Ausnahme stellen In­ter­ak­tio­nen mit Dis­play­netz­werk-Anzeigen dar, für die At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le nicht zur Verfügung stehen.

Welche Vorteile bieten At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le?

Viele Marketer kon­zen­trie­ren sich bei der Analyse der eigenen Kampagnen auf den letzten Klick bzw. die letzte In­ter­ak­ti­on der Kunden. Die zuvor pas­sier­ten Kanäle und während der Customer Journey aus­ge­führ­ten Aktionen und deren Einfluss auf die Con­ver­si­ons werden daher bei der Be­ur­tei­lung oft nicht aus­rei­chend gewürdigt. At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung bietet einen eleganten Weg aus dieser Ein­di­men­sio­na­li­tät und hat unter anderem folgende Vorteile:

  • At­tri­bu­ti­ons­mo­del­lie­rung gewährt tiefere Einblicke in die einzelnen Stationen der Customer Journey, als es viele tra­di­tio­nel­le Ana­ly­se­for­men tun.
  • At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le er­mög­li­chen die Op­ti­mie­rung der gesamten Customer Journey von der ersten bis zur letzten In­ter­ak­ti­on.
  • At­tri­bu­ti­ons­mo­del­le decken die gesamte Palette an Mög­lich­kei­ten zwischen manuell vor­ge­ge­be­ner und stark au­to­ma­ti­sier­ter Kampagnen-Be­ob­ach­tung und -Op­ti­mie­rung ab.
  • At­tri­bu­ti­on hilft lang­fris­tig dabei, das ver­füg­ba­re Budget optimal zu verteilen bzw. vorrangig in die leis­tungs­stärks­ten Marketing-Kanäle zu in­ves­tie­ren.
  • Die Mo­del­lie­rung er­mög­licht eine hohe Ge­nau­ig­keit der Daten und eine Mi­ni­mie­rung von Stör­fak­to­ren wie Cookie-Dropping (ein­ge­schleus­te Affiliate-Cookies ohne Wer­be­leis­tung) dank Mul­tich­an­nel-Tracking.
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