„Content“ bedeutet wort­wört­lich Inhalt. Doch Inhalt ist nicht gleich Inhalt; er soll hoch­wer­tig, ein­zig­ar­tig und auf die Ziel­grup­pe zu­ge­schnit­ten sein. Denn der Grund­ge­dan­ke beim Content-Marketing ist, den Nutzern (und damit den po­ten­zi­el­len Kunden) In­for­ma­ti­on und Un­ter­hal­tung zu bieten.

Der Content-Marketing-Ansatz gilt als Ge­gen­ent­wurf zur klas­si­schen Werbung, die dem Nutzer Produkte und Un­ter­neh­men direkt anpreist und verkaufen will. Der Content-Marketer geht den in­di­rek­ten Weg, auch Inbound-Marketing genannt. Er schafft durch wertvolle In­for­ma­tio­nen Vertrauen, po­si­tio­niert sich durch gute und hilf­rei­che Inhalte als Experten und sorgt damit nach­hal­tig für Kun­den­bin­dung. Denn bevor der Kunde eine Kauf­ent­schei­dung trifft, will er sich zunächst in­for­mie­ren, Er­fah­run­gen aus­tau­schen und Angebote mit­ein­an­der ver­glei­chen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on, besonders über ver­schie­de­ne Social-Media-Kanäle, spielt dabei eine zentrale Rolle.

In 8 Schritten zur Content-Strategie

Re­le­van­ter und hoch­wer­ti­ger Content entsteht nicht ohne durch­dach­te Planung, das wissen die meisten Un­ter­neh­men. Dennoch ver­nach­läs­si­gen viele das Thema Content-Marketing-Strategie. Dabei muss ein dau­er­haf­tes und nach­hal­tig er­folg­rei­ches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept gut geplant werden. Beim Content-Marketing geht es eben nicht nur um das reine Erstellen von Texten – dahinter stecken lang­fris­ti­ge Über­le­gun­gen zu Themen, Inhalten, Dis­tri­bu­ti­ons­we­gen und vielen weiteren Faktoren. Wir stellen Ihnen die Grund­schrit­te vor, die jedem Un­ter­neh­men be­vor­ste­hen, das eine Content-Strategie ent­wi­ckeln will.

1. Mar­ken­po­si­tio­nie­rung & Content-Marketing-Ziele

Allen weiteren Maßnahmen voran definiert man die Marketing- und Ver­triebs­zie­le, die man mit der Content-Strategie verfolgen möchte. Alle Ab­tei­lun­gen im Un­ter­neh­men sollten dieselben Ziele verfolgen – Marketing und Vertrieb gehen hier Hand in Hand. Basis hierfür ist die Mar­ken­po­si­tio­nie­rung. Jeder Marketer sollte sich fragen:

  • Wofür steht das Un­ter­neh­men?
  • Wo liegt der USP?
  • Was macht die Marke ein­zig­ar­tig?
  • Welcher Mehrwert besteht für die Kunden?

Die Mar­ken­po­si­tio­nie­rung ist wiederum die Grundlage, um die Un­ter­neh­mens­zie­le zu de­fi­nie­ren. Die Mög­lich­kei­ten sind viel­fäl­tig. Der Fokus könnte z. B. darauf liegen, Trans­pa­renz und Trust schaffen. Andere versuchen ihre Ziel­grup­pe zu erweitern. Ziele sollten immer messbar sein – die gängigen On­line­mar­ke­ting-Kenn­zah­len bieten sich an. Hat man genaue KPIs (Key Per­for­mance In­di­ca­tors) definiert, die man ver­bes­sern möchte, ist ein Fort­schritt später am besten nach­voll­zieh­bar. Ob die Stei­ge­rung von Con­ver­si­ons, Clicks oder Leads, man legt seine Ziele zu Beginn fest, um sich im Laufe des weiteren Prozesses immer wieder darauf zu berufen. Klas­si­sche Content-Marketing-Ziele sind:

  • Branding (Eta­blie­rung der Marke)
  • Ver­lin­kung (Stärkung des Backlink-Profils)
  • Stei­ge­rung des Be­kannt­heits­grads
  • Con­ver­si­ons

2. Ziel­grup­pe

Eng verknüpft mit der Mar­ken­po­si­tio­nie­rung und den Content-Marketing-Zielen ist die De­fi­ni­ti­on der Ziel­grup­pe, die man mit seinen Content-Maßnahmen erreichen möchte. Die Ziel­grup­pe darf nicht nur grob nach so­zio­de­mo­gra­fi­schen Daten definiert werden, vielmehr sollte man den in­di­vi­du­el­len Nutzer als po­ten­zi­el­len Dia­log­part­ner be­trach­ten. Marketing-Experten sprechen von so­ge­nann­ten Personas, fiktiven Bei­spiel­per­so­nen, deren Ei­gen­schaf­ten auf real erhobenen Daten beruhen. Diese Buyer Personas stehen re­prä­sen­ta­tiv für Ihre po­ten­zi­el­len Leser, an die der Content angepasst werden muss.

Die ent­spre­chen­den Daten lassen sich aus Analyse-Tools wie Google Analytics gewinnen. Im Social Web liegen ebenfalls wertvolle In­for­ma­tio­nen. Durch so­ge­nann­tes Social Listening erfährt man mehr über die Ei­gen­schaf­ten und In­ter­es­sen der Ziel­grup­pe. Relevante Fragen sind:

  • Welche Inhalte teilt die Ziel­grup­pe?
  • Wo verbringt sie die meiste Zeit?
  • Wie erreiche ich sie am besten?

Nach einer aus­führ­li­chen Analyse weiß man im Idealfall nicht nur, wer die Ziel­grup­pe ist, sondern auch wo und wie man sie am besten erreicht. Im nächsten Schritt wertet man mit diesem Wissen die eigenen Inhalte aus.

3. Content Inventory & Audit

Vor der Aus­wer­tung der Inhalte erfolgt zunächst eine Inventur des bereits be­stehen­den Contents. Durch diese so­ge­nann­te Content Inventory (dt. „Inhalts-Inventur“) erhält man eine struk­tu­rier­te Übersicht. Beim Content Audit prüft man die Qualität der erfassten Texte. Bei der Bewertung des Ist-Zustands un­ter­schei­det man in der Regel zwischen:

  • hoch­wer­ti­gem Inhalt, den man behält
  • ver­al­te­ten oder über­flüs­si­gen Inhalten, die aus der Planung fallen
  • po­ten­zi­ell gutem Content, den man optimiert

Über die Kom­men­ta­re und Klicks in den sozialen Netz­wer­ken (den so­ge­nann­ten Social Buzz) ermittelt man, welche Inhalte bisher besonders gut funk­tio­nie­ren und nimmt diese als Ori­en­tie­rung. Wenn man den Status quo der bereits ver­öf­fent­lich­ten Inhalte prüft und bewertet, um den Bedarf an neuem und zu op­ti­mie­ren­den Content zu ermitteln, erspart man sich später unnötige Mehr­ar­beit.

4. The­men­fin­dung & Recherche

Mit der Mark­po­si­tio­nie­rung und dem Content Audit hat man Er­kennt­nis­se darüber gewonnen, welche Themen das Un­ter­neh­men er­folg­reich mit mehr­wer­ti­gen Inhalten bedienen kann. Im Zuge der The­men­fin­dung und Recherche sollte man sich als nächsten Schritt das Umfeld der Marke, der Produkte und des Un­ter­neh­mens vornehmen, um weitere relevante Themen zu iden­ti­fi­zie­ren. Ein wichtiger An­halts­punkt ist das Such­ver­hal­ten der po­ten­zi­el­len Ziel­grup­pe.

Mithilfe von Google Analytics startet man eine Keyword-Recherche. Aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen dazu finden Sie in unserem da­zu­ge­hö­ri­gen Ratgeber. Die Keyword-Recherche ist ein hand­fes­ter An­halts­punkt für die möglichen The­men­be­rei­che der Content-Strategie.

Andere Quellen, aus denen man In­spi­ra­ti­on für die The­men­fin­dung ziehen kann:

  • Social Media
  • Fach­zeit­schrif­ten
  • RSS-Feeds
  • News-Alerts
  • interne Themen

5. Wett­be­wer­ber ana­ly­sie­ren

Ein äußerst wert­vol­ler An­halts­punkt in vielen Bereichen sind die Erfolge und Miss­erfol­ge der Kon­kur­renz. Ein Blick auf die Mit­be­wer­ber lohnt sich auch zur Content-Planung. Hierbei hält man Ausschau im Bran­chen­um­feld und stellt fest, welches Un­ter­neh­men ähnliche The­men­ge­bie­te besetzt. Dann klärt man folgende Fragen:

  • Welche Formate nutzt der Wett­be­wer­ber?
  • Über welche Kanäle bekommt er Zuspruch?
  • Welche Content-Marketing-Strategie lässt sich erkennen?

Man erhält wertvolle In­for­ma­tio­nen über die Markt­si­tua­ti­on und versucht auf diesem Weg eine freie Nische zu iden­ti­fi­zie­ren – sowohl the­ma­tisch als auch was den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal betrifft. Mit neuen, frischen Themen und in­no­va­ti­ven Formaten schafft man es, sich von den Mit­be­wer­bern abzuheben.

Die wich­tigs­te Vorarbeit ist geleistet – jetzt muss man die ver­schie­de­nen Er­geb­nis­se ab­glei­chen. Man weiß, wonach Nutzer suchen und was die Kon­kur­renz bisher zur Verfügung stellt. Daneben hat man Themen iden­ti­fi­ziert, die man als Un­ter­neh­men besetzen kann. Diese müssen zur Mar­ken­po­si­tio­nie­rung passen, nur so entsteht glaub­wür­di­ger Content. Auch auf das lang­fris­ti­ge Potenzial der Themen kommt es an: Es sollte gesichert sein, dass sie re­gel­mä­ßig und nach­hal­tig guten Content liefern.

6. Re­dak­ti­ons­plan

Im Re­dak­ti­ons­plan fließen alle Über­le­gun­gen aus dem letzten Schritt zusammen. Hierin liegt für Marketer oft die größte Her­aus­for­de­rung, denn In­for­ma­tio­nen und Er­kennt­nis­se aus vielen un­ter­schied­li­chen Quellen spielen mit hinein. Dazu gehört neben weiteren Keyword-Analysen und struk­tu­rier­ten Re­cher­chen auch die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Trends und In­flu­en­zern. Worüber dis­ku­tiert man in der Ziel­grup­pe? Was bewegt die Buyer Persona? Diese Fragen spielen auch eine zentrale Rolle bei der Wahl der richtigen Content-Formate, denn diese müssen ebenso der Ziel­grup­pe gerecht werden. Die Mög­lich­kei­ten sind je nach Un­ter­neh­men, Ziel­set­zung und vor allem Ziel­grup­pe riesig – von Hin­ter­grund­ar­ti­keln über Ratgeber und How-to-An­lei­tun­gen bis zu Video-Tutorials oder Bild­stre­cken.

Alle Schritte, die in die Content-Planung und letzt­end­lich den Re­dak­ti­ons­plan ein­flie­ßen:

  • Content Audit
  • Keyword-Analysen
  • Wett­be­wer­ber-Analyse
  • Social Signals / Social Buzz
  • Trends und Strö­mun­gen

7. Content-Pro­duk­ti­on & -Ver­öf­fent­li­chung

Die Pla­nungs­pha­se ist soweit ab­ge­schlos­sen, es geht an die Content-Pro­duk­ti­on und -Dis­tri­bu­ti­on. Die Her­aus­for­de­rung für viele Un­ter­neh­men ist, viele Inhalte in hoher Qualität zu pro­du­zie­ren – und dabei den Zeitplan ein­zu­hal­ten. Dazu sollten die möglichen Res­sour­cen geklärt werden. Unter Umständen greift man auf externe Hilfe zurück. Nicht nur bei Texten, auch bei mul­ti­me­dia­len Inhalten ist es oftmals sinnvoll, Teil­auf­ga­ben an Dienst­leis­ter oder Agenturen zu über­tra­gen.

Schließ­lich muss der Content vielen An­sprü­chen genügen:

  • ein­zig­ar­tig („unique“)
  • an die Ziel­grup­pe angepasst
  • möglichst un­ter­halt­sam und in­for­ma­tiv zugleich
  • nut­zer­freund­lich, über­sicht­lich und feh­ler­frei
  • für die Such­ma­schi­ne optimiert

Gerade letzter Punkt ist für den Erfolg der Content-Marketing-Strategie extrem wichtig, da die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung und das Content-Marketing eng mit­ein­an­der verknüpft sind (s. u.).

Nun fehlt noch die Ver­öf­fent­li­chung und Streuung der Inhalte. Je nach Ziel­grup­pe bzw. Buyer Persona wählt man hierzu die passenden Kanäle und passt den Content dem­entspre­chend an. Viele Faktoren spielen hier zusammen, vor allem auch seit das Social Net eine zentrale Rolle in der Ver­öf­fent­li­chungs­ket­te an­ge­nom­men hat. Mitt­ler­wei­le weiß jeder, was ein so­ge­nann­ter Shitstorm ist. Community-Ma­nage­ment und Kri­sen­ma­nage­ment sind wichtig und werden im Zuge der Dis­tri­bu­ti­on ko­or­di­niert. Mehr zum Thema Social-Media-Ma­nage­ment und den ver­schie­de­nen Kanälen im Social Net finden Sie bei uns im Ratgeber in dem Artikel "Er­folg­rei­ches Social-Media-Marketing".

8. Con­trol­ling

Mit der re­gel­mä­ßi­gen Ver­öf­fent­li­chung von frischem Content ist die Strategie nicht ab­ge­schlos­sen. Denn auch die kon­ti­nu­ier­li­che Kontrolle der fest­ge­leg­ten Content-Marketing-Ziele gehört dazu. Nur wer den Erfolg seiner Maßnahmen überprüft, kann sie op­ti­mie­ren. Das Mo­ni­to­ring der Content-Strategie erfolgt anhand der de­fi­nier­ten KPIs. Mithilfe von kon­se­quen­tem Con­trol­ling passt man seine Strategie nach und nach an. Der erstellte Plan ist kei­nes­wegs statisch, er wird stets an aktuelle Ver­än­de­run­gen und wech­seln­de Be­dürf­nis­se angepasst. Dabei fo­kus­siert man als Marketer immer die Ziel­grup­pe und verliert gleich­zei­tig die Un­ter­neh­mens­zie­le nicht aus den Augen.

Exkurs: Content und SEO

Die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung (SEO) und das Content-Marketing sind eng mit­ein­an­der verknüpft. Wer seine Website für die Such­ma­schi­ne optimiert, hat das Ziel, in den Rankings von Google und Co. möglichst weit vorne zu stehen. Neben vielen tech­ni­schen und struk­tu­rel­len An­for­de­run­gen ist der Content einer Seite besonders aus­schlag­ge­bend für das Ranking. Ein wichtiger Aspekt beim Thema Content sind Keywords. Früher bestand SEO-Arbeit zum Teil darin, möglichst viele Keywords in Web­sei­ten­tex­ten un­ter­zu­brin­gen. Darunter litten Text­qua­li­tät und Lesefluss; die Texte wurden einzig für die Such­ma­schi­ne, nicht für den Leser ge­schrie­ben. Mitt­ler­wei­le funk­tio­nie­ren Praktiken wie das so­ge­nann­te Keyword-Stuffing nicht mehr. Wer bei Google an Platz 1 stehen möchte, braucht qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge und the­men­re­le­van­te Texte. Der Website-Content muss aus­rei­chend lang und qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig sein. Eine gewisse Keyword-Dichte ist von Vorteil, doch der Einsatz sollte auf na­tür­li­che Weise erfolgen, z. B. sollten auch Begriffe aus dem se­man­ti­schen Umfeld der Keywords verwendet werden. Hoch­wer­ti­ger Content bildet außerdem die Grundlage für weitere wichtige SEO-Faktoren. Ist ein Artikel ent­spre­chend gut platziert, wird er oft geklickt, gelesen und geteilt. Diese Signale erhöhen die Chance auf ein gutes Ranking bei den Such­ma­schi­nen – und sie beginnen mit der richtigen Content-Strategie.

Content-Strategie: Aufwendig, aber un­ver­zicht­bar

Die Content-Marketing-Strategie stellt die Kö­nigs­klas­se der Pro­jekt­pla­nung dar. Sie ist zeit­auf­wen­dig, aber auch un­aus­weich­lich, wenn man mit seinen Inhalten ziel­füh­rend zum Un­ter­neh­mens­er­folg beitragen will. Wer re­gel­mä­ßi­ges Con­trol­ling und Mo­ni­to­ring betreibt, kann diesen Erfolg auch messen. Eine Content-Strategie zu ent­wi­ckeln ist dabei kein ab­ge­schlos­se­ner Prozess, das End­pro­dukt ist nie perfekt. Die einzelnen Prozesse müssen sich ständig ent­wi­ckeln und wachsen. Dabei sollte man immer die wich­tigs­ten Faktoren im Blick behalten: die Ziel­set­zung für den Un­ter­neh­mens­er­folg, die Mar­ken­po­si­tio­nie­rung und immer wieder die Ziel­grup­pe.

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