Gender Marketing – also die Auf­tei­lung von Ziel­grup­pen in Männer und Frauen – muss heut­zu­ta­ge ganz anders gedacht werden. Wer seine Mar­ke­ting­stra­te­gie auf über­hol­ten Rol­len­kli­schees aufbaut, wird zwar wenig Erfolg damit haben, aber si­cher­lich reichlich Kritik ernten. Dennoch kann man Gender-Marketing er­folg­reich betreiben, wenn man In­di­vi­dua­li­tät und Di­ver­si­tät bedenkt.

„Gender“ ist das englische Wort für Ge­schlecht. Al­ler­dings ist damit nicht das bio­lo­gi­sche Ge­schlecht gemeint. Denn anders als im Deutschen gibt es im Eng­li­schen zwei un­ter­schied­li­che Begriffe zur Be­zeich­nung des Ge­schlechts: Zum einen den Begriff „Sex“ als Be­zeich­nung für das bio­lo­gi­sche Ge­schlecht und zum anderen „Gender“, das so­zio­kul­tu­rel­le Ge­schlecht. Der Begriff „Gender“ be­schreibt also die durch Ge­sell­schaft und Kultur geprägten, un­ter­schied­li­chen Ge­schlech­ter­rol­len und ge­schlechts­ty­pi­schen Ver­hal­tens­wei­sen von Frauen und Männern. Es geht also vor allem darum, welche typischen Ei­gen­schaf­ten Männern und Frauen zu­ge­ord­net werden.

Was Frauen und Männer hin­sicht­lich ihrer Ge­dan­ken­mus­ter und Ver­hal­tens­wei­sen un­ter­schei­det, wird innerhalb der so­ge­nann­ten Gender Studies bzw. Ge­schlech­ter­for­schung un­ter­sucht. Überall dort, wo sie an Bereiche der So­zio­lo­gie oder Psy­cho­lo­gie anknüpft, liefert die Gender-Forschung auch in­ter­es­san­te Er­kennt­nis­se für das Marketing. Viele Marketing-Stra­te­gien be­inhal­ten daher in­zwi­schen auch das so­ge­nann­te Gender-Marketing, bei dem die Wer­be­mit­tel und -maßnahmen auf das ge­schlech­ter­ty­pi­sche Konsum- und Kauf­ver­hal­ten von Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern ab­ge­stimmt werden.

Gender werden unter diesem Ge­sichts­punkt als Ziel­grup­pe ver­stan­den, in denen man ver­schie­de­ne Buyer Personas – also Pro­to­ty­pen von Käufern – ausmachen kann.

Ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Un­ter­schie­de im Kon­sum­ver­hal­ten

Sta­tis­tisch gesehen haben Männer und Frauen un­ter­schied­li­che Kon­sum­in­ter­es­sen. So ist es laut Angaben von Statista immer noch so, dass in Deutsch­land mehr Frauen Spaß dabei empfinden, Kleidung zu kaufen. Und Männer ten­den­zi­ell größeres Interesse an tech­ni­schen Neue­run­gen haben.

Außerdem geht die Forschung von un­ter­schied­li­chen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen aus. Der Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess lässt sich in fünf Phasen un­ter­tei­len:

  1. Fest­stel­lung eines Be­dürf­nis­ses
  2. Schaffung eines Markt­über­blicks
  3. Pro­dukt­ver­gleich
  4. Ent­schei­dung für ein Produkt
  5. Kauf des Produkts

Durch­schnitt­lich be­schrei­ten Männer einen linearen Prozess, bei dem sie jede Phase nur ein einziges Mal durch­lau­fen. Sie kon­zen­trie­ren sich immer nur auf die aktuelle Situation und arbeiten die einzelnen Stufen nach­ein­an­der ab. Das Ziel ist es, eine gute Lösung für das „Problem“ bzw. das passende Produkt für ein Bedürfnis zu finden.

Frauen weisen hingegen oftmals einen spi­ral­för­mi­gen Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess auf, bei dem sie einzelne Ent­schei­dungs­pha­sen mehrmals durch­lau­fen. Ihr Ziel ist es, eine perfekte Lösung zu finden. Dabei lassen sie sich von einem de­tail­lier­ten Kri­te­ri­en­ka­ta­log leiten, den sie nach Belieben ausbauen und verändern können.

Hinweis

Zwar sind diese Er­kennt­nis­se in­ter­es­sant für Marketing-Maßnahmen, sollten aber immer in den richtigen Kontext gesetzt werden. Man geht hierbei von Ste­reo­ty­pen und sta­tis­ti­schen Werten aus. Nicht jeder Mann oder jede Frau ist gleich. Außerdem lassen diese Be­trach­tun­gen Menschen, die sich keiner der beiden Gruppen (männlich oder weiblich) zugehörig fühlen, außen vor.

Wie funk­tio­niert Gender-Marketing?

Im Gender-Marketing geht es vor allem darum, die ge­schlech­ter­spe­zi­fi­schen Be­dürf­nis­se von Frauen und Männern in die Ent­wick­lung, den Vertrieb und in die Kom­mu­ni­ka­ti­on von Produkten und Dienst­leis­tun­gen mit­ein­zu­be­zie­hen. Ein ge­lun­ge­ner Marketing-Mix nutzt zu diesem Zweck in der Regel sieben Marketing-In­stru­men­te: Product (Pro­dukt­po­li­tik), Price (Preis­po­li­tik), Place (Dis­tri­bu­ti­ons­po­li­tik), Promotion (Kom­mu­ni­ka­ti­ons­po­li­tik), Personal (Per­so­nal­po­li­tik), Process (Pro­zess­po­li­tik) und Physical Fa­ci­li­ties (Aus­stat­tungs­po­li­tik).

Die Bereiche Product, Place, Promotion und Personal sind dabei besonders in­ter­es­sant für das Gender-Marketing, da Marketer diese In­stru­men­te stark auf die un­ter­schied­li­chen Be­dürf­nis­se und Vorlieben von Mann und Frau abstimmen können. Im Folgenden erläutern wir, wie Sie Gender-Marketing zur er­folg­rei­chen Ver­mark­tung Ihrer Produkte oder Dienst­leis­tun­gen nutzen können.

Product

Die Pro­dukt­po­li­tik, d. h. der gesamte Prozess um die Aus­ge­stal­tung eines Produkts, ist das Herzstück des Mar­ke­tings und be­ein­flusst alle weiteren Mar­ke­ting­pro­zes­se. Ob ein Produkt zum Erfolg oder zum Miss­erfolg wird, ent­schei­det sich bereits in seiner Ent­wick­lungs­pha­se.

Sie als Un­ter­neh­mer sollten sich zunächst gut überlegen, welche Ziel­grup­pe Sie an­spre­chen möchten und was die spe­zi­el­len An­for­de­run­gen Ihrer Kunden sind. Die Wahl der Ziel­grup­pe hängt dabei von mehreren Faktoren ab, wie z. B. der Al­ters­grup­pe, dem sozialen Status oder dem Lifestyle. In der Phase der Ziel­grup­pen­be­stim­mung lässt sich meist auch schon ab­schät­zen, ob Gender-Marketing eine sinnvolle Option ist. Setzt sich Ihre Kund­schaft aus Frauen, Männern oder beiden Ge­schlech­tern zusammen? Haben Ihre Kundinnen und Kunden ähnliche Er­war­tun­gen an Ihr Produkt oder un­ter­schei­den sich die Wünsche der Ge­schlech­ter stark von­ein­an­der?

Nicht nur der tat­säch­li­che Nutzen, sondern auch un­ter­schied­li­che As­so­zia­tio­nen von Frauen und Männern hin­sicht­lich des je­wei­li­gen Produkts sind für das Gender-Marketing wichtig. So werden viele Produkte (überaus er­folg­reich) ge­schlechts­spe­zi­fisch un­ter­schied­lich ver­mark­tet, obwohl streng genommen beide Ge­schlech­ter sie nutzen könnten. Man denke z. B. an Rasierer, die trotz derselben Funktion für Männer und Frauen un­ter­schied­lich designt und ver­mark­tet werden.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Produkte, die sich gen­der­ty­pi­schen Ka­te­go­rien zuordnen lassen. Marketer entwerfen ganze Pro­dukt­wel­ten, in denen sie Produkte in weibliche und männliche In­ter­es­sens­ge­bie­te einordnen. So können für viele Produkte gen­der­spe­zi­fi­sche Ver­kaufs­stra­te­gien ent­wi­ckelt werden.

Place

Mit „Place“ ist die Ver­kauf­s­um­ge­bung gemeint, in der Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher einkaufen. Es ist dabei un­er­heb­lich, ob es sich um einen klas­si­schen Ein­kaufs­la­den oder um eine Shopping-Plattform im Internet handelt: Die Ver­kauf­s­um­ge­bung spielt eine wichtige Rolle bei der Kauf­ent­schei­dung. Während Kauf­häu­ser Faktoren wie Licht­ver­hält­nis­se, Reg­a­lauf­stel­lun­gen, Sau­ber­keit etc. be­rück­sich­ti­gen, haben Web­sei­ten­be­trei­ber eine virtuelle Umgebung zu gestalten. Sie müssen Faktoren wie Webdesign, Dar­stel­lung und In­for­ma­ti­ons­ge­halt des Contents sowie die Website-Na­vi­ga­ti­on im Auge behalten. Doch worauf sollten Sie bei der Ge­stal­tung der Ver­kauf­s­um­ge­bung achten, wenn Sie ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Produkte anbieten möchten?

Während eine Gruppe (ten­den­zi­ell weiblich) mehr auf Sau­ber­keit und Ordnung, far­ben­fro­he Wände und warme Licht­ver­hält­nis­se achtet, geht es der anderen Seite (ten­den­zi­ell männlich) um schnellen Kauf­erfolg: Man möchte zügig zum ge­wünsch­ten Produkt geleitet werden und dann ebenso schnell auch den Kauf ab­schlie­ßen. Daher zielen bei­spiels­wei­se viele Elek­tronik­märk­te auf eine struk­tu­rier­te und schlichte Ver­kauf­s­um­ge­bung.

Auch viele Web­sei­ten­be­trei­ber haben mitt­ler­wei­le fest­ge­stellt: Eine gen­der­spe­zi­fi­sche Ver­kauf­s­um­ge­bung erhöht die Zahl der Be­stel­lun­gen. Zwar sind die Mittel zur Ver­kaufs­ge­stal­tung andere als im Ein­zel­han­del, doch die un­ter­schied­li­chen Be­dürf­nis­se von Frauen und Männern spielen auch in der digitalen Welt eine Rolle. Das betrifft nicht nur das Webdesign, das sich gen­der­spe­zi­fisch gestalten lässt, sondern auch die Texte und Pro­dukt­dar­stel­lun­gen. So haben For­schun­gen ergeben, dass Frauen eher statische Bilder be­vor­zu­gen, während Männer Videos zu Dienst­leis­tun­gen oder zum Produkt besser ver­ar­bei­ten können.

Ihrem Ziel einer schnellen Kauf­ent­schei­dung ent­spre­chend be­vor­zu­gen Männer zudem Pro­dukt­be­schrei­bun­gen, in denen die wich­tigs­ten Pro­duk­tei­gen­schaf­ten kurz und knapp in Lis­ten­form genannt werden – nach Mög­lich­keit unter Angabe konkreter Zahlen, Daten und Fakten. Frauen hingegen wollen sich in der Regel möglichst umfassend über Angebote in­for­mie­ren, daher sind sie auch bereit, längere Texte zu lesen. Diese sollten möglichst genau die Ein­satz­mög­lich­kei­ten und den Nutzen des be­wor­be­nen Produkts ver­deut­li­chen.

Promotion

Mit „Promotion“ sind alle Kom­mu­ni­ka­ti­ons­maß­nah­men nach innen und außen gemeint, die ein Un­ter­neh­men zur Ver­mark­tung seiner Produkte einsetzt. Dazu zählen bei­spiels­wei­se im Fernsehen aus­ge­strahl­te Wer­be­clips oder die In­ter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on, über die durch Social Media und E-Mailings zahl­rei­che po­ten­zi­el­le Kunden erreicht werden. Ein Vorteil von Wer­be­mails: Sie lassen sich per­so­na­li­sie­ren und – aus­rei­chen­de Daten vor­aus­ge­setzt – genau auf die Empfänger zu­schnei­den. Damit eignen sich E-Mails auch perfekt für das Gender-Marketing.

Personal

Zum Bereich „Personal“ gehören alle Personen, die für ein Un­ter­neh­men Dienst­leis­tun­gen für die (po­ten­zi­el­len) Kunden über­neh­men. Also sowohl solche Personen, deren Dienst­leis­tung direkt das ei­gent­li­che Angebot bilden (z. B. bei Um­zugs­fir­men) als auch solche, die sich um den Versand, die Beratung zu oder Re­kla­ma­ti­on von an­ge­bo­te­nen Produkten kümmern. Ein kom­pe­ten­tes Personal trägt erheblich zu einer besseren Kun­den­bin­dung bei.

Im Rahmen des Gender-Mar­ke­tings empfiehlt es sich, sein Personal da­hin­ge­hend zu schulen, die un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­se von Mann und Frau zu be­rück­sich­ti­gen. Das kann z. B. zu voll­kom­men un­ter­schied­lich geführten Ver­kaufs­ge­sprä­chen führen. Gut geschulte Mit­ar­bei­ter merken dann auch schnell, wenn das Gegenüber auf gen­der­ste­reo­ty­pe Ver­kaufs­ideen nicht anspricht, und können die Strategie anpassen.

Gender Marketing: 3 Beispiele

Die Ge­sell­schaft befindet sich in einem ständigen Wandel: Immer weniger Frauen streben ein Dasein als ver­hei­ra­te­te Hausfrau an, sie wollen immer häufiger Karriere im Beruf machen und fi­nan­zi­ell un­ab­hän­gig sein. Und auch die Le­bens­um­stän­de der Männer verändern sich. So steigt die Zahl der Singles, die allein eine Wohnung beziehen und sich ei­gen­stän­dig um den Haushalt kümmern müssen. Frauen lernen, selbst ihre Möbel auf­zu­bau­en, Männer stehen am Herd und kochen – in den 1950er-Jahren wäre so etwas noch undenkbar gewesen. Ver­ge­gen­wär­ti­gen Sie sich also die ge­sell­schaft­li­che Situation und die damit ver­bun­de­nen Be­dürf­nis­se beider Ge­schlech­ter, wenn Sie eine zeit­ge­mä­ße Gender-Marketing-Strategie ent­wi­ckeln wollen. Veraltete Rol­len­vor­stel­lun­gen auf­zu­grei­fen, dürfte in den meisten Fällen für Ir­ri­ta­ti­on sorgen.

Ak­ku­schrau­ber IXO von Bosch

Um seine Ziel­grup­pe zu erweitern, hat das Un­ter­neh­men Bosch einen Ak­ku­schrau­ber ent­wi­ckelt, der auch Käu­fe­rin­nen an­spre­chen soll. Zuvor hatte man Un­ter­su­chun­gen anstellen lassen, wie Heim­wer­ken aus weib­li­cher Per­spek­ti­ve funk­tio­niert. Die Er­geb­nis­se bewiesen, dass Frauen sehr wohl auch selbst zum Werkzeug greifen, wenn Re­pa­ra­tu­ren oder Montagen im Haushalt anstehen.

Die Studie ergab weiterhin, dass es den Frauen weniger um die tech­ni­schen Vorzüge als vielmehr um die leichte Hand­ha­bung der (Elektro-)Werkzeuge geht. Für kleinere Projekte, z. B. das Aufbauen von Möbeln, De­ko­ra­ti­ons­ar­bei­ten oder Baum- und He­cken­rück­schnit­te, benötigen Heim­wer­ke­rin­nen lediglich eine Art Basic-Paket, das leis­tungs­stark und dennoch be­nut­zer­freund­lich ist.

Der IXO ver­zich­tet deshalb auf einen großen Funk­ti­ons­um­fang und liegt leicht in der Hand. Bosch hat trotzdem darauf ver­zich­tet, das Gerät als besonders weiblich zu ver­mark­ten. Das hat den Vorteil, dass sich zu gleichen Teilen Männer wie Frauen für den IXO in­ter­es­sie­ren – denn auch nicht jeder Mann legt Wert auf komplexe Heim­wer­ker­ge­rä­te. In­zwi­schen ist der Ak­ku­schrau­ber eines der er­folg­reichs­ten Elek­tro­werk­zeu­ge der Welt.

Gillette Venus

Ein gutes Beispiel für er­folg­rei­ches Gender-Marketing bietet das Un­ter­neh­men Gillette Company, das Ra­sier­ap­pa­ra­te für Männer und Frauen anbietet. Die Ra­sier­pro­duk­te für Frauen un­ter­schei­den sich von denen für Männer nicht nur in der Optik und Form, sondern werden sogar über die separate Website Gillette Venus ver­mark­tet.

Das Un­ter­neh­men betont dabei je nach Ziel­grup­pe un­ter­schied­li­che Vorzüge der je­wei­li­gen Rasierer: Während die Rasierer für den Mann durch Farb­ge­bung und Dar­stel­lung als sportlich und effizient beworben werden (in der TV-Werbung nutzen pro­mi­nen­te Spit­zen­sport­ler das Produkt), werden beim weib­li­chen Pendant vor allem haut­scho­nen­de Ei­gen­schaf­ten her­vor­ge­ho­ben und das Rasieren als Teil ver­wöh­nen­der Kör­per­pfle­ge in­sze­niert. Somit hat das Un­ter­neh­men ein Produkt in zwei er­folg­rei­chen Pro­dukt­li­ni­en umgesetzt, bei denen Pro­dukt­de­sign und Ver­mark­tung auf jeweils un­ter­schied­li­che Ge­schlech­ter ab­ge­stimmt sind.

Coke Light vs. Coke Zero

Eine in­ter­es­san­te Form des Gender-Mar­ke­tings hat der Softdrink-Her­stel­ler Coca-Cola durch­ge­führt: Zu­sätz­lich zu der seit den 1980er-Jahren sehr er­folg­rei­chem zu­cker­frei­en Cola Light hat das Un­ter­neh­men 2005 die Cola Zero ein­ge­führt – ebenfalls ohne Zucker. Zwar sind bei den beiden Varianten tat­säch­lich die In­halts­stof­fe un­ter­schied­lich, vor allem werden die Getränke aber un­ter­schied­lich ver­mark­tet.

So wird die Coke Zero bei­spiels­wei­se mit bekannten (männ­li­chen) Fußball-Profis beworben und gilt somit als richtige Wahl für leis­tungs­ori­en­tier­te Sportler. Die Light-Cola wird im Mar­ken­auf­tritt vor allem mit den At­tri­bu­ten Leich­tig­keit und Le­bens­freu­de verbunden. Coca-Cola behauptet aber nicht direkt, dass eine Brause eher für Männer und die andere für Frauen geeignet wäre.

Gefahren von Gender-Marketing

Was früher als Män­ner­ar­beit galt, über­neh­men heut­zu­ta­ge zunehmend auch Frauen – das gilt ins­be­son­de­re für hand­werk­li­che und tech­ni­sche Tä­tig­kei­ten. Im Gegenzug sind immer mehr Männer in der Lage, allein einen Haushalt zu führen. Dieser ge­sell­schaft­li­che Wandel bedeutet gleich­zei­tig eine Ver­schie­bung ge­schlechts­spe­zi­fi­scher In­ter­es­sen. Ein er­folg­rei­ches Gender-Marketing muss solche In­ter­es­sens­ver­schie­bun­gen be­rück­sich­ti­gen und ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen erkennen, wenn es ver­kaufs­för­dernd wirken soll.

Doch nicht immer ist eine gen­der­ori­en­tier­te Marketing-Strategie von Vorteil. Denn nicht bei jedem Produkt ist eine ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Ver­mark­tung sinnvoll – ins­be­son­de­re, wenn das Produkt so schlicht ist, dass eine Un­ter­schei­dung zwischen Männer- und Frau­en­ver­si­on unnötig ist (das betrifft viele na­tur­be­las­se­ne Le­bens­mit­tel wie Obst und Gemüse, aber auch zahl­rei­che Ver­brauchs­ge­gen­stän­de wie Ko­pier­pa­pier, Dru­cker­pa­tro­nen etc.). Mit der Ein­gren­zung auf eine bestimmte Ziel­grup­pe geht zudem ein erhöhtes Risiko einher: Denn wird ein Produkt als typisch weiblich oder typisch männlich ver­mark­tet, verliert es für das andere Ge­schlecht an At­trak­ti­vi­tät.

Auch eine allzu of­fen­sicht­lich gen­der­ori­en­tier­te Werbung kann schnell zum Flop werden. Wenn die Ver­brau­cher die Pro­dukt­dar­stel­lung als zu über­zeich­net oder gar anstößig empfinden, werden sie sich davon di­stan­zie­ren. Schon so manches Produkt ist bei der Damenwelt durch­ge­fal­len, weil das Un­ter­neh­men es zu „girly“ ver­mark­tet hat.

Tipps für er­folg­rei­ches Gender-Marketing

Gender-Marketing ist ein sehr komplexes Feld. Wer hier die In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­se von Männern und Frauen nicht präzise erfasst und mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl aufgreift, bleibt erfolglos. Sie als Marketer müssen daher genau ana­ly­sie­ren, welche Marketing-Strategie bei Ihrem Produkt sinnvoll ist. Gender-Marketing sollten Sie vor allem dann nutzen, wenn sich die An­for­de­run­gen, die männliche und weibliche Nutzer an Ihr Produkt stellen, stark von­ein­an­der un­ter­schei­den. Wenn Sie es schaffen, die gen­der­spe­zi­fi­schen Be­dürf­nis­se über­zeu­gend an­zu­spre­chen, dann können Sie ihren Kun­den­kreis erheblich erweitern.

Folgende Tipps sollten Sie auf jeden Fall beachten, um auch nach­hal­tig mit Gender-Marketing er­folg­reich zu sein:

  • Kein „Pink it, shrink it“: Hat man früher noch einfach Produkte kleiner gemacht und ihnen einen Anstrich in Rosa verpasst, kommt man mit solchen durch­schau­ba­ren Taktiken nicht mehr weit. Statt­des­sen sollte man ernsthaft auf die Be­dürf­nis­se un­ter­schied­li­cher Ziel­grup­pen eingehen und das Ziel haben, die Kun­den­zu­frie­den­heit un­ter­schied­li­cher Ziel­grup­pen zu erhöhen.
     
  • Klischees auf­bre­chen: Wer heut­zu­ta­ge beim Mar­ken­auf­tritt mit alten Rol­len­bil­dern ar­gu­men­tiert, wird sich aus­schließ­lich er­folg­reich einen Shitstorm er­ar­bei­ten. Machen Sie Werbung für moderne Menschen, die keinen Wert auf Klischees legen.
     
  • In­di­vi­dua­li­tät bedenken: Nicht alle Männer sind gleich und alle Frauen auch nicht. Ver­mit­teln Sie in Ihren Marketing-Be­mü­hun­gen also niemals den Eindruck, man müsse bestimmte Ei­gen­schaf­ten oder Vorlieben haben, nur weil man zu einem Ge­schlecht gehört.
     
  • Gruppen offen halten: Besonders im Kos­me­tik­be­reich noch beliebt, aber ansonsten nicht mehr zeitgemäß – die Be­zeich­nung „for men“ oder „for women“. Stellen Sie statt­des­sen Ei­gen­schaf­ten heraus, die von der Ziel­grup­pe erwünscht sind. So können bei­spiels­wei­se auch Männer pro­blem­los zu Produkten greifen, die ei­gent­lich der „weib­li­chen“ Ziel­grup­pe zu­ge­ord­net sind.
     
  • Zu­kunfts­wei­send denken: Immer mehr Menschen möchten sich nicht einem Gender zuordnen lassen. Schrecken Sie diese Kon­su­men­ten nicht damit ab, dass Sie auf der Zwei­tei­lung der Ge­schlech­ter bestehen. Eine inklusive Marketing-Strategie dürfte sehr viel er­folg­rei­cher sein.
Fazit

Wer Gender-Marketing behutsam betreibt, kann damit großen Erfolg haben. Dabei sind Kanäle frei be­spiel­bar: Klas­si­sche Werbung (TV, Radio & Print) funk­tio­niert genauso wie Social-Media-Marketing oder Display-Marketing. Wichtig dabei ist immer, dass Sie Ihre Kunden ernst nehmen und nicht krampf­haft in Schub­la­den zu drängen versuchen. Dann gewinnt Ihre Marke lang­fris­tig Sym­pa­thien.

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