Die Kauf­ent­schei­dung steht am Ende des Kauf­ent­schei­dungs­pro­zes­ses und be­zeich­net die Ent­schei­dung, Güter, Leis­tun­gen, Er­fin­dun­gen, Un­ter­neh­men oder andere Dinge zu kaufen. Ziel einer Kauf­ent­schei­dung ist in der Regel die Ma­xi­mie­rung von Nutzen oder Umsatz. Um zu verstehen, wie sich Marketing- und Un­ter­neh­mens­stra­te­gien planen lassen, gilt es, die Kauf­ent­schei­dungs­ty­pen und den Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess zu verstehen.

De­fi­ni­ti­on: Kauf­ent­schei­dung

Bei der Kauf­ent­schei­dung im Zu­sam­men­hang mit dem Kauf­ver­hal­ten handelt es sich um rationale oder emo­tio­na­le Ent­schei­dun­gen, die in­di­vi­du­ell, kollektiv, for­ma­li­siert oder informell getroffen werden. Die Kauf­ent­schei­dung kann sowohl den letzten Moment im Ent­schei­dungs­pro­zess be­zeich­nen als auch den gesamten Ent­schei­dungs­pro­zess von Wahr­neh­mung bis Kauf. Kauf­ent­schei­dung wird somit gleich­be­deu­tend mit Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess ver­stan­den.

Welche Kauf­ent­schei­dungs­ty­pen gibt es?

Eine Kauf­ent­schei­dung kann vom Einkauf im Su­per­markt über On­line­shops bis zum Kauf von Un­ter­neh­men oder Dienst­leis­tun­gen reichen. Aus diesem Grund wird nicht von der Kauf­ent­schei­dung ge­spro­chen, sondern zwischen mehreren Arten von Kauf­ent­schei­dun­gen un­ter­schie­den. Was alle Kauf­ent­schei­dungs­ty­pen gemeinsam haben: Es gibt ein über­ge­ord­ne­tes Ziel für den Kauf, bei dem es sich in der Regel um Nutzen- bzw. Ge­winn­ma­xi­mie­rung handelt. Ebenfalls zeichnen sich Kauf­ent­schei­dun­gen dadurch aus, dass mit dem Kauf ein schrift­li­cher, münd­li­cher oder still­schwei­gen­der Kauf­ver­trag zwischen den be­tei­lig­ten Parteien ge­schlos­sen wird und ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Güter gegen Zahlung des Kauf­prei­ses erworben werden.

Um eigene Ver­kaufs­stra­te­gien zu ent­wi­ckeln und das Kauf­ver­hal­ten von Kunden zu verstehen, ist zwischen folgenden Kauf­ent­schei­dungs­ty­pen zu un­ter­schei­den:

Extensive Kauf­ent­schei­dung

Als extensive, also aus­ge­dehn­te Kauf­ent­schei­dung wird ein um­fang­rei­cher Prozess der Ent­schei­dungs­fin­dung be­zeich­net. Die ra­tio­na­len und psy­cho­lo­gi­schen Abläufe und Lern­pro­zes­se hierbei sind tief­ge­hend, komplex und vor­aus­schau­end. Käufer nehmen sich Zeit für den Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess, stellen Ver­glei­che, Analysen und Be­wer­tun­gen an, um Risiken aus­zu­schlie­ßen sowie Vor- und Nachteile abzuwägen. Meist zeichnen sich an­vi­sier­te ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Güter durch hohe Preise und Kosten aus oder bergen mögliche hohe Risiken. Beispiele sind der Kauf von Un­ter­neh­men, Son­der­aus­stat­tun­gen, Im­mo­bi­li­en oder kos­ten­in­ten­si­ven Tech­no­lo­gien und Spe­zi­al­ma­schi­nen.

Li­mi­tier­te/Ver­ein­fach­te Kauf­ent­schei­dung

Die li­mi­tier­te Kauf­ent­schei­dung nennt sich auch ver­ein­fach­te Kauf­ent­schei­dung, da der Ent­schei­dungs­pro­zess nicht von komplexen Vor­über­le­gun­gen oder lang­wie­ri­gen psy­cho­lo­gi­schen Vorgängen geprägt ist. Käufer bzw. Käu­fe­rin­nen sind meist mit der Produkt- oder Leis­tungs­ka­te­go­rie vertraut, haben eine Vor­auswahl getroffen oder ori­en­tie­ren sich an be­grenz­ten gängigen Kriterien wie Preishöhe, Material oder Be­kannt­heit von Marken und Un­ter­neh­men (z. B. beim Einkauf von Le­bens­mit­teln, Getränken, Sa­ni­tär­wa­ren oder Bü­ro­be­darf). Der Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess durch­läuft somit nicht zwingend jeden Schritt, erfolgt ver­ein­facht und birgt keine hohen fi­nan­zi­el­len Risiken oder Be­las­tun­gen.

Ha­bi­tu­el­le Kauf­ent­schei­dung

Bei ha­bi­tu­el­len Kauf­ent­schei­dun­gen beruht die Ent­schei­dungs­fin­dung auf Ge­wohn­heit und Erfahrung. Käufer steuern in der Regel gezielt oder au­to­ma­ti­siert Produkte, Her­stel­ler oder Dienst­leis­tungs­an­bie­ter an, die ihnen vertraut sind. Vor­aus­ge­hen­de Hand­lun­gen wie Ver­glei­che oder Re­cher­chen kommen im Grunde nicht vor, da die Kauf­ent­schei­dun­gen von bekannter Pro­dukt­qua­li­tät, Her­stel­ler­kon­tak­ten oder einem optimalen Preis-Leistungs-Ver­hält­nis geprägt sind. Beispiel sind hierfür ist das Kauf­ver­hal­ten von Stamm­kun­den oder Abon­nen­ten, die einem Laden, Her­stel­ler, Produkt, Dienst­leis­ter oder einer Marke die Treue halten.

Impulsive Kauf­ent­schei­dung

Als impulsiv wird eine Kauf­ent­schei­dung be­zeich­net, wenn der Kauf spontan, emotional oder durch starke Reize ausgelöst wird und keinen lang­wie­ri­gen psy­cho­lo­gi­schen Prozess vor­aus­setzt. Fi­nan­zi­el­le oder ma­te­ri­el­le Risiken sind gering. Der Kauf kann durch ein plötz­li­ches Lust­ge­fühl wie Heiß­hun­ger, emo­tio­na­le Trigger, Zeit­man­gel, drin­gen­den Bedarf oder äußere Einflüsse wie Son­der­an­ge­bo­te erfolgen.

So funk­tio­niert der Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess

Ver­kau­fen­de, Un­ter­neh­men oder Dienst­leis­ten­de sollten Kauf­ent­schei­dun­gen nicht dem Zufall über­las­sen. Wer sowohl die Arten der Kauf­ent­schei­dung als auch die Phasen im Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess ana­ly­siert und auswertet, kann das Kauf­ver­hal­ten von Kunden und Kundinnen be­ein­flus­sen und durch gezieltes Marketing steuern. Kauf­ent­schei­dun­gen hängen je nach Kategorie, Situation und Person von kulturell-sozialen, in­di­vi­du­el­len, fi­nan­zi­el­len und psy­cho­lo­gi­schen Kriterien und Faktoren ab. Dennoch lassen sie sich sowohl bei B2C- und B2B-Si­tua­tio­nen als auch im E-Commerce und im sta­tio­nä­ren Handel in we­sent­li­che Phasen un­ter­tei­len.

Um welche es sich dabei handelt, hängt vom je­wei­li­gen Phasen-Modell ab, das zur Ver­an­schau­li­chung der Customer Journey zum Einsatz kommt. Zu den bewährten Marketing-Modellen gehören vor allem das Fünf-Phasen-Modell nach John Dewey und die Consumer Decision Journey (CDJ) nach McKinsey.

Fünf-Phasen-Modell (Dewey)

Wer das Marketing und die Aus­wer­tung von Kun­den­ver­hal­ten nach John Deweys Modell aus­rich­ten möchte, sollte folgende Kauf­ent­schei­dungs­pha­sen beachten:

  1. Pro­blem­er­ken­nung (Bedarf): Kunden und Kundinnen bzw. Käufer und Käu­fe­rin­nen haben einen konkreten Bedarf, der sich durch ent­spre­chen­de Angebote bedienen lässt. Angeregt oder ausgelöst wird dieser durch innere oder äußere Reize. Be­dürf­nis­se lassen sich durch Marketing und Werbung zudem gezielt erzeugen.
     
  2. In­for­ma­ti­ons­pha­se (Recherche): Um den Bedarf zu stillen, gehen Kunden und Kundinnen auf die Suche nach In­for­ma­tio­nen und stellen eine Recherche zu passenden Angeboten und Pro­dukt­de­tails an. Der Umfang der Recherche bestimmt, ob es sich um extensive oder li­mi­tier­te Ent­schei­dun­gen handelt. In dieser Phase lässt sich die Ent­schei­dungs­fin­dung aus Un­ter­neh­mens­sicht aktiv durch eine Multi-Channel-Strategie oder Aus­wer­tun­gen von Kun­den­ver­hal­ten bei der In­for­ma­ti­ons­su­che be­ein­flus­sen.
     
  3. Bewertung/Vergleich von Al­ter­na­ti­ven: Je nach erhoffter oder ge­wünsch­ter Nutzen- und Ge­winn­ma­xi­mie­rung gehen der Kauf­ent­schei­dung ein Vergleich und eine Bewertung der näheren Auswahl voraus. Wichtig ist es hierbei, Pro­duk­tei­gen­schaf­ten und Leis­tun­gen klar und über­zeu­gend zu kom­mu­ni­zie­ren und durch positives Feedback, Reviews, Aus­zeich­nun­gen und USPs attraktiv zu machen.
     
  4. Kauf­ent­schei­dung (Kaufakt): In der Kauf­ent­schei­dung kul­mi­nie­ren die vor­aus­ge­gan­ge­nen Phasen. Durch den Kaufakt kommt ein schrift­li­cher, münd­li­cher oder still­schwei­gen­der Kauf­ver­trag zustande. In dieser Phase kann laut dem ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Philip Kotler die Ent­schei­dung noch durch negatives Feedback von anderen Kunden oder Kundinnen oder durch andere in­di­vi­du­el­le, schwer zu be­ein­flus­sen­de Faktoren auf Seiten des Kunden der der Kundin gestört werden.
     
  5. Phase nach dem Kauf (After-Sales): Die Phase nach dem Kauf bietet für Un­ter­neh­men viel­sei­ti­ge Mög­lich­kei­ten, um Kun­den­treue, Kun­den­ver­trau­en und Kun­den­bin­dung auf­zu­bau­en – z. B. durch After-Sales-Dienste, Kun­den­ser­vice, Pro­dukt­ga­ran­tien oder zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen zu Angeboten wie sie Emp­feh­lungs­sys­te­me im E-Commerce nutzen. Zu­frie­de­ne Kunden und Kundinnen können somit zu Stamm­kun­den und -kundinnen und die Kauf­ent­schei­dung kann habituell werden.

Consumer Decision Journey (McKinsey)

Das CDJ-Modell geht auf eine Studie des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens McKinsey zurück und bildet den Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess in folgenden Phasen ab:

  1. Con­side­ra­ti­on: Kunden und Kundinnen ver­glei­chen Angebote und ziehen basierend auf vor­he­ri­gen Kontakten oder ge­sam­mel­ten In­for­ma­tio­nen ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten für eine Kauf­ent­schei­dung in Erwägung.
     
  2. Eva­lua­ti­on: Über ver­schie­de­ne In­for­ma­ti­ons­ka­nä­le ver­glei­chen, ana­ly­sie­ren und bewerten Kunden und Kundinnen eine Auswahl an Optionen. Un­ter­neh­men können diese Kanäle bereits nutzen, um die Kauf­ent­schei­dung zu steuern.
     
  3. Buy: Die ab­schlie­ßen­de Phase besteht aus dem Kaufakt, der sich durch flexible Preis­mo­del­le, günstige Ver­sand­op­tio­nen und einen geringen Kun­den­auf­wand für eine Ge­winn­ma­xi­mie­rung nutzen und be­ein­flus­sen lässt.
     
  4. Ex­pe­ri­ence, Advocate & Bond: Die After-Sales-Phase bietet viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, um durch die Nach­be­treu­ung von Kunden und Kundinnen sowie durch die Analyse von Feedback Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen in der Pro­duk­ti­on, im Service, in der Bestell- und Ver­sand­ab­wick­lung sowie in der Kun­den­zu­frie­den­heit vor­zu­neh­men.
Hinweis

Ein weiteres Modell, das Phasen und Ziele von um­satz­stei­gern­den Mar­ke­ting­maß­nah­men definiert, ist das AIDA-Modell. Es umfasst die Phasen und wer­be­tech­ni­schen Teilziele Auf­merk­sam­keit, Interesse, Verlangen und Handlung.

Be­son­der­hei­ten beim Online- Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess

Die er­folg­rei­che Be­ein­flus­sung von Kauf­ent­schei­dun­gen im E-Commerce hängt stark davon ab, ob Un­ter­neh­men wissen, wo sich Ihre Kun­den­grup­pen online bewegen, in­for­mie­ren und aus­tau­schen. Durch vor­aus­schau­en­de Multi-Channel- und Customer-Journey-Stra­te­gien lassen sich das Kauf­ver­hal­ten von Kunden und Kundinnen ana­ly­sie­ren und die Sicht­bar­keit und Reich­wei­te ver­bes­sern, z. B. durch Customer-Journey-Mapping, Kun­den­pro­fi­le bzw. Personas und Buyer Personas sowie durch Sicht­bar­keit, Er­reich­bar­keit und trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on. Hier gilt es zu wissen, welche Er­war­tun­gen und An­for­de­run­gen Kunden und Kundinnen an E-Commerce-Dienste und On­line­händ­ler stellen.

Die Tatsache, dass immer mehr Kunden und Kundinnen Kauf­ent­schei­dun­gen online treffen, macht eine nach­hal­ti­ge digitale Ver­kaufs­stra­te­gie inklusive Con­ver­si­on-Rate-Op­ti­mie­rung und CRM im E-Commerce un­ab­ding­bar und stellt an­ge­sichts der digitalen In­for­ma­ti­ons­über­flu­tung einen klaren Wett­be­werbs­vor­teil dar.

Als Be­son­der­hei­ten beim Online-Kauf­ent­schei­dungs­pro­zess sind vor allem folgende Kun­den­er­war­tun­gen und Kriterien für eine positive Kauf­ent­schei­dung zu beachten:

Tipp

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Ein­fluss­fak­to­ren für eine Kauf­ent­schei­dung

Der Prozess der Kauf­ent­schei­dung wird von ver­schie­de­nen Faktoren be­ein­flusst. Wer sich mit Kriterien für eine Kauf­ent­schei­dung vertraut macht, kann diese im Marketing nutzen oder je nach Situation umgehen, um für eine optimale Customer Journey zu sorgen und Um­schlag­zah­len zu erhöhen.

Folgende Ein­fluss­fak­to­ren sind zu beachten:

  • Per­sön­li­che oder emo­tio­na­le Kauf­mo­ti­ve/Anreize, z. B. kör­per­li­che Be­dürf­nis­se wie Hunger, Durst oder Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten, in­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen und Prä­fe­ren­zen, tech­ni­sche Ansprüche oder Wünsche, äs­the­ti­sche Vorlieben und Ge­schmä­cker, hy­gie­ni­sche Be­dürf­nis­se
     
  • Über­ge­ord­ne­te, rationale Kauf­mo­ti­ve/Anreize, z. B. maximale oder minimale fi­nan­zi­el­le Limits, familiäre Si­tua­tio­nen, Un­ter­neh­mens­zie­le, Spe­zi­al­an­for­de­run­gen, be­ruf­li­che Be­dürf­nis­se oder Aus­stat­tung, hy­gie­ni­sche Ansprüche
     
  • Externe Kauf­mo­ti­ve/Anreize, z. B. stra­te­gi­sche Auslage von Produkten, künst­li­che Ver­knap­pung von Angeboten, Rabatte, Son­der­an­ge­bo­te, Mar­ken­pres­ti­ge, äs­the­ti­sches/sen­so­ri­sches Marketing, Mund­pro­pa­gan­da und Kun­den­emp­feh­lun­gen, Wer­be­kam­pa­gnen und pro­mi­nen­te Wer­be­trä­ger oder -trä­ge­rin­nen, Multi-Channel-Marketing und Om­nich­an­nel-Marketing
     
  • Kauf­be­schrän­kun­gen, z. B. ver­schrei­bungs-, ge­neh­mi­gungs- oder zer­ti­fi­zie­rungs­pflich­ti­ge Produkte oder Dienst­leis­tun­gen
     
  • Kauf­ri­si­ko, z. B. fi­nan­zi­el­le Vor­über­le­gun­gen und Hand­lungs­be­schrän­kun­gen oder auch Si­cher­heits- und Qua­li­täts­be­den­ken be­stimm­ter Gruppen von Käufern und Käu­fe­rin­nen
     
  • Versand- und Re­tour­ser­vice, z. B. günstiger Versand inkl. ver­schie­de­ne Ver­sand­op­tio­nen und kun­den­freund­li­cher Re­tour­ser­vice
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